Sprachschule, Einblick in das Leben der Guatemalteken und Tanzen in Antigua

Schon zu Beginn meiner Reise wusste ich, dass ich in Antigua, einer schönen Kolonialstadt in Guatemala meine Spanischkenntnisse auffrischen wollte. Ich konnte mich zwar mit meinen Spanischkenntnissen ganz gut durchschlagen, war mich aber beim Gebrauch der verschiedenen Zeiten und der Konjugation der Verben nicht mehr so sicher. Und ich wusste aus Erfahrung von meinem Sprachaufenthalt in Quito, Ecuador, vor sechs Jahren, dass man beim Leben in einer Gastfamilie und den Konversationen mit einer Spanischlehrerin schnell Fortschritte macht und nebenbei viel über ein Land und deren Leute lernt.

Abends in Antigua angekommen, habe ich mir ein Zimmer genommen und bin gleich am nächsten Morgen zur Sprachschule gegangen, deren Adresse ich von meiner Studienkollegin Cynthia empfohlen bekommen habe. Und zwei Stunden später war ich bereits zu meiner Gastfamilie umgezogen. Die 32jährige Gastmutter und ihre Mutter haben mich und zwei andere Studentinnen aus den USA dreimal täglich bekocht und im Durchschnitt vier Stunden täglich während den Mahlzeiten mit uns unterhalten.

Die junge Gastmutter hat drei Kinder, ist geschieden und arbeitet mehrheitlich von zu Hause aus als Buchhalterin. Der Unterschied zu ihrer Mutter, die maximal sechs Jahre Primarschule genossen hat, war in den Gesprächen deutlich sichtbar. Die Mutter war eine ältere Dame, die durch die wenige Bildung einen einfachen Blickwinkel auf das Leben hatte. Die Tochter dagegen hat uns lustige Geschichten von anderen Reisenden erzählt, von ihrem Kampfsportunterricht, ihrer Arbeit und dem Leben in Guatemala.

Guatemala ist ein ziemlich armes Land, was auch deutlich sichtbar ist, wenn man sich in diesem Land bewegt. Viele Häuser sind in den Augen einer Europäerin lediglich eine Hütte mit einem Wellblechdach. Der Abfall wird ausserhalb der Orte lasterweise einfach über den Abhang hinuntergekippt. In Guatemala City gibt es Familien, die auf Müllhalden leben und sich aus heraussuchen, was andere weggeworfen haben. Guatemala kennt viele gesellschaftliche Probleme. Gerade das Leben der Frauen ist nicht einfach und die katholische Kirche hat einen starken Einfluss auf die Menschen. Wie in vielen lateinamerikanischen wird sehr jung geheiratet und eine Familie gegründet. Auf dem Lande in Guatemala ist 20 bereits ein hohes Heiratsalter. Und oft werden bereits junge Mädchen schwanger und dann von den Eltern gezwungen zu heiraten. Diese erzwungenen Ehen führen dann meistens binnen weniger Jahren zu Problemen, weil sich Menschen in diesem Alter einfach zu sehr verändern und vielleicht gar nicht zusammen passen.

Erst 1996 wurde der 36jährige Bürgerkrieg in Guatemala beendet. So ist es auch in Guatemala wie in den meisten Ländern Zentralamerikas üblich, dass einem ab und zu Männer mit Schusswaffen begegnen, die aber mit wenigen Ausnahmen dezent unter einer Jacke verborgen getragen werden. Dies ist schon ein komisches Gefühl, man kennt dies aus der Heimat ja nicht. Aber man gewöhnt sich daran wie man sich an die vielen Macheten gewöhnt, die man andauernd und überall sieht. Wenn man nicht in einer grösseren Stadt ist, also in einem Dorf oder auf dem Lande, dann ist man von Bauern umgegeben. Und für die Bauern ist die Machete das Arbeitsmittel Nummer eins. Und so sieht man halt die ganze Zeit Männer mit Macheten herumlaufen. Und wenn man teilweise Geschichten hört, dass Touristen mit vorgehaltener Machete ausgeraubt werden, wird Einem manchmal schon etwas mulmig beim Anblick dieser Minisensen. Aber auch daran gewöhnt man sich.

Die Menschen sind sehr freundlich, neugierig gegenüber Touristen und hilfsbereit. Überall sieht man Märkte mit farbigen Stoffe, wofür Guatemala bekannt ist. Das Leben ist viel einfacher und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen durch heftige Regenfälle oder Vulkanaktivitäten machen alles zunichte, was erst vor Kurzem aufgebaut wurde.

In Guatemala gibt es 286 Vulkane, einige davon aktiv. Als ich in Antigua war, war gerade der ungefähr 25 Kilometer Vulkan Fuego aktiv. Es hat zwar in Antigua keine direkte Gefahr bestanden, aber ich habe am eigenen Leib erfahren, dass schon ein bisschen Vulkanasche vom Himmel herunterkommend ein rauhes Gefühl im Hals verursachen kann. Gschweige denn, wenn so ein Vulkan mal richtig aktiv wird… und erstmal alles zerstört, bevor der Boden durch die Asche wieder fruchtbar wird. Vulkanasche vermischt mit Regen ist wie Zement – ein Grund, dass Flachdächer immer häufiger mit Wellblech überzogen werden.

Nachdem die Kubaner wenig Geduld aufbringen konnten – Perfektionisten! -, mir Salsa beizubringen, wollte ich in Antigua nach zwei Gratislektionen mein Glück ein zweites Mal versuchen. Und als mein Tanzlehrer, im Tanzstudtio zur Tür reingekommen ist, wusste ich gleich, dass die Stunden einen riesen Spass werden. Er war ein Tanzlehrer der typischen Sorte. In ständiger Flirtbereitschaft, mit Komplimenten um sich werfend und trotzdem professionell distanziert. Und als wir erstmal zu Tanzen begonnen haben, konnte ich die Leidenschaft fürs Tanzen und die Salsamusik in seinen Augen sehen. Das war ein Moment, den ich das letzte Mal auf Kuba erlebt habe. Solche Momente erlebt man beim Reisen viel häufiger, zu Hause ist die Passion eines Menschen leider meistens durch die Pflichten des Alltags überdeckt. Ich sollte einige Tage später bei einer weiteren Tanzstunde erkennen, wieviel mir der Tanzlehrer in den 2 x 2 Stunden beibringen konnte. Er versteht seinen Job wirklich. Es war unglaublich, was ich in der kurzen Zeit gelernt habe, all die Drehungen…

Und natürlich liess ich mir die Chance nicht entgehen meine neue erworbenen Tanzkenntnisse gleich in die Praxis umzusetzen. Abends im Salsaclub habe ich endlich dieses Gefühl gekriegt, das Tanzen zu geniessen und im Rhythmus zu bleiben. Danke, Bayron!

Antigua hat ein ziemlich reges Nachtleben mit unterschiedlichen Clubs. Da gibt es Orte, wo man zwei Dollars Eintritt bezahlt und bis 24 Uhr gratis trinken kann so viel wie man will. Und dann ist es noch so heiss da drin, dass man einfach ständig am Drink sippen muss… :-) Oder jene Irishbar, wo die Leute auf der Bar tanzen und die so voll ist, dass man kaum reinkommt. Oder die Openairdisco mit Blick auf eine Kirchenrouine und die Vulkane. Es war einfach unglaublich und fast ein Wunder, dass ich nach drei Abenden ausgehen und tanzen ohne Ende in neuen Schuhen nur eine Blatter davon getragen habe…

Ähnliche Artikel:

Antwort eingeben

< script type = "text/javascript" > //