Auf den Spuren von Pablo Escobar in Medellín

Medellín ist eine erstaunlich gut entwickelte und ordentliche kolumbianische Stadt. Ganz anders als andere kolumbianische Städte, liegt sie doch in einem Tal umgeben von grünen Hängen und Bergen und sticht mit dem orangenen Farbton des Sichtmauerwerkes der Gebäude heraus. Die Paisas, wie sich die Einheimischen in diesem Gebiet nennen, sind ein arbeitssames und fleissiges Volk. Medellín verfügt über ein modernes Metrosystem – das Einzige in ganz Kolumbien -, das über der Erde durch die ganze Stadt führt. Am südlichen Ende der Stadt liegen die Armenviertel. Die Metro fährt mittels einer Seilbahn zu den Armenvierteln hoch.

Die Stadt verfügt aber generell über eine sehr gute und moderne Infrastruktur. Ich wage zu behaupten, dass dies unter Anderem auch auf die berühmt berüchtigten Drogengeschäfte von Medellín zurückzuführen ist. Denn schliesslich dominierte das Medellínkartel in den 80ern 80 % des weltweiten Kokainhandels. Die berühmteste Figur des Kartells war Pablo Escobar.

Wir konnten es uns also nicht entgehen lassen eine Pablo Escobar-Tour zu buchen. Wir fuhren während einigen Stunden in einem Minibus durch Medellín, während eine junge attraktive Kolumbianerin in bestem Englisch und voller Temparament von den Zeiten ihrer Kindheit sprach. Ihr Kollege, der Fahrer, kennt die Familie Escobars.

Zuerst besuchten wir ein Hochhaus, wo Escobar eine Zeit lang wohnte. Im Garten war eine riesige Satelitenschüssel zu sehen. Das Gebäude verfügt über mehrere Stockwerke, so dass man sich kaum vorstellen kann, dass eine Familie und einige Angestellte ein so riesiges Gebäude bewohnen konnten. Ein Stockwerk war für die Angestellten, eines diente als Fitnesszenter, eines verfügte über einen Swimmingpool usw. Escobar verfügte über 500 Immobilien alleine in Medellín. Er war so reich, dass er der kolumbianischen Regierung ernsthaft anbot die Auslandsschulden zu übernehmen. Die Ironie der ganzen Geschichte ist, dass die ganzen Staatsschulden hauptsächlich gegenüber der USA bestanden, wohin Escobar das Kokain geliefert hat. Escobar sah somit in dem Angebot der Übernahme der Staatsschulden den grössten Witz. Er hätte somit einfach das Geld, welches er von den USA kassiert hat, wieder zurück gesendet. Schliesslich hat die Politik diesen Vorschlag aber abgelehnt.

Esobar hat sich auch sonst so einige Jokes geleistet. So hat er beispielsweise auf seinem 5’000 Hektar grossen Anwesen einige Stunden von Medellín entfernt neben einer Villa mit allen möglichen Details und einer Landebahn einen Zoo errichten lassen. Er mochte besonders afrikanische Tiere. Eines Tages hat der Staat einige Tiere aufgefangen und in den Zoo von Medellín gesteckt. Als Pablo Escobar am nächsten Tag in den Medien davon hörte, schickte er ein paar Angestellte los, die Tiere zurückzuholen. Der Auftrag war jedoch kein gewöhnlicher. Er wies an einen Esel zu einem Zebra umzugestalten und sämtliche Hühner und Schweine auf dem Weg einzusammeln und diese als Austausch gegen seine Tiere im Zoo zu lassen. So sah der Zoo in Medellín plötzlich aus als hätte jemand eine riesen Party geschmissen…

