Welcome to Costa Rica – die Schweiz Zentralamerikas

Costa Rica wird gerne als die Schweiz Zentralamerikas bezeichnet. Einerseits gibt es in Costa Rica viele Berge und landschaftliche Ähnlichkeiten, andererseits ist Costa Rica aber das bestentwickelte Land in Zentralamerika. Costa Rica ist organisierter, zivilisierter und weist einen besseren Lebensstandard auf und ist aus der Perspektive der politischen Stabilität der Schweiz ähnlich. Besonders interessant ist, dass Costa Rica keine Armee hat und diese Gelder in die Bildung, Infrastruktur und die Natur investiert. Es gibt unzählige Nationalparks und selbst wenn man auf einer relativ stark befahrenen Strasse spaziert, kann man unzählige Tiere hören und ist von grünem Dschungel umgeben. Geht man in einen Nationalpark, so kann man Affen, Schlangen, Schmetterlinge, Faultiere etc. sehen.

In Costa Rica kennt man auch das System der Abfalltrennung und die „Ticos“ – wie die Costa Ricaner sich selbst nennen – verhalten sich umweltbewusster als die Leute in anderen Ländern Zentralamerikas.

Gleichzeitig ist Costa Rica aber auch teurer. So kostet ein einfaches Casado in der Regel um die sechs US-Dollars. Casado heisst auf Deutsch verheiratet. Die Ticos sagen, dass ein Mann sobald er verheiratet ist, jeden Tag und zu jeder Mahlzeit Reis und Bohnen (auch Gallo Pinto genannt) serviert erhält. Reis und Bohnen mit Salat, Kochbahnen, einmal mit Rindfleisch, einmal mit Poulet, einmal mit Fisch, aber es sind immer Reis und Bohnen, die die Basis bilden. Um innerhalb meines Reisebudgets zu bleiben und etwas Abwechslung in meinen Speiseplan zu kriegen, habe ich das Angebot, der doch verhältnismässig sauberen und gut ausgestatteten Küchen in den Hostels genutzt und mit Mitreisenden zusammen selber gekocht. Wir haben einmal einen Red Snapper direkt bei Fischern gekauft – ein Fisch von 800 Gramm für sieben US-Dollars und diesen im Gemüsebeet gedünstet. Ein andermal haben wir Burritos, d.h. Tortillas gefüllt mit Bohnenmus, Käse, Zwiebeln, Kopfsalat und Tomaten gemacht. Ab und zu gab es Spaghetti oder einen Thunfischsalat und zum Frühstück immer Eier in irgendwelcher Form. Huevos Rancheros – Spiegeleier auf einer Tortilla mit Tomatensauce – sind mein absoluter Favorit, seit ich vor einigen Jahren in Mexiko war. Und ich bin ganz begeistert, dass das Essen in Zentralamerika dem in Mexiko sehr ähnlich ist.

Meine ersten Eindrücke in Costa Rica waren allerdings nicht sehr berauschend. Die Busse von der Grenze bis zum Verkehrsknotenpunkt Liberia waren zwar sehr neu, jedoch nicht unbedingt komfortabler zum Sitzen. Und das Personal an den Busbahnhöfen weiss wenig über die Verbindungen. Hinzu kommt, dass in vielen Teilen des Landes die Busse nicht so häufig verkehren und die Auskünfte der Ticos sich nicht decken.

In Playa Tamarindo angekommen, hat mich der Anblick der Luxusresorts und der vielen jungen Amerikaner, die Partyferien machen geschockt. Und dann wollte nachts um 05.00 Uhr ein Costa Ricaner in unserem Schlafsaal meine australische Kollegin bestehlen. Zum Glück hat er sich ziemlich dumm angestellt. Meine Kollegin hat mit Oropax und Schlafbrille friedlich geschlummert. Ich hatte irgendwie ein komisches Gefühl und mich daher entschieden keine Oropax zu tragen. Und so bin ich aufgewacht als dieser Tico vom Bett runtergesprungen ist und die Tasche meiner Kollegin ins Badezimmer getragen hat. Ich habe Chelly dann sofort geweckt und bin ihm nachgegangen. Auf frischer Tat ertappt! Ich habe ihn angeschrien was er da mache. Er hat sich dumm gestellt. Ich habe schliesslich seine Hostentaschen durchsucht, ob er schon was eingesteckt hat und ihn dann kurzerhand aus dem Zimmer geworfen. Einige Frühaufsteher haben die ganze Szene mitbekommen. An Schlafen war danach nicht mehr zu denken. Nachdem sich der Adrenalinschub gelegt hat, haben wir darüber gelacht wie überzeugend ich den jungen Costa Ricaner rausgeworfen habe.

Meine nächste Station war La Fortuna, jener Ort, der auf Deutsch “das Glück” heisst. Die Hinfahrt war etwas speziell, da wir wiederum unterschiedliche Auskünfte zu den Abfahrtszeiten der Busse erhielten und in Liberia schliesslich den Anschlussbus knapp verpasst haben. Aber wir haben wiederum die beiden Kanadierinnen, die in Nicaragua mit uns unterwegs waren, angetroffen und sind gemeinsam nach La Fortuna gereist. Kurz vor La Fortuna – es war bereits dunkel – hat uns der Busfahrer an einer Kreuzung rausgeworfen, weil der Bus in die andere Richtung weiterfuhr. Da warteten wir also bis ein weiterer Bus kam, der uns nach La Fortuna fuhr.

In La Fortuna haben wir uns am nächsten Tag den Spass gegönnt im nahegelegenen Fluss baden zu gehen und all die jungen Ticos zu beobachten, die an einem Seil wie Tarzan in den Fluss springen. Am späteren Nachmittag haben wir eine Tour zum Vulkan Arenal gebucht, wo wir am Fusse des Vulkans durch den Regenwald gelaufen sind und von unserem sympathischen Tourguide viel über die Natur Costa Ricas erfahren haben. Der Abschluss der Tour war ein Besuch von natürlichen heissen Quellen. Wir haben all unsere Sachen im Bus gelassen und sind nur in Badesachen bekleidet über die Strasse und in den Wald hineingegangen. Einige Taschenlampen und Kerzen haben den Weg beleuchtet. Zuerst sind wir durch einen Tunnel gelaufen bis zu einem natürlichen Becken mit heissen Wasser mitten im Fluss. Wir haben uns hingesetzt, den Sternenhimmel beguckt und uns von einem attraktiven Mann einen Cuba Libre servieren lassen. Was gibt es Besseres nach einer Wanderung? Es war Samstag und unser Tourguide feierte seinen Geburtstag, so dass einige Touris der Gruppe es sich nicht entgehen lassen konnten auszugehen. Da ich Partys und Tanzen liebe, war ich selbstverständlich auch mit von der Partie…

Ich habe mich dann kurzerhand entschieden noch einige Tage in La Fortuna zu bleiben und eine weitere Tour zum Cerro Chato, einem Vulkan mit einem Kratersee, zu machen. Die Tour hat sich echt gelohnt. Der zweistündige Aufstieg war nicht leicht, da es sich mehr um einen ausgewaschenen Pfad anstelle eines Weges handelte. Wir stiegen über Wurzeln und die Abstände waren teilweise so hoch, dass ich an einigen Steilen mit meinen kurzen Beinen ohne Hilfe nicht hochgekommen wäre. Einige Stellen waren sehr matschig, so dass meine Schuhe nur so von Dreck überdeckt waren. Meine Wanderschuhe haben mir schon mehrmals einen guten Dienst erwiesen.

Oben angekommen bot sich uns ein wunderbarer Anblick auf die üppige Vegetation eines beginnenden Nebelwaldes. Und der Kratersee schimmerte in herrlich erfrischenden Grün vor sich hin. Ich habe meine Schuhe ausgezogen und bin ins Wasser gestanden, wo die Fische mir eine Gratispediküre anboten… Ich war ganz kitzlig wie die Fische an meinen Füssen und Beinen geknabbert haben. Beim Abstieg hat mich die Natur an die Schweiz erinnert. Und als wir einen Frischwasserhahnen passierten, konnte ich meine Wasserflasche auffühlen und herrliches Quellwasser trinken. In den meisten Gegenden Costa Ricas kann man das Hahnenwasser trinken, allerdings hat es manchmal einen leichten Chlorgeschmack, so dass Bergquellwasser doch eine wundervolle Abwechslung bietet.

Meine Reise nach Puerto Viejo war ein spezielles Highlight, da ich ein Auto gemietet habe und endlich, endlich wieder einmal Autofahren konnte. Und ich hatte ein äusserst zuverlässiges Navigationssystem in Persona dabei. Die Strassen in Costa Rica sind recht gut und sobald man die wichtigsten Hindernisse wie die zahlreichen Brücken erkennt, kann man sich mit einem Mietauto doch recht schnell von A nach B fortbewegen. Wir fuhren an Reisfeldern, Bananen- und Ananasplantagen sowie grossen Industriebetrieben – hauptsächlich Früchteverarbeitung – vorbei. Als wir über einen kleinen Pass fuhren, kamen wir kaum vorwärts, da kilometerlange Schlangen mit schönen, amerikanisch aussehenden und mit Lichtern dekorierten Lastwagen von Del Monte und anderen Industrieunternehmen die schmale Strasse ebenfalls passieren wollten. Nach dem Pass musste ich über mehrere Kilometer regelmässig den Scheibenwischer betätigen, weil die Lastwagen vor mir mit Ananas vollbeladen waren und immer ein wenig Saft verloren. Wenn ich die Scheibe leicht geöffnet hatte, habe ich ständig den Saft frischer Ananas gerochen – ein lustiges Erlebnis!

In Puerto Viejo habe ich mir etwas Ruhe am Strand gegönnt und das Jaguary Rescue Center und den Nationalpark Cahuita besucht. Das Jaguary Rescue Center wird von einem Italiener und einer Spanierin betrieben, die Tiere aufnehmen, die verletzt sind und in der Wildnis nicht selber überleben können. Die meisten Tiere wurden jedoch als Haustiere gehalten und schlecht behandelt. Die Auffangstation wird mit vielen freiwilligen Helfern betrieben, so dass die Tiere darauf vorbereitet werden können wieder in die Wildnis entlassen zu werden. Ich bin bekanntlich kein grosser Tiernarr, aber diese Tiere haben mich echt berührt. Da waren zahlreiche Faultiere, Schlangen, Affen, Frösche, Vögel usw. Man konnte sogar zu den Affen ins Käfig gehen und diese auf den Arm nehmen oder auf einem rumklettern lassen.

Der Nationapark Cahuita – einer der ersten Costa Ricas – schlängelt sich einem schönen Strand entlang. Man kann im Wald einen Pfad entlanggehen und überall picknicken oder sich wenige Meter daneben an den Strand legen. Ich bin den Pfad entlanggewandert und habe Affen und Waschbären aus nächster Nähe betrachten können. Das ist Wildlife pur!

Die Tage in Puerto Viejo waren teilweise aber auch von heftigen Regenfällen und einer beginnenden Mittelohrenentzündung geprägt…

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Eine Antwort to “Welcome to Costa Rica – die Schweiz Zentralamerikas”

  1. Rebeca Sanchez sagt:

    ohhh…. da weckst du fernweh, reisefieber, heimweh und jede menge tolle erinnerungen an costa rica:-) hoffe es hat dir genauso gut gefallen wie mir vor 6 jahren…

    geniesse es weiterhin, take care und pura vida:-)
    rebeca

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