Kuba – Fidel & Salsa

Meine Ankunft in Havanna war spät abends. Glücklicherweise musste ich mich aber nicht gross um eine Transportmöglichkeit in die Stadt kümmern. Ich hatte nämlich eine Adresse von einem Casa Particular. Casa Particulares sind die authentischsten Unterkünfte auf Kuba – man wohnt bei einer kubanischen Familie – und nebenbei auch günstiger als die völlig überteuerten Hotels, die letztendlich alle dem Staat gehören. Zwar hatte mein gewünschtes Casa kein Zimmer mehr frei, aber bei den Nachbarn war eines verfügbar. So wurde ich also vom Taxifahrer mit einem Schild mit meinem Namen in Empfang genommen und binnen einer halben Stunde zu meinem Casa gefahren. Es war dunkel und ich konnte nicht sehr viele erste Eindrücke gewinnen. Zudem ist es immer etwas komisch bei Dunkelheit in einem unbekannten, neuen Ort anzukommen – erst recht in einem unbekannten Land. Das Taxi fuhr in Havanna Vieja – der berühmt berüchtigten Altstadt – vorbei am Capitolio und pompösen Hotelbauten aus einer anderen Zeit. Die Strasse, wo sich mein Casa befand, erschien mir dagegen etwas dunkel und leicht heruntergekommen. Ich wurde von meinem Wunsch-Casa freundlich begrüsst und eingeladen, wann immer ich möchte auf ein Gespräch oder für Infos vorbeizukommen. Dann wurde ich zu den Nachbarn begleitet. Mein Rucksack wurde die grosse, steile Treppe hinaufgetragen. Auch von meiner Gastfamilie wurde ich freundlich begrüsst. Mein Zimmer war sauber und gross mit einem eigenen Badezimmer nebenan.

Ich war sehr durstig und habe nach Wasser gefragt. Aber natürlich hatte meine Gastfamilie kein Mineralwasser in Flaschen. Und so habe ich von dem purifizierten Wasser getrunken, was die Leute trinken. Dabei muss man sich keine Sorgen machen. Denn letztendlich vertragen die meisten in einer Stadt lebenden Einheimischen auch kein Wasser direkt vom Wasserhahn. Das Wasser wird immer irgendwie purifiziert mittels Filtern oder einfach abgekocht – also kein Grund zur Sorge. Ich war sehr müde und bin dann gleich schlafen gegangen.

Morgens bin ich nach einem ausgiebigen Frühstück mit Käsebrot, frischen Früchten, Fruchtsaft und Kaffee auf eine erste Erkundungstour gegangen. Die Strasse sah schon nicht mehr so heruntergekommen aus. Und zwei Strassen weiter befand sich auch schon die grosse Strasse. Es war sehr heiss, der Schweiss ist mir nur so runtergelaufen und ich bin ziemlich weit rumgelaufen bis ich endlich eine Flasche Mineralwasser – sicherlich die bessere Option als purifiziertes Hahnenwasser wegen den Mineralien – fand. Aufgrund der Hitze habe ich mich dann entschieden eine Bustour zu machen und mich in einen Sightseeingbus à la London gesetzt. Es war superheiss direkt unter der brennenden Sonne. Aber es hat sich definitiv gelohnt um einen ersten Überblick von Havanna zu kriegen. Der Bus kostet 5 CUC (ca. 5 USD) und bringt einen entlang des berühmten Malecons – Strasse am Meer – zu schönen Häusern, der Universität, zum legendären Havanna Libre – einst ein Hilton Hotel, welches von Fidel umbenannt wurde -, zurück zur Altstadt mit den wunderschönen, restaurierten Gebäuden. Und ich habe gleich zwei legendäre Fotos gekriegt – eine Fahrschule à la Kuba und ein Double von Fidel Castro.

Die nächsten Tage habe ich mir Havanna Vieja angeschaut und das berühmte Museo de la revolución. Durch die starke sozialistische Propaganda im Museum erscheint einem die Idee des Sozialismus als keine schlechte. Fidel hat es geschafft ein System mit erstklassiger Medizin und einer guten Grundbildung aufzubauen. So überrascht es nicht, dass Kuba in der Aids- und Krebsforschung an der Weltspitze mitmischt und Ärzte in andere Länder nach Haiti oder Venezuela schickt. Für die Kubaner ist die medizinische Versorgung gratis. Und das gute Bildungssystem zeigt sich in Gesprächen mit Kubanern, wenn man schon Länder bereist hat, wo die Bildung nicht den westlichen Vorstellungen entspricht. Die Revolution beinhaltete auch Sportprogramme für Kinder und Krippen für arbeitende Mütter. Insgesamt hat wohl die Landbevölkerung und die Arbeiter stark von der Revolution profitiert während die Oberschicht geradezu ins Ausland verbannt wurde – freiwillig oder im Falle von Nicht-Kubanern auch unfreiwillig. So ist auch der Zerfall Havannas zu erklären, bis die UNESCO Unterstützung zur Restauration der historischen Gebäude geboten hat.

