Vom bekannten Mexiko ins karibische Belize

Gerade erst in Cancun, Mexiko gelandet, sass ich schon im Bus nach Tulum. Ich habe Mexiko bereits vor einigen Jahren bereist und wollte direkt nach Tulum um mir die Mayaruinen anzusehen und den schönen mexikanischen Strand zu gniessen.

Eigentlich hatte ich nicht vor Belize zu bereisen. Doch dann war ich in Tulum, Mexiko und habe all die Transportangebote gesehen und mich mitreissen lassen. Ich habe dann im Internet recherchiert und keine Frage, ich wollte unbedingt nach Belize. Meine Reise ging dann also morgens früh los mit dem Bus von Tulum nach Chetumal. Dort habe ich mit anderen Touristen ein Taxi genommen und den Busbahnhof gewechselt. Die Buse nach Belize waren alles andere als erstklassig. Welcome to Central America! Hier gibt es die sogenannten Chicken Busse, obwohl man diese in Belize nicht so nennen soll, weil das Land etwas zivilisierter zu sein scheint und Hühner in der Regel nicht zum Transportgut gehören.

Bei den so genannten Chicken Busesen handelt es sich um alte amerikanische Schulbusse, die eventuell mit einem grösseren Benzintank ausgerüstet wurden und einen Nonstop-Einsatz in Zentralamerika leisten. Die Sitze sind eher eng beieinander – ursprünglich ja für amerikanische Schulkinder – und unbequem. Das Gepäck wird mittels einer Hintertür ganz hinten im Bus deponiert. Klimaanlage in solchen Bussen gibt es nicht, es werden einfach die Fenster offen gelassen, falls es noch welche hat. Die Busse halten überall wo Menschen am Strassenrand stehen oder aussteigen wollen. Die Gänge werden mit Passagieren gefüllt, so dass sie fast unpassierbar sind. Neben dem Chauffeur, der gerne den Bus mit seiner Lieblingsmusik in voller Lautstärke unterhält, gibt es einen Kassierer, der ein unendlich gutes Gedächtnis hat und sich all die Gesichter von den einsteigenden Passagieren merkt um zu einem späteren Zeitpunkt den Fahrpreis einzukassieren und häufig auch Frauen mit dem Gepäck hilft. Es kommt auch vor, dass Frauen einsteigen und ihre Kleinkinder einfach jemandem auf den Schoss abgeben, weil es schliesslich nicht gerade komfortabel und sicher ist mit einem schlafenden – egal wie hoch der Lärmpegel ist – Kleinkind auf dem Arm im Gang zu stehen.

Aufgrund dem vielen Aus- und Einsteigen der Fahrgäste benötigte der Bus dann schliesslich fast doppelt so lange bis nach Orange Walk, was aber immer noch nur etwas über zwei Stunden Fahrzeit war. Orange Walk ist ein verschlafenes kleines Städtchen, wo rein gar nichts los ist und gerade ein Restaurant offen hatte während der 1.5 Tage, die ich da war – immerhin war es ein sehr gutes Restaurant. Im Bus habe ich eine Australierin aus Sydney kennengelernt, mit der ich dann ein Zimmer genommen und gleich die Tour zur Maya-Stätte Lamanai für den folgenden Tag reserviert habe. Morgens haben wir dann einen Kanadier aus Vancouver kennengelernt und zusammen mit ein paar amerikanischen Touristen das Boot bestiegen, welches uns in zwei Stunden zu den Ruinen gebracht hat. Die Fahrt dahin war sehr schön und unser Guide hat uns auch ganz viel erklärt und Tiere gezeigt. Das Highlight waren sicherlich die Spinnenaffen – eine sehr gelenkige Affenart – , die von unserem Guide ziemlich gut erzogen wurden. Ein Affe ist auf unser Boot gesprungen und hat dieses inspiziert, d.h. er ist um uns herum geturnt und hat für Fotos posiert. Dann hat er eine Banane gekriegt und während er diese verspiesen hat, sind wir weitergefahren und haben ihn dann einige hundert Meter weiter oben wieder in den Dschungel entlassen. In Lamanai gab es die Black Howler Monkeys (Brüllaffen), die ein hässliches Geräusch machen, welches eine halbe Meile weit zu hören ist. Lamanai an sich selber war eine interessante Sehenswürdigkeit dank den vielen Erklärungen unseres Guides.