Pablo Escobar war nicht wie häufig behauptet wird, der Kopf des Kartells. So ist beispielsweise die dieses Jahr ermoderte Griselda Blanco nicht eine minder wichtige Figur gewesen. Ein Kartell besteht bekanntlich aus unterschiedlichen Gruppierungen, die sich gegenseitig absprechen. Escobar setzte sich aber gerne selber in Szene, wodurch er zusammen mit seinen Machenschaften international an Bekanntheit erlangte. Zu Beginn seiner Karriere war er als erfolgreicher und äusserst beliebter Geschäftsmann bekannt. Er hat sich in sämtlichen Geschäften behauptet. Casinos, Automarkt, Restaurants etc. – denn irgendwo musste er ja die Drogengelder waschen. Lange hat niemand etwas von seinen kriminellen Machenschaften geahnt, erst recht nicht, weil er auch sehr gute Taten vollbrachte und sich so bei der ärmeren Bevölkerung in Medellín sehr beliebt machte. So liess er ganze Siedlungen bauen und die Armen gratis darin wohnen. Er stellte Gebäude wie Shopping Centers auf, vermachte der Stadt ein Stück Land für einen Friedhof und sponsorte den lokalen Fussballverein. Mit der Zeit waren diese Schachzüge aber bewusst geplant. Schliesslich benötigte er die Unterstützung der Bevölkerung um in den kolumbianischen Kongress gewählt zu werden.

Aber irgendwann brach der Drogenkrieg aus und Escobar liess Leute, die ihm im Weg standen kaltblütig ermorden. Er brachte einen kolumbianischen Präsidentschaftskandidaten und andere Persönlichkeiten um. Er kannte nichts. Die von ihm angeheuerten Motorradkiller waren zu zweit unterwegs und legten in seinem Auftrag Menschen auf der offenen Strasse um. Pro Mord kassierten die Auftragsmörder 100 US-Dollars was damals ein ziemlich hoher Betrag war. Für den Mord eines Polizisten sprangen für den Killer bis zu 1000 US-Dollar heraus. Und es wurden mit der Zeit nicht nur gezielt Polizisten umgelegt. Nein, für jeden Polizisten. Dies führte dazu, dass sich die Einheiten inklusive der Militärs gegenseitig denunzierten und umbrachten. Und die Auftragsmorde rissen immer mehr Menschen mit in den Tod, weil nicht mehr gezielt gemordet wurde, sondern mittels Bomben oder ganzen Banden von Auftragsmördern sämtliche Menschen im Umkreis mit in den Tod gerissen wurden. Manchmal waren es 50, manchmal 100 unschuldige Menschen. Einmal liess Escobar sogar ein Flugzeug durch eine Bombe explodieren. Die Strassen von Medellín waren zu dieser Zeit menschenleer. Niemand getraute sich mehr raus. An manchen Tagen geschahen 20 Morde, dies in einer Stadt, die heute 2.5 Millionen Einwohner hat.

Gleichzeitig war Escobar aber Arbeitgeber von einer Million Personen, indirekt sogar von drei Millionen Personen. Als Escobar starb, gab es plötzlich eine immense Arbeitslosigkeit, die anfänglich niemand nachvollziehen konnte. Escobar beschäftigte nämlich so viele Personen um mit seinen zahlreichen Geschäften die Drogengelder zu waschen. Sobald die Einnahmen aus den Drogengeschäften mit den USA wegblieben, waren viele Geschäfter nicht mehr rentabel und mussten von daher schliessen oder umstrukturieren.

1993, ein Tag nach seinem 44. Geburtstag starb Escobar auf dem Dach des Hauses seiner Tante. Über seinen Tod gibt es drei unterschiedliche Versionen. Einmal, dass die CIA ihn umgelegt haben, dann, dass die kolumbianischen Spezialeinheiten ihn erschossen haben und schliesslich, dass er nur angeschossen wurde und schliesslich Selbstmord begangen hat. Die meisten Kolumbianer glauben an die letzte Version. Escobar pflegte zu Lebzeiten zu sagen “Lieber ein Grab in Kolumbien als eine Gefängniszelle in den USA” und soll stets einen Ring mit Gift an einem Finger getragen haben…

Nach seinem Tod gingen sämtliche Immobilien an den Staat über. Die Verwaltung dieser Immobilien ist jedoch alles andere als erfolgreich. Viele Gebäude stehen leer und die Vermietung wird durch Bürokratie und Korruption verhindert. Seine Villa auf dem Land gilt als touristische Destination. Und die Tiere wurden hauptsächlich in den Zoo verlegt oder sterben gelassen. Der Staat liess jedoch die Flusspferde zurück und ging davon aus, dass diese von selber irgendwann verenden. Aber da wurde die Rechnung ohne Kolumbiens Klima gemacht. Die weitesten Teile Kolumbiens sind das ganze Jahr über grün und verfügen über genügend Wasserquellen. So haben die Flusspferde überlebt, sich friedlich vermehrt und stellen allmählich ein Problem für die Gegend dar…

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