Wiedersehen mit meinem Bruder in Panama-City

Nachdem ich in Zentralamerika die Grossstädte aus Sicherheitsgründen und wenig touristischen Sehenswürdigkeiten weitgehend gemieden habe, habe ich mich richtig gefreut nach Panama-City zu kommen. Die grösste Freude nach meinem nicht leichten Abschied in Costa Rica galt jedoch dem Wiedersehen mit meinem Bruder Roman, der mich für vier Wochen besuchen kommen wollte.

Für Roman war es die erste Reise ausserhalb des zivilisierten und gut entwickelten Europas. Und ich habe gleichzeitig feststellen dürfen wie weit weg diese Welt für mich inzwischen ist, respektive wie sehr ich mich schon an ein einfacheres, weniger organisierteres Leben gewöhnt habe. Zu Besuch in der Alstadt von Panama-City habe ich Roman vor Löchern mitten auf dem Gehsteig gewarnt. Roman meinte nicht recht zu sehen. Neben dem ganzen Kulturschock hat er nun auch noch permanent zu schauen, wo er hintritt, damit er nicht gleich seine Zehen in den Flip Flops aufschürft oder sich in einer Vertiefung von bis zu einem halben Meter vertritt. Ich spreche gar nicht erst von all den Gerüsten, die über dem Gehsteig baumeln, da in Panama-City zur Zeit die Alstadt weitgehend renoviert wird…

Auf der Strasse verkehren alte aus Amerika importierte Schulbusse. Der Bus ist mit Graffiti oder anderen Zeichnungen bemalt und die Windschutzscheibe mit Klebern bedeckt, so dass die Fahrer neben dem ansonst sehr schmalen Streifen kaum zur Scheibe raussehen. Im Bus läuft laute Musik, meistens Reggaeton oder was auch immer dem Fahrer beliebt. Und wenn der Fahrer Durst hat, hält er einfach irgendwo an und kauft aus dem Fenster gelehnt ein Getränk oder einen Snack von den zahlreichen Strassenverkäufern.

Es herrscht unendlich viel Verkehr in dieser Stadt. Ich benötigte fast zwei Stunden um an den Flughafen zu gelangen um Roman abzuholen. Die Verkehrslage wird sich vermutlich etwas verbessern, wenn 2014 die Metro in Betrieb ist. Panama-City ist eine Grossbaustelle. Die Erweiterung des Panamakanals soll 2014 fertiggestellt sein. Darin sehen viele Unternehmen eine Geschäftsmöglichkeit, so dass Wolkenkratzer ohne Ende aufgestellt werden und die Stadt mit allem Möglichen herausgeputzt wird.

Aber schon heute ist Panama-City eine beeindruckende Stadt. Läuft man entlang des “Boulevards” am Meer, sieht man linker Hand Wolkenkratzer in die Höhe ragen, während auf dem Meer draussen einfache Fischerboote auf ihren Einsatz warten. Rechter Hand sieht man die historische Altstadt, die im Kolonialstil erbaut wurde. Mitten drin befindet sich der Fischmarkt, der uns während unseres Aufenthaltes immer wieder kulinarisch verwöhnt hat. Für zwei Franken oder etwas mehr kriegt man dort einen Becher Ceviche oder Cocktail oder für acht Franken fritierten Fisch mit Kochbananen oder Muscheln. Wir haben uns mehrmals den Bauch mit leckerem Fisch oder Meeresfrüchten vollgeschlagen und dazu günstiges Balboa-Bier – unser Favorit aus Panamas Brauerei – getrunken. Selbstverständlich ist alles sehr frisch, obwohl die Bedingungen halt typisch lateinamerikanisch sehr einfach sind und die meisten Essensstände wohl nicht mal über fliessend Wasser verfügen. Obwohl unser Hostel halt wie für Hostels typisch nicht gerade klinisch rein war und halt überall irgendwie etwas Unaufgeräumtes rumliegt, hatten wir immerhin saubere Badezimmer und eine WC-Spülung, die auch mit WC-Papier noch funktioniert. Die meisten WC-Spülungen respektive Kanalisationen ausserhalb des Westens sind nämlich nicht für WC-Papier ausgerüstet. Das WC-Papier wird somit in einem Abfallkübel neben der Toilette entsorgt.

Roman hat sich besonders an dem ständigen Gehupe auf der Strasse genervt. In Lateinamerika ist es ebenso wie in vielen Teilen Asiens schlicht normal permanent zu hupen. Hupen gilt als Warnung für andere Verkehrsteilnehmer so à la “Achtung, falls du mich nicht gesehen hast, hörst du jetzt, das ich komme, also pass auf…” und so weiss der andere Verkehrsteilnehmer, dass er aufpassen muss. Natürlich wird auch gehupt, wenn ein Fahrer ungeduldig ist, weil es nicht vorwärts geht oder wenn er Überholen will und dies durch Hupen anzeigt.

Panama-City ist auch als Shopping-Paradies bekannt. Ein Shopping-Center, in dem wir waren, ist bestimmt einen Kilometer lang und beheimatet unzählige Elektronik- und Markenkleiderläden, Foodcorners und sogar einen Apple Store. Besonders die Markenkleider sind für einen Schnäppchenpreis zu haben. So kriegt man doch ein Quicksilver oder ein Hurley T-Shirt ab 25 Franken. Übrigens kennt Panama auch den US-Dollar, was beim heutigen Kurs zum Schweizer Franken nicht ungünstig ist für Schnäppchenkäufe. So muss man doch nicht mal den Kurs umrechnen.

Aber eigentlich haben Roman und ich aus zwei Gründen in Panama-City getroffen. So stand dann auch der Besuch zum weltberühmten Panama-Kanal an. Die Miraflores Schleusen liegen ungefähr 20 Taximinuten ausserhalb der Stadt. Nachdem wir zuerst das Museum besichtigt haben, kamen dann schon auch die grossen Schiffe durch die Schleuse. Staunend sind wir dagestanden und haben beobachtet wie sich die Schleusen mit Wasser füllen und die Containerschiffe passieren. Es bleiben nur ungefähr 30 cm pro Seite neben dem Kanal. Und es ist nicht der Kapitän, der das Schiff steuert. Dazu werden eigens von der Kanalbehörde ausgebildete Mitarbeitende eingesetzt. Letztlich fährt das Schiff aber auch nicht durch die Schleusen, sondern wird von Lokomotiven zur Schleuse gezogen bzw. auch durch Lokomotiven gebremst. Die Passage durch den Kanal kostet je nach Quelle ungefähr 300’000 US-Dollars.

Und schliesslich haben wir uns in Panama-City getroffen um gemeinsam nach Kolumbien zu segeln. Die Panamericana, die von Alaska nach Feuerland führt, ist zwischen Panama und Kolumbien im Gebiet des Darién Gap unterbrochen. Im Darién Gap herrscht dichter Dschungel und nur sehr, sehr verrückte und besonders abenteuerlustige Reisende gehen über eine beschwerrlich lange Reise zu Fuss über die Grenze nach Kolumbien. Leise Stimmen flüstern, dass die US-Amerikaner, die in Panama einen grossen Einfluss haben, die Strasse nach Kolumbien nicht weiterführen wollen, weil sie nicht die Möglichkeit für den vereinfachten Transport von Drogen schaffen wollen. Somit bleibt dem Reisenden also nichts Anderes übrig als nach Kolumbien zu fliegen oder mittels einem Cargoschiff die Reise anzutreten.

Die Reise mit dem Cargoschiff ist aber ebenfalls nicht ganz einfach und mit vielen Umwegen verbunden. Zudem kann diese Reise auch gefährlich werden, weil mit solchen Schiffen bekanntlich nicht immer nur legale Waren transportiert werden. In den letzten Jahren haben sich somit einige Segler in dieser Region angesiedelt, die Backpacker in fünf Tagen für ungefähr 500 US-Dollar nach Kolumbien oder von Kolumbien nach Panama bringen. Irgendeinmal von dieser Möglichkeit gehört, hat sich diese mir in den Kopf gesetzt, so dass bereits zu Beginn meiner Reise feststand, dass ich per Segelboot nach Kolumbien reise. Und nun stand also diese Reise mit meinem Bruder bevor…

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