Tags darauf sind wir nach Belize City gefahren, wo sich Beth, die Australierin, in den Süden des Landes verabschiedet hat. Belize City ist übrigens nicht mehr die Hauptstadt des Landes. Nachdem ein Hurrikan Belize City ziemlich verwüstet hat, wurde nach einer neuen Hauptstadt gesucht. Ausgesucht wurde Belmopan, welches in der Mitte des Landes liegt – witziges Kriterium – und nicht wirklich etwas zu bieten hat. Ein Grossteil der Einwohner Belmopans sind Beamten.

Ich habe mit Rob zusammen ein Taxi zum Wassertaxi genommen, das uns nach Caye Caulker gebracht hat. Der Taxifahrer war ein Rastafari aus Jamaica. Ich fand es immer wieder lustig Rastafaris anzutreffen, die sind einfach witzig. Hey, man, love, peace and hapiness. You know, I am a Rastafari, money is not important… Do you wanna buy… made by myself, you know, only for small contribution for eating… Auf jeden Fall hat unser Rastafari-Taxifahrer dann gemeint, dass Belize City schon etwas gefährlich wäre, aber nicht so gefährlich wie Jamaica, das viel kleiner sei und mehr als die zehnfache Bevölkerungszahl aufweise. In Belize seien in den letzten 15 Tagen nur 14 Morde geschehen – auf 300‘000 Einwohner im ganzen Land ist das natürlich eine kleine Rate ;-) Ja, wie man so schön sagt in Belize „It’s unbelizable!“ in allen Dingen. Der Hauptgrund für die Kriminalität ist anscheinend, dass ein Grossteil des Drogenschmuggels von Südamerika durch Belize geht. Trotzdem ist Belize eines der sichereren Länder zum Reisen hier in der Gegend. Wenn man weiss, dass man einige Stadtviertel in Belize City meiden sollte, hat man gar nichts zu befürchten. Ich habe mich in Belize die ganze Zeit sehr sicher gefühlt.

Belize ist etwa halb so gross wie die Schweiz und weist für meine Erwartungen einen relativ guten Lebensstandard auf. Das Reisen ist von daher auch etwas teurer, aber nicht so teuer wie ich das erwartet habe. Etwas speziell ist, dass in Belize Englisch und nicht Spanisch gesprochen wurde – das Land ist erst seit 1981 offiziell unabhängig von England. Daran musste ich mich erst gewöhnen, ich habe mich nach so langer Zeit in spanischsprachigen Ländern anfangs immer als unhöflichen Tourist empfunden, der sich keine Mühe gibt die Landessprache zu sprechen.

Caye Caulker ist eine kleine Insel nördlich von Belize City und war einst ein Backpackerparadies. Die Insel hat ein karibisches Flair mit all den bunten Häusern und den Rastafaris. Leider sucht man dort aber den schönen Sandstrand vergebens. Die Strände sind voller Seegras und Bootsanlegestellen. Man kann aber wunderschöne Schnorcheltouren oder Tauchgänge zum zweitgrössten Riff der Welt buchen. Das habe ich dann auch gemacht. Und so habe ich Schildkröten, Stachelrochen, Haie und eine Seekuh aus nächster Nähe bewundern können. Unser Guide hat dann auch Stachelrochen und Haie gehalten, damit wir sie berühren konnten. Die Haie hatten eine Haut fast wie Schmiergelpapier und die Stachelrochen waren superschleimig. Wir konnten dann stundenlang um die Tiere herumschwimmen. Die Haie haben sich irgendwann verdrückt, aber ich habe sie wiedergefunden und bin ihnen schliesslich nachgeschwommen – mit den Flossen klappt das ganz gut. Die Haie haben sich dann immer wieder irgendwo auf den Meeresgrund gelegt. Wenn ich mich nicht gross bewegt habe und nicht zu nahe rangegangen bin, blieben sie liegen. Sonst hat das Spiel wieder von neuem begonnen.