Geschwächt durch das Handelsembargo der USA, profitierte Kuba vor allem von den Geschäften mit der ehemaligen Sowjetunion und unterhielt gute Beziehungen zur ehemaligen DDR. Die vorangetriebene Industrialisierung scheiterte, so dass Kuba vor allem auf Landwirtschaft setzte. Das chaotische Hin und Her zwischen Planwirtschaft und marktwirtschaftlichen Elementen und der Zusammenbruch der Sowjetunion erschwerten das Leben auf Kuba. Das Sparprogramm der Sonderperiode nach 1989 war eine harte Prüfung für den kubanischen Sozialismus. Heute sind Devisen (Pesos Convertibles) das einzige Auskommen für Kubaner um ein einigermassen normales Leben führen zu können. Kuba kennt ein System von zwei Währungen. Der Peso Cubano ist die eigentliche Währung, in der magere Saläre bezahlt werden (ca. 20 – 30 USD im Monat), die auch mit dem Gratisbezug von Lebensmitteln nirgendwo hinreichen. Viele Dinge wie eine gute Seife oder Elektronikartikel sind gar nicht in kubanischen Pesos erhältlich. Der Umtausch in Convertibles ist aufgrund des Wechselkurses (25 Pesos für einen Convertible) eine schlechte Option, so dass mit allen Mitteln versucht wird Convertibles zu verdienen und so kommt der Tourismus ins Spiel. Als Autobesitzer bietet man seine Dienste als Taxi an, als Hausbesitzer richtet man ein schönes Zimmer zur Vermietung an Touristen her oder man errichtet einen Comedor – ein Familienrestaurant – oder bietet seine Dienste als Tourguide an.

Später auf meiner Reise durch Kuba habe ich ein Museum besichtigt, das die weniger schönen Seiten der Revolution hervorbrachte. Man hört selten davon, dass nicht alle Kubaner mit der Revolution und Fidel an der Spitze einverstanden waren. Nachdem Fidel die Macht übernommen hatte, fanden sogenannte Säuberungen statt. Man wollte die Revolution durchsetzen und hat die Gegner schlichtweg ausgelöscht – ein regelrechter Genozid fand statt. Über die Anzahl der Gegner wird geschwiegen.

Kuba ist erfinderisch und schlägt sich in meinen Augen recht gut. Seit Raul an der Macht ist, hat die Zweiklassengesellschaft aber deutlich zugenommen. Plötzlich sind Handys und Fernseher legal und die Schere weitet sich. Man trifft ältere Damen, die um Seife betteln, da kein Zugang zu Convertibles vorhanden ist und Seifen in der Regel nicht gegen kubanische Pesos erhältlich sind.

Ich messe den Reisekomfort in der Regel an den vorzufindenden Toiletten. Dabei gelten die Kriterien Sauberkeit, Toilettenpapier, funktionierende Spülung, laufendes Wasser zum Händewaschen und als NonPlus-Ultra Seife und Handtücher. Interessant ist das Reinigungssystem kubanischer Toiletten. In der Regel sitzt die Putzfrau vor der Toilette und gibt gegen Kleingeld Toilettenpapier aus. Die meisten Toiletten werden so regelmässig gereinigt und sauber gehalten. Es gibt allerdings auch jene Toiletten, wo man sich fragt, warum man Kleingeld bezahlen muss, weil sie eher schlecht als recht sauber gehalten werden.

Kuba ist das sicherste Land zum Reisen, das ich je gesehen habe. Man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit problemlos irgendein Auto als Taxi benutzen. Ich fühlte mich auch nachts immer sicher in den Strassen. Selbstverständlich soll man trotzdem immer einen gesunden Menschenverstand walten lassen und auf seine Intuition hören. Es gibt Überall Diebstähle auf dieser Welt, wo es Menschen gibt.

Die Kubaner sind ansteckend freundlich, aufgeschlossen und immer gesprächsbereit. Die männlichen Genossen sind in ständiger Flirtbereitschaft und schrecken auch in Begleitung ihrer Freundin oder Ehefrau nicht vor Komplimenten an andere Frauen zurück. In Kubas Strassen lernt frau sehr schnell all die Pfiffe und Laute „hola guapa, que linda…“ zu ignorieren. Da diese alle paar Meter vorkommen können, käme man nie irgendwohin, wenn man ernsthaft darauf antworten würde. Ich habe die Kubaner als hartnäckige Machos kennengelernt, die für ein Nein gerne eine Begründung hören möchten. Ich habe nach dem zweiten Nein zu sagen gepflegt, dass Nein einfach nur Nein heisst und ich mich nicht dafür erklären müsse. Dies hat immer sehr gut funktioniert. Letztendlich sind sich die Männer Ablehnung einfach nicht gewohnt und die Treue nimmt in Kuba niemand so genau. Von daher braucht es manchmal zwei oder drei Neins. Man kann es auch so sehen: Der kubanische Mann ist ein Charmeur und es sich schlichtweg nicht gewohnt, dass eine Frau seinem Charme wiederstehen kann.

Ich habe Kuba als die Tanznation schlechthin kennengelernt. Die Kubaner können so gut tanzen, dass ich manchmal bei dem Anblick in einer Disco nur pures Glück empfunden habe wie bei den schönsten Naturschauspielen und Landschaften. Und schon kleine Kinder können unglaublich gut tanzen. Sie schauens sich einfach von den zahlreichen Videoclips ab…

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