Auf Weintour in Mendoza

Mendoza ist das grösste und bekannteste Weingebiet Argentiniens und Malbec das Aushängeschild. Die Spanier brachten im 16. Jahrhundert Reben nach Argentinien, denn zur Christianisierung gehört schliesslich auch ein Messwein. Die ideale Grundlage für dieses Weingebiet bilden einerseits das Klima mit nur 200 ml Regen pro Jahr und 300 Sonnentagen sowie die Kanäle, die die Ureinwohner 300 Jahr v. Chr. zur Kultivierung von Gemüse und Früchte erstellt haben. Reben benötigen nämlich 600 ml Wasser jährlich. Durch das Kanalsystem können den Reben also so viel Wasser wie nötig zugefügt werden. Totale Kontrolle, besser könnte es fast nicht sein!

Mendoza verfügt über 800 Weinkeller. Na dann, nichts wie los, auf Weintour! Insbesondere da die Stadt meiner Meinung nach ansonsten rein gar nichts zu bieten hat.

 

Luxusvariante der Weintour

Am ersten Tag gehe ich mit Hoteltouristen mit einem Minibus auf Weintour. Obwohl ich es normalerweise vorziehe mit Hosteltouristen, respektive sogenannten Backpackers auf eine Tour zu gehen, ist die Hotelvariante diesmal doch um Einiges besser. Denn ich will schliesslich erstklassigen Wