Sonnenaufgang über dem Atitlansee

Nachdem zwei Wochen vor meiner Hinreise ein Minibus voller Touristen angehalten, der Fahrer erschossen und die Touristen ausgeraubt wurden, habe ich mich genaustens informiert, mit welcher Busgesellschaft und auf welcher Route ich zum Lago de Atitlan fahre. Ich bin also nach Panajachel gefahren und habe von dort ein Boot nach San Marcos genommen. Die Busfahrt zum Lago de Atitlan war dann aufgrund heftiger Regenfälle ziemlich spektakulär.

Einige Minuten nachdem der Bus aus Antigua raus war, hat es zu regnen begonnen. Erst sah alles ganz harmlos aus und ich sass am Fenster im Minibus. Und dann habe ich das Fenster sehr schnell geschlossen, weil nämlich eine braune Brühe durchs Fenster reinspritzte. Und der ganze Bus sah dann wohl kurz aus wie von Schlamm überzogen… Ein Moment, wo ich einfach lachen muss. Solche Momente gehören zum Reisen. Zu Hause fände man es äusserst unangenehm, unterwegs ist es ein Abenteuer, worüber man einfach nur lachen kann – zumindest wenn das Gepäck bei solch heftigen Regenfällen im Bus drin und nicht auf dem Dach festgebunden ist…

Und einige Minuten später konnte ich sehen wie und warum, es in Zentralamerika häufig Erdrutsche und Überschwemmungen gibt. Die Hänge den Strassen entlang werden nämlich nicht befestigt – ausser sie bestehen aus Steinen oder Felsen. Die Erdhänge werden quasi einfach abgestochen, wenn die Strasse gebaut wird. Und Abwasserläufe oder Bäche gibt es nicht in der Zahl wie sie benötigt werden würden. Zudem regnet es einfach sehr heftig in kurzer Zeit. Wir sahen also überall Bäche mit einer aufgrund der Erde braunen Brühe auf die Strasse herunterkommen und teilweise ist Erde den Hängen entlang heruntergekommen. Es war ein riesen Spektakel das mitzuerleben, gerade so, dass es nicht gefährlich war – ich habe absolutes Vertrauen in die Minibusfahrer hier, die wissen, was sie tun und rasen im Gegensatz zu den normalen Busfahrern nicht. Die Strasse war voller Aquaplaning, teilweise hat das Wasser für einige Sekunden auf dreiviertel Radhöhe gereicht. Beruhigend, dass der Chauffeur dann bei der nächsten Tankstelle rausgefahren ist und den Reifendruck überprüft hat. Man sieht, hier gelten zwar nicht die selben Regeln und Regeln werden nicht so genau genommen, aber ein Verantwortungsbewusstsein ist da.

San Marcos, der Ort an dem ich die nächsten Tage verbrachte, ist ein kleines Bauerndörchen am Atitlansee. Im Ort haben sich einige Ausländer niedergelassen, die auf ein einfaches, glückliches Leben voller Spiritualität und Gemütlichkeit schwören. So gibt es unzählige spirituelle Kurse, Yoga- und Tanzlektionen, Massagen oder Reikikurse. Der Vibe hat mich aber nicht mitgerissen und so habe ich mich für eine Sonnenaufgangstour angemeldet.

Wieder einmal hiess es morgens um 04.00 Uhr aufzustehen. Gegen 04.30 Uhr hat mich der Minibus im Dorf abgeholt, das bis auf einige nächtlich aktiven Jugendliche auf dem Basketballfeld noch verschlafen war. Die Fahrt ging durch Dörfer die Hänge hinauf zum Ausgangspunkt einer einstündigen Wanderung auf den Gipfel des Indian Nose. Trotz einigen Wolken und dem Nebelmeer über dem See war die Stimmung einmalig. Die Sonne ging auf und es wurde warm, der Nebel lichtete sich und die Guides haben auf offenem Feuer Gipfelkaffee oder -tee zum Frühstück gekocht.

Kurz darauf sass ich morgens um 07.30 Uhr in San Pedro in einem Restaurant vor dem Indian Nose auf der anderen Seeseite und dachte mir, dass es sich manchmal eben schon lohnt früh aufzustehen. Die Sonne schien und ich liess mir ein riesiges Frühstück schmecken. Der Tag war noch so jung, dass ich gleich noch eine Privattour zu einem Vulkanmuseum und Kaffee- sowie Avocadoplantagen gebucht habe. Im Vulkanmuseum habe ich gelernt, dass der Atitlansee aus einer Rieseneruption einer grossen Magmakammer entstanden ist und die den See umgebenden Vulkane erst viel später entstanden sind. Und ich habe gesehen, wie Avocados gepflückt werden. Dazu klettert ein Pflücker in die Bäume, löst die Avocados mit einer Stange und lässt sie in einen Netzkorb fallen.

Zurück in San Marcos – als hätte ich nach über fünf Stunden wandern noch nicht genug gehabt – habe ich mich spontan für eine Yogastunde überzeugen lassen. Yin-Yoga ist eine sehr ruhige Yogaform bei der man minutenlang in einer Position ausharrt. Das Gefühl danach war einfach herrlich. Es haben sich sämtliche Blockaden in meinem Becken und meinem Rücken gelöst. Wirklich sämtliche, die schon seit längerer Zeit wohl bestanden haben…

Nach einer weiteren Nacht zurück in Antigua und dem Kennenlernen meines Mayasternzeichens ging es dann weiter nach Copan, Honduras…

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