Meine letzte Station in Belize war San Ignacio, wo ich eine ziemlich verrückte Tour gemacht habe und Zeuge einer kleinen Polizeiaktion wurde. Die Tour nach Actun Tunichil Muknal – einfach ATM genannt – begann morgens früh um 7.00 Uhr. Wir fuhren erst über die Landstrasse und dann über Feldwege vorbei an Ackerland und riesigen Orangenplantagen für den amerikanischen Saftmarkt zum Ausgangspunkt der Tour. Dort sind wir zuerst 45 Minuten durch den Dschungel marschiert und haben bereits dreimal den Fluss überquert bis wir beim Höhleneingang angelangt waren. Dort haben wir unsere Helme und Stirnlampen aufgesetzt und sind mit Kleidern (Respekt vor der Mayastätte) und Sandalen hineingeschwommen. Dann sind wir 500 m in die Höhle hereingelaufen – teilweise reichte das Wasser bis zum Hals, teilweise mussten wir über Steine klettern oder durchs Wasser waten. Unglaublich wie hoch und gross diese Höhle war und erst all die Stalaktiten, die wir zu Auge bekamen. Ich habe noch nie sowas gesehen. Und die Höhle ist über 4 km lang. Die Mayareichtümer befinden sich allerdings in den ersten 500 m und weiterzugehen wäre an einem Tag nicht möglich gewesen. Wir sind schliesslich richtig in die Kammern hineingeklettert, haben unsere Schuhe ausgezogen und sind barfuss oder mit Socken – damit die Höhle möglichst wenig beschädigt wird – weitergeklettert über Treppen und Felsen. Unterwegs haben wir Töpfe und Skelette der Mayas betrachten können. Ab und zu haben wir auch kleine Fledermäuse gesehen. Es war unglaublich und als wir nach 3-4 Stunden aus der Höhle herauskamen, haben wir fast das Gefühl fürs Tageslicht verloren.

Tags darauf habe ich etwas Action erlebt. Ich habe einen Spaziergang den Fluss entlang gemacht und wollte über die grosse Brücke zurückkehren. Als ich auf der Brücke war, habe ich Fotos gemacht. Die Brücke hat zwei Fahrstreifen und einen abgetrennten Fussgängerstreifen, welcher ca. 1.5m breit ist. Es kamen immer wieder Leute entgegen. Ich habe aber überhaupt nicht realisiert, dass der Junge (ca. 18 vielleicht), der mir entgegenkam von der Polizei verfolgt wurde. Der Polizist wollte ihn vor mir anhalten, der Junge war unsicher, was er tun sollte, obwohl er locker an mir vorbeirennen hätte können. Er hat dann einige Sekunden so getan als würde er mit dem Polizist mitgehen, dieser war nicht gerade schnell und hat die Handschellen erst hervorgenommen und schon ist der Junge in den Fluss gesprungen. Die Brücke war mindestens 8 Meter hoch und das Wasser nicht sehr tief. Ich war baff, das ging alles so schnell. Ich bin dann zur Seite gestanden, der Polizist ist an mir vorbeigerannt über die Brücke und Böschung runter und hat dem Jungen dann doch noch Handschellen angelegt. Anscheinend hatte der Junge Waren auf dem Markt gestohlen und in der Böschung unter der Brücke versteckt bis ihm die Polizei auf die Schliche gekommen ist… War also alles ganz harmlos und interessant zu beobachten.

Während meines Aufenthalts in San Ignacio hat der Zirkus im Ort gastiert und da ich die Tiger und Löwen bereits mehrmals in den Käfigen beobachten konnte und schliesslich hörte, dass ein Tiger wie Michael Jackson tanzen kann, liess ich mir diese Unterhaltung natürlich nicht entgehen. Ich war ganz überrascht was dieser kleine Zirkus alles zu bieten hatte. Besonders viele Kinder waren als Artisten zu sehen. Die Tiere hatten sie aber nicht so ganz im Griff. Pferde und Lamas sind teilweise durchgebrannt hinter dem Vorhang neben die Manage. Ich war dann etwas beunruhigt wegen den Raubtieren, wenn sie schon die anderen Tiere nicht im Griff hatten. Aber für die Tiger wurde dann extra noch ein Gitter rund um die Manege aufgestellt. Die Tiger waren ganz witzig wie sie auf Kommando auf einen Hocker gesprungen sind und den Dompteur jeweils angebrüllt haben – ja, es war richtig „härzig“ anzusehen.

Belize ist unbelizable und trotzdem war es Zeit weiterzugehen – auf nach Guatemala.

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