Die Reise durch Kuba

Transportmittel sind in Kuba rar und aufgrund der Kosten fahren die meisten Kubaner auf umfunktionierten Lastwagenbrücken. Solche Fahrten sind aber nur für Kurzstrecken geeignet und ein regelrechter Fleischmarkt mit dem ganzen Gedränge. So war für mich klar, dass ich mit den Touristenbussen reise, welche doch ziemlich komfortabel, aber leider extrem klimatisiert waren.

Meine erste Station war das Valle Viñales – die Zone des Tabakanbaus mit grünen Feldern auf roter Erde. Kaum im Casa angekommen, wollte die Hausdame auch schon einkassieren und mir eine Reittour verkaufen. Ich war erst nicht sehr überzeugt, da Pferde und Reiten mir nicht sehr viel sagen und ich nicht alleine mit einem Guide losgehen wollte. Aber schon bald erschien der Freund des Hauses, ihr Cousin, ein sympathischer – selbstverständlich äusserst charmanter – Kubaner in meinem Alter. Und schon hatte ich einen Reitausflug für den nächsten Tag gebucht. Es war sehr heiss, aber die Bilder, die sich mir Pferd aus boten sowie die zurückgelegte Distanz in den vier Stunden haben sich absolut gelohnt. Wir sind über die Felder geritten, eine Tabakscheune und Bauern besucht, während die Sonne auf mich runterbrannte.

Mein Tourguide hat mich dann für die nächsten Tage jeweils abends zum Tanzen abgholt und mir geduldig etwas Salsa beigebracht. Eines Nachmittags habe ich in einem Strassenlokal im Dorf einen Drink genossen als der Guide auftauchte und mich zum Geburtstag seines Onkels einlud. Ich war erst äusserst skeptisch, habe mich dann aber überzeugen lassen. So sind wir zu zweit auf einem Fahrrad – ich vorne quer auf der Stange sitzend – aus dem Dorf zu seiner Familie gefahren, wo ich von allen herzlich begrüsst wurde, als würden wir uns schon immer kennen. Mir wurde erst ein Sitzplatz auf der Veranda und einen Cuba Libre angeboten, während immer mehr Leute eingetrudelt sind. Kurz darauf wurde eine Suppe serviert, die ich leider nicht essen konnte, weil Fleisch darin war. Ich habe mich ziemlich schäbig gefühlt, das Essen abzulehnen, zumal ich schon probiert hatte, weil ich dazu aufgefordert wurde. Mein Guide hat dann Kubas Nationalspiel Domino organisiert, während die Männer Geld gesammelt haben und ins Dorf gefahren sind um Rum und kühle Biers zu besorgen. Mein Geld war nicht willkommen. Die „vaca“ sei eine Männerangelegenheit auf Kuba. Kaum zurück mit den Biers haben die Frauen Tomaten- und Gurkensalat und super leckere selbstgemachte Chips serviert. So sind wir dann stundenlang Domino spielend dagesessen. Domino ist hauptsächlich ein Männerspiel, während die Frauen meistens im Haus oder in der Küche waren. Die Männer haben typisch für Kubaner Komplimente durchblicken lassen. Je mehr Bier, desto lauter und ausgelassener wurde die Stimmung bis die Dominosteine mit Kraft und begleitenden Bluffworten gesetzt wurden. Ich habe das echte Kuba erlebt an diesem Nachmittag, obwohl ich etwas Mühe hatte mit dem kubanischen Spanisch, das ganze Wörter verschluckt und sehr schnell ist.

Meine Reise durch Kuba führte mich nach Trinidad, einer wunderschönen Kleinstadt, mit einer prominenten Höhlendisco und einem nahegelegenen schönen Sandstrand nach Camagüey zur angeblichen imaginären Grenze zum karibischeren Kuba. Meine Ankunft in Camagüey war wie erwartet eine stürmische Belagerung von Kubanern, die ein Casa anbieten wollten. Da ich aber bereits eine Reservation von meinem Casa in Trinidad hatte, konnte ich mir dies alles ersparen. Und so blieb dies der einzige unangenehme Moment in Camagüey. Obwohl ich nur für eine Nacht in dieser Stadt mit den Labyrinthstrassen blieb, verbrachte ich doch einen einmaligen Nachmittag.

