Patagonien Teil 1 – El Calafate, El Chaltén und Sicht auf den Fitz Roy

Patagonien – was erwartet mich wohl neben nochmals höheren Preisen als im sonst schon relativ teuren Argentinien? – war mein Gedanke als ich ins Flugzeug stieg. Ich habe mich entschieden mit der von der Luftwaffe betriebenen Fluggesellschaft “Lade” nach El Calafate zu fliegen, nachdem die 40-stündige Busfahrt teurer ausgefallen wäre und die Dame von der Fluggesellschaft mir sofort beim Betreten des Büros den letzten verfügbaren Platz freundicherweise auf zwei Tage hinaus reserviert hat (sie wusste sehr wohl, dass ich den Flug nehmen werde).

Lade hat eine äusserst einfache und ausländerfreundliche Preisstruktur – gleiche Preise für alle Passagiere. Aerolineas Argentinas und LAN Chile, die ebenfalls Flüge anbieten, verlangen seit Jahren mehr als das Doppelte vom Ausländer. Der Argentinier bezahlt etwa gleich viel wie für den Bus. Besonders helle Touristen, zu denen ich mich auch schon fast gezählt hätte, buchen ihren Flug über die Google-Seite Argentiniens und umgehen so scheinbar den teureren Ausländertarif. Die Überraschung kommt dann aber am Flughafen beim Check-in, wenn man keine argentinische ID vorweisen kann und locker mal 300 Euros draufzahlen muss. Da ist doch die Alternative mit Lade, die lediglich zweimal die Woche Flüge anbieten und etwas länger benötigen um Einiges attraktiver. Aber warum benötigt Lade denn länger, ja, fast doppelt so lange um die gleiche Strecke zurückzulegen? Lade ist wie ein Bus. Die landen unterwegs, Passagiere steigen aus, andere steigen ein. Und die Landungen waren so sanft, dass ich teilweise einfach ruhig weitergeschlafen haben. Es geht halt nichts über ausgebildete und erfahrene Luftwaffenpiloten…

Irgendwann hatte ich dann auch genug geschlafen und das Frühstück bereits verpasst… Und schon bot sich mir ein wunderbarer Anblick. Ein riesengrosser hellblauer See – der Lago Argentino – und schneebedeckte Berge und wir fliegen gerade darauf zu. Plötzlich dreht der Pilot über dem kitschigen Hellblau ab und wir befinden uns im Landeanflug auf El Calafate, wo ich Weihnachten verbringen werde. Mein gebuchtes Hostel wird gerade umgebaut und der Transfer vom Flughafen bringt mich sogleich zum Schwesterhotel. Ein Hotelzimmer mit drei Betten – ein Minischlafsaal – das ich mit Fremden teile. Nachdem ich keine Lust auf mehrgängige Weihnachtsmenü und Reservationen hatte, bin ich einfach Sushi essen gegangen und habe Ausflüge für die nächsten Tage gebucht. Zurück im Zimmer habe ich dann meine Schlafgenossen ;-) kennen gelernt – unter Anderem eine Spanierin in meinem Alter, mit der ich dann die nächsten Abende verbracht habe.

Und an diesem Abend habe ich eine der Faszinationen des patagonischen Sommers erleben dürfen. Die Sonne ging nämlich erst um 23.00 Uhr abends unter und es begann erst so um 23.30 Uhr dunkel zu werden. Wow! Damit hatte ich nun nicht gerechnet, ich dachte immer, dass ich in den hohen Norden Skandinaviens gehen muss um dies erleben zu dürfen. Morgens um 05.00 Uhr war es bereits schon wieder hell. Touris, die am 21. Dezember, dem längsten Tag, in Ushaia, der südlichsten Stadt der Welt waren, haben mir gesagt, dass es da noch extremer sei.

Die Natur Patagoniens ist unglaublich wild. Man kann sommerheisse Temperaturen erleben, am nächsten Tag kann es regnen und in den Hügeln rundherum fällt Schnee. Und fast durchgehend ist es sehr windig. Ich habe also meinen Windstopperfleece nun richtig schätzen gelernt.

Was macht man an Weihnachten, wenn fast alles geschlossen ist? Raus in die Natur! So bin ich nach El Chaltén in die legendäre Trekkingzentrale Patagoniens gefahren. Es war ein herrlicher Tag, die Sonne brannte auf mich herunter, so dass ich mir einen heftigen Sonnenbrand geholt habe. Die Ozonschicht hier hat ein Loch, so dass man sich mit Schutzfaktor 30 und angebräunt leicht einen Sonnenbrand holen kann. Selbst die Australier waren erstaunt…

Ich bin zur Laguna Capri gewandert und habe den berühmten Fitz Roy bestaunen können. Ein wahnsinniger Anblick, wenn so ein Berg in nächster Nähe vor Einem emporragt. Diesen zu besteigen benötigt offensichtlich ziemliche Ausdauer im Klettern, die längste Route soll 700 Meter umfassen. Ich hatte wirklich Glück mit dem Wetter. Denn der Fitz Roy ist an vielen Tagen von Wolken umgeben. Auf dem Weg dahin bot sich mir ein Anblick unendlicher unbesiedelter Weiten. Ich sah eine Strasse, auf der vielleicht alle 30 Minuten mal ein Auto passiert. Zu gerne wäre ich mal schnell durch die Kurven gerast raus in die Stille an einen abgelegenen Ort dieser Erde.

Die Nationalparks Patagoniens bieten Natur ohne Ende. Man kann an vielen Orten Campieren, wofür ich leider nicht ausgerüstet war. Was mich besonders überrascht hat, ist, dass Schweizer Wanderwege direkt ein Abfallproblem gegenüber Patagonien haben. Die Schilder der Nationalparks in Patagonien weisen auf sämtliche Verhältensweisen hin. Man wird darauf hingewiesen den Abfall wieder mitzunehmen, selbst das Toilettenpapier und Zigarettenstummel. Seine Geschäfte soll man 100 Schritte entfernt von Gewässern verrichten, dafür darf man gerne seine Wasserflasche in Bächen, Flüssen oder sogar Seen wieder auffüllen. Ich habe noch nie so einen klaren und sauberen Bergsee wie die Laguna Capri gesehen!

An vielen Orten werden auch Plastiktüten abgegeben, damit man den Abfall darin zurück ins Dorf bringen kann. So findet man nirgends auch nur ein Fötzeli. Also lieber Verein der Schweizer Wanderwege: Auch wenn es eigentlich selbstverständlich sein sollte, Anschreiben hilft!

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