Rio Celeste, Haarefärben, abenteuerliche Autofahrer und Schlammmasken

Die letzten Tage waren einfach perfekt. Früh aufgestanden bin ich mit einem organisierten Transport ins abgelegene Costa Rica zum Nationalpark Rio Celeste oder auf Deutsch hellblauer Fluss gefahren.

Wir waren eine supertolle internationale Sechsergruppe. Nachdem wir unterwegs das Wunder einer ungefähr dreihundert jährigen Ceiba – ein Baum mit dem man richtig gute Holzkanus bauen kann – und winzige giftige Frösche bestaunt haben, liessen wir uns am Eingang des Nationalparks den Weg erklären. Es wurde uns angeraten einen Guide zu nehmen, damit wir uns nicht verlaufen. Wir haben uns entschieden ohne Guide loszugehen und haben den Regentropfen getrotzt. Kurz darauf befanden wir uns auf einem Wanderpfad, ein Weg, welcher sicher nicht so gut ausgebaut ist wie man sich das von anderen Wegen gewöhnt ist. Es war richtig feuchtheiss und wir schwitzten all die Laster der vergangenen Tag raus. Und schon waren wir beim Wasserfall und einem türkisfarbenen Pool.

Dieser Nationalpark war einfach herrlich. Es waren nicht sehr viele Leute unterwegs, da das Gebiet etwas abgelegen ist und die Wege nicht für Familien geeignet sind. Ich habe die Plitvicer Seen in Kroatien, Semuc Champey in Guatemala und Aguas Claras in Mexiko gesehen, aber noch nie einen so quitschig türkisfarbenen Fluss wie den Rio Celeste (auf Deutsch: hellblauer Fluss). An einer Stelle schimmerte der Fluss mit dem Lichteinfall noch leicht ultraviolett. Ich dachte, dass es so krasse Farben gar nicht von der Natur her geben kann.

Am nächsten Tag war ich mit Andrés, einem Costa Ricaner, am Fluss. Wir haben gemütlich gefrühstückt und sind mit dem Velo an den Fluss gefahren, wo wir den Nachmittag mit Sonnenbaden und in den Fluss springen zum Abkühlen, Quatschen und Leute beobachten verbracht haben. Andrés meinte, dass sein Bart wieder mal ab müsse und er zum Barber gehen würde. Und wo wir so beim Thema waren, kam mir wieder mal in den Sinn, dass bei mir wieder einmal ein Frisörbesuch ansteht. Ich wollte mir unbedingt meine Haare wieder etwas dunkler färben lassen. Andrés meinte, dass ich mir am besten die Farbe selber kaufe und im Salon auftragen lasse.

Zurück im Hostel hat er gleich die Angestellte gefragt, wo ich Haarfarbe kaufen kann. Sandra meinte, dass gleich einige Häuser weiter Farbe zu kaufen sei und sie sie mir auftragen würde. Zehn Minuten später hatte ich professionelle Frisörfarbe in Schokoladenbraun gekauft. Dann habe ich mir die Haare gewaschen und habe mich in der Küche hingesetzt, wo Sandra schon ein Gefäss zum Mischen der Farbe hergezaubert hat. Neben dem Abendessen kochen hat sie mir dann professionell und ohne einen ungewollten Farbtupfer die Farbe aufgetragen. Ich war verblüfft wie professionell sie die Farbe aufgetragen hat. Währenddessen hat Andrés Nachtessen gekocht. Und wieder einmal mehr war ich überwältigt wie sehr ich hier umsorgt und verwöhnt werde. Auch das nächste Erlebnisse kam diesem Gefühl in Nichts nach…

Mit einem überzeugenden Ergebnis und dunkel glänzenden Haaren sind wir schliesslich ausgegangen. Nach intensivem Tanzen und einigen Bierchen wollten wir die Lokalität wechseln. Wir haben die Disco verlassen und uns zu Fuss auf den Weg gemacht. Ich bin über den Parkplatz gelaufen und schon lag ich auf der Kühlerhaube eines fahrenden Autos. Rein logischerweise würde man auf diesem Parkplatz auf die Strasse hinaus ausparken. Dieser Autofahrer war aber wohl ziemlich betrunken und ist von seinem Parkplatz aus einfach vorwärts gefahren zwischen den Parkplätzen und dem Gebäude entlang. Glücklicherweise konnte ich vom Auto runterspringen und mich auf die Seite retten. Meine Flip Flops haben sich ausgehängt und ich habe mir den Zehen im Kies angestossen, aber ich war neben einem kleinen Schock wohlauf. Und schon waren Unmengen von Leuten um mich herum und fragten mich, ob alles in Ordnung sei, ob es mir gut gehe. So habe ich gar nicht realisiert, was weiter passiert ist…

Andrés hat nämlich gleich auf der Fahrerseite ans Auto geklopft und den Fahrer zum Anhalten bewegen wollen. Dieser ist aber ohne mit der Wimper zu zucken weitergefahren aus dem Parkplatz heraus. Andrés Freunde haben Gegenstände nach dem Auto geworfen. Und als wir schliesslich im Auto eines Freundes sassen, fragten sie mich x-mal, ob ich wirklich nicht verletzt sei. Dann fuhren wir uns Dorf, wo wir schliesslich Runden drehten um das entsprechende Auto ausfindig zu machen. Alle waren sich einig, dass das Verhalten des Fahrers nicht angemessen war und er hätte anhalten und sich zumindest entschuldigen sollen… Und da der Fahrer erkannt wurde, haben die Männer noch tagelang davon gesprochen, dass sie ihn zur Rede stellen würden, sobald sie ihn irgendwo antreffen würden. Heute muss ich über die Fürsorge und die costa ricanische Verhaltensweise schmunzeln…

Und auch die nächsten Abende waren speziell. Da war dieser wunderschöne und äusserst spezielle Sonnenuntergang, der auf den Bildern zu bestaunen ist. Oder die Thermalquelle im Mondschein. Ich war bereits öfters abends in der Thermalquelle. Die Quelle ist ein Fluss neben der Strasse. Mit nichts (Diebstahlgefahr – etwas Mitgehen lassen ist eines der liebsten Hobbies der Ticos) als dem Bikini und einer Taschenlampe bewaffnet läuft man einen dunklen Pfad hinunter zum Fluss, der mit heissen Thermalwasser gespiesen wird. Natur pur, es gibt keine bequemen Sitzbänke, die Eingänge zum natürlichen Becken sind rutschig und man sitzt im Vulkansand und bewegt sich zwischen Steinen im Flussbett. Rundherum sieht man Hunderte von Glühwürmchen und lässt sich vom kleinen Wasserfall den Nacken massieren.

Dieser eine Abend war herrlich. Der Mond schien hell, es war einige Tage vor Vollmond und wir haben sämtliche Taschenlampen ausgemacht. So sassen wir im Fluss im herrlich warmen Wasser und haben die Schönheit des leuchtenden Mondes und des natürlichen Lichts bewundert. Es war einfach nur pures Glück. Und wieder einmal musste ich über die Vorliebe der costa ricanischen Männer für Schlammmasken schmunzeln…

In den meisten Flüssen gibt es Stellen mit Vulkanschlamm. Ich finde es doch immer wieder unglaublich faszinierend zu sehen, wenn jemand Schlamm gefunden hat und diesen auf einem Stein mit etwas Wasser mischt und sämtliche Ticos rundherum herbeieilen und sich den Schlamm aufs Gesicht auftragen lassen. Ich habe sogar Ticos gesehen, die den Schlamm in Plastiktüten von weit her mitnehmen um dann zu Hause eine Gesichtsmaske zu machen. Man lässt den Schlamm auf den Gesicht eintrocknen und wascht ihn sich dann ab. Die Wirkung ist unglaublich. Unreinheiten und Pickel verschwinden, die Haut wird angenehm befeuchtet. Einfach herrlich…

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Eine Antwort to “Rio Celeste, Haarefärben, abenteuerliche Autofahrer und Schlammmasken”

  1. Pia Hess sagt:

    Super Jolanda, einfach wunderschön die Photos, interessanter Reisebericht. vielen Dank und liebe Grüsse Mami

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