Ich habe schnell gemerkt, dass Camagüey’s Sehenswürdigkeiten ziemlich weit auseinanderliegen un es viel zu heiss ist, die Stadt zu Fuss zu erkunden. Und so habe ich ein Bicitaxi – ein Fahrrad mit einer Sitzbank für zwei Personen – genommen. Der Fahrer verlangte nur einen Convertible für eine ziemlich lange Fahrt und so habe ich mich nach jeder weiteren Sehenswürdigkeit für eine weitere entschieden. Der Fahrer hat natürlich sofort das Gespräch gesucht und begeistert von seinen drei Kindern in meinem Alter erzählt. Unterwegs hat er angehalten und mir einen Muschelcocktail spendiert und meinte, dass dieser gut für den Magen sei. Keine Ahnung, ob die Dinger roh waren – auf jeden Fall habe ich nur gehofft, dass diese meinen Magen nicht verderben.

Als wir bei einer Kirche ankamen, wollte ich auf den Turm steigen, weil man von da eine tolle Aussicht auf die Stadt hat. Weit und breit war kein Tourist zu sehen und so bin ich ganz alleine die Treppen hochgegangen, bis der Guide gerufen hat und die Treppe hochgerannt kam. Kaum oben meinte er, dass die der Kirche angrenzenden Gebäude in den Siebziger Jahren eine Schule waren, die er besuchte und er das Gebäude nun zum ersten Mal von oben sehe. Er war ganz begeistert und schwelgte in alten Erinnerungen und dem damaligen Sportunterricht. Wieder unten in der Kirche hat er neugierig den Aufseher befragt. Und so habe ich eine ziemlich lange und interessante Geschichtslektion zur Kirche und der angrenzenden Gebäude erhalten. Ich hatte das Gefühl, dass die Stadttour für den Fahrer des Bicitaxis mindestens so aufregend wie für mich war. Als ich schlussendlich nach dem Gesamtbetrag für die dreistündige Tour fragte, meinte er, dass ich ihm geben kann, was ich möchte. Und so war er mit den 5 Convertibles mehr als zufrieden und ich hatte einfach ein gutes Gefühl nicht als Geldkuh angesehen zu werden und geben zu können, was ich für angemessen fand. Das war ein toller, spannender Nachmittag!

Auf dem Weg nach Santiago de Cuba habe ich eine Dänin kennen gelernt. Eigentlich wollte ich eine Kubanerin besuchen, deren Adresse von einem Schweizer bekommen habe. Aber dann hatte ich einfach eine gute Zeit und die Tage waren jeweils so schnell rum. Wir sind ausgegangen und haben zwei super gute Tänzer kennengelernt, die beide im Musikbusiness arbeiten und nach einer langen Nacht tanzend gleich Tanzstunden – Salsa natürlich – für den folgenden Tag vereinbart. Die Tanzstunden waren super professionell, aber nicht ganz einfach, da Kubaner absolute Perfektionisten sind was Tanzen angeht. Dann ist eine weitere Kollegin, die ich in Viñales kennen gelernt habe, angekommen und wir sind jeweils mit Kubanern ausgegangen, die die stadtbesten Tänzer waren, egal, wo wir hinkamen. Wow, der Anblick dieser Tänzer war einfach der Hammer. Alleine zuschauen hat ein richtiges Glücksgefühl in mir ausgelöst und mittanzen hat erst recht Spass gemacht. So haben wir die Tage vor allem mit Ausgehen und Tanzen verbracht und haben an einem Tag einen Roller gemietet und sind damit ca. 30 km aus der Stadt rausgefahren. Das war ein weiteres Abenteuer bei den Strassen mit den riesigen und zahlreichen Schlaglöchern und den wenigen Schildern, uns den Weg angezeigt haben. So war es umso mehr ein tolles Gefühl, als wir abends in die Stadt zurückfuhren und ich gleich auf Anhieb den Weg durch den Einbahnverkehr zurück gefunden habe.

Die Busfahrt durch die Provinz Guantanamo nach Baracoa war eine hügelige Angelegenheit mit einem wunderbaren Ausblick auf die grünen Hänge des ländlichen Kuba. Baracoa hat uns neben einer Wanderung die typische Delikatesse Fischcurry in Kokosnusssauce und einen regenreichen Tag beschwert.

Die Wege meiner Mitreisenden haben sich dann getrennt und so bin ich nach Playa Larga in die Schweinebucht gefahren. Playa Larga bietet Strände, Tauchen, Nationalparks und einfach nur Ruhe. Es gab nicht mal ein richtiges Restaurant, welches abends offen hatte. Ich habe jeweils im Casa superfrischen Fisch oder Hummer gegessen. Tagsüber bin ich an den Strand gegangen oder war Tauchen. Tauchen war eine ziemlich spezielle Angelegenheit. Da ich seit meinem Tauchschein in Thailand vor sechs Jahren nicht mehr getaucht bin, wollte ich eigentlich eine kleine Auffrischung machen. So bin ich beim Tauchveranstalter vorbeigegangen, habe nach Informationen gefragt und Theoriebücher verlangt, die nicht vorhanden waren. Der Angestellte meinte aber, dass der Guide individuell auf mich Rücksicht nehmen würde. Ich war dann ziemlich überrascht als ich am nächsten Morgen beim Frühstück von dem französischen Pärchen im Casa hörte, dass sie noch nie vorher getaucht seien, habe mir aber noch nichts weiter gedacht…

Auf dem Parkplatz angekommen hat unser Guide uns dann demonstriert wie wir die Ausrüstung zusammenstecken. Kein Buddycheck wie üblich! Und schon gingen wir ins Wasser. Ich habe dem Guide vorhin gesagt, dass ich leicht erkältet war und nicht sicher sei wie gut ich den Druckausgleich machen könne und nicht tiefer als 10 Meter tauchen wolle, unter anderem auch weil ich seit Langem nicht mehr getaucht bin. Der Guide meinte dann, dass wir ihm anzeigen sollten, wann wir noch 100 bar Luft hätten, damit wir den Rückweg antreten könnten. Nur – das französische Pärchen wusste ja kaum wohin schauen und wo kontrollieren, geschweige denn wie der Regulator in den Mund gehört wie die Tarierung kontrolliert werden kann usw. Ich war nur heilfroh, dass ich mich plötzlich wieder an einige Dinge erinnert habe, und dass der Tauchgang vom Strand her abfallend einfacher zu handhaben und auch sicherer ist. Der Franzose hatte ziemlich Probleme mit der Tarierung, was mich bei seiner Grösse und insbesondere der Unerfahrenheit kein bisschen überrascht hat. Umso schockierender war der Moment als wir wieder aufgetaucht sind und der Guide meinte, dass wir auf 17.4 m unten waren, während mein Meter nie tiefer als 12 m angezeigt hatte. Auf meinen Hinweis diesbezüglich meinte der Guide nur, dass die Ausrüstung nicht mehr die Neuste und nicht so genau wäre und seine Tauchuhr 17.4 m angezeigt hat. Wie bitte? Ich dachte, ich sei im falschen Film. Ich wunderte mich doch sehr, dass nicht mehr Unfälle passieren. Gespräche mit erfahrenen Tauchern nachher haben mir dann bestätigt, dass Tauchen auf Kuba in den allermeisten Fällen absolut unprofessionell ist und veraltetes Equipment verwendet wird. Okay, das war’s dann für mich mit Tauchen auf Kuba.

Dafür habe ich die Chance genutzt um mit der Angestellten meines Casas auszugehen, nachdem sie mir angeboten hat, mir das lokale Nachtleben zu zeigen. Ich war ganz gespannt wie es ist, mit einer Kubanerin auszugehen an Stelle auszugehen und von Kubanern angemacht zu werden. Innert kurzer Zeit hat sie ihre Freunde zusammengetrommelt um der Ausländerin eine richtige Fiesta zu zeigen. Einer ihrer Kollegen hat Interesse an mir gezeigt und wollte mit mir Tanzen. Nur, wenn die Kubaner Reggaeton tanzen, sieht sich dies genauso sexy wie in den Videoclips dazu an und der Mann hat mich nun wirklich nicht interessiert, so dass ich auf keinen Fall auf diese Art mit ihm Tanzen wollte. Meine Ablehnung ist nicht gerade auf grosses Verständnis gestossen, bis sich eine ihrer Kolleginnen für mich eingesetzt hatte und meinte, dass er nun wirklich ein hässlicher Mann sei und sie mich doch einfach lassen sollten, wenn ich nicht mit ihm tanzen will. Ich hatte dann einen tollen Abend mit den Ladies, die mir gleich einen Reggaeton-Tanzkurs verpasst haben, der mir weiterhin von Nutzen sein würde. Und ihre Freundinnen haben sich auch bereit erklärt mitzufahren, als besagter Mann mich später nach Hause fuhr. Frauen halten eben doch zusammen, ja!

Am nächsten Tag hat mich die Clique abgeholt um in ihr Strandhaus in der Nähe zu fahren. So habe ich denn Sonntag mit Kubanern an einem der schönsten Strände in Kuba verbracht, leckeres hausgemachtes Essen mit Krebsfleisch, Bier und Rum genossen und die Tochter der einen Kollegin mit meiner Kamera spielen lassen. Später gingen wir noch zur Dorfparty. Die ganze Dorfjugend versammelt mitten am Tag am tanzen, flirten und trinken. Wow, die Outfits an der Streetparade sind heilig dagegen, was die kubanische Jugend an einem Sonntag spazieren führt.

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