Raus aus der Komfortzone – rein ins Vergnügen mit Vulkanboarding

Ich schätze Luxus wie ein eigenes Badezimmer im Hostel und europäische Sauberkeit sehr. So dauert es immer eine Weile, bis ich mich an Schlafsäle mit Badezimmern ausserhalb und Böden ohne nette und saubere Fliessen gewöhnt habe. Ja, ich mag etwas heikel sein. Je länger ich reise, desto besser kann ich mich arrangieren, desto relaxter werde ich.

Raus aus der Komfortzone bedeutet aber nicht nur, ein Bett für 6 Dollar in einem Schlafsaal gegen ein Bett in einem Dreierzimmer mit Badezimmer für 12 Dollar vorzuziehen – so fern natürlich die Sauberkeit im Schlafsaal gegeben ist. Denn an Bettwanzen gewöhnt sich niemand! Raus aus der Komfortzone bedeutet für mich auch lockerer und unterehmungslustiger zu werden und insbesondere auf meine Intuition zu vertrauen.

Ich erinnere mich an eine Wanderung in Kuba. Wir mussten eine Leiter hochklettern und ich habe ein riesen Drama daraus gemacht. Das Problem war nicht die Leiter selber. Ich war an dem Tag sehr müde und hatte das Gefühl keine Balance zu haben – also nicht die besten Voraussetzungen für ein solches Unternehmen. Und da ich erst allmählich lerne auch mit einer möglichen Müdigkeit umzugehen, habe ich mich nicht besonders gut dabei gefühlt. Besonders weil links und rechts neben der Leiter Felsen und Steine waren und man sich nicht nur hoch, sondern auch durch die Felsen schlängeln muss. Mit Rucksack war es unmöglich hindurchzukommen.

Dann habe ich in Belize eine Tour in eine Höhle gemacht, wo ich über Felsen klettern musste – teilweise barfuss oder in Socken. Die Gefahr auszurutschen oder irgendwo hängenzubleiben besteht immer. Und wenn man Angst hat, dann passiert garantiert etwas. Die nächste Tour in Guatemala war noch abenteurlicher. Mit einer Kerze in der Hand und mit nicht mehr als einem Bikini in die Grotte zu schwimmen und über Felsen und Steinblöcke zu steigen oder klettern. Oder durch ein dunkles Loch hinunterzurutschen – natürliche Rutschbahn. Alles Dinge, die für mein grosses Sicherheitsbedürfnis ein riesiges Abenteuer voller Adrenalin waren. Und allmählich realisiere ich, dass ich immer besser darin werde und es absolut Sinn macht mich meinen Ängsten zu stellen.

Dies wurde mir durch ein spezielles Erlebnis klar. Ich habe mit zwei anderen Frauen eine Tour zu einem Vulkan mit der Mission „Vulkanboarding“ gebucht. Am Vorabend habe ich mich recht lange mit dem Guide – einem jungen Nicaraguaner – über mögliche Touren und insbesondere dieser Tour unterhalten.

Morgens um 9 Uhr ging die Tour los. Wir wurden wie vereinbart im Hostal abgeholt und sollten mit Motorrädern zum Ausgangspunkt hochfahren. Natürlich fuhren wir nicht selber, sondern sassen hinten auf dem Motorrad, welches ein Guide fuhr. Ich erfuhr ziemlich schnell, dass mein Fahrer – der Guide, den ich am Vorabend gesprochen habe – seit vier Jahren Motocross fährt. Ich fühlte mich sehr sicher und hatte volles Vertauen in den Guide. Für Jemanden, der Saltos macht und Motocross fährt, ist es schliesslich ein Kinderspiel ein Motorrad auf einer Sandpiste unter Kontrolle zu haben.

Der Punkt war, dass wir keine Helme hatten, nur unsere Guides. Als wir danach fragten, meinte mein Guide, dass wir nur drei Minuten fahren müssten und unsere Helme anderswo abholen würden. Okay, so far so good. Wir fuhren dann zu einer Tankstelle – wie immer zuerst die Touris abholen und dann Tanken gehen – und dann weiter zur Stadt raus… Die beiden anderen Damen waren verwirrt. Auf meine Nachfrage hin – ich bin schliesslich meistens Hobbyübersetzerin – meinte der Guide, dass wir ihre Helme kriegen würden, sobald wir aus der Stadt raus wären, weil sie selber keine tragen wollen. Wenn die Polizei einen Fahrer ohne Helm sieht, kann er gebüsst werden. Der Mitfahrer muss aber keinen Helm tragen. Das war der Grund, das wir erst keine hatten. Die beiden Damen fühlten sich damit gar nicht komfortabel und wollten mit dem Taxi zurück zum Hostel gehen und die Tour abbrechen – bis ich das den Guides erklärt hatte, die sehen unsere Bedenken nicht… Für mich war klar, dass ich die Tour mache. Ich musste aber mit dem Guide zurück ins Hostel fahren um die übrig bleibende Ausrüstung abzuladen… Als wir losfuhren hatten wir beide Helme an bis wir aus der Stadt raus waren. Er hat seinen Helm dann die ganze Zeit am Arm gehabt…

Wir sind dann den Vulkan hochgestiegen, ich habe die wundervolle Aussicht genossen und ich bin auf einem Brett sitzend den Berg hinuntergedüst. Ich fand es etwas unsicher schnell zu düsen und habe mit den Beinen gebremst. Aber all die Bedenken einiger Touristen sind wirklich nicht nötig. Ich glaube ein Schlitten im Schnee ist schwerer zu kontrollieren als ein Brett auf Vulkansand. Man muss ja nicht Vollgas geben… Unten am Berg haben wir uns hingesetzt, einen Snack gegessen, gequatscht und einfach nur die wundervolle Stille genossen – alle anderen Touris waren schon weg. Fazit: Ich hatte einen wundervollen Tag und musste keine Sekunde um meine Sicherheit fürchten. Im Gegenteil der Guide fuhr sehr langsam mit dem Motorrad über die matschige Vulkansandpiste in die Stadt zurück und fragte andauernd, ob er zu schnell fahren würde. NEIN – bitte ein bisschen schneller, so ängstlich bin ich nun auch nicht. Ich glaube, ich habe das typische Freiheitsgefühl, das alle Motorradfahrer oder Mitfahrer kennen gefühlt und es sehr genossen. Ja, ich habe gelernt meiner Intuition zu vertrauen. Ich bin nun definitiv raus aus meiner ängstlichen Komfortzone, ich erlebe etwas und habe dabei ein riesen Vergnügen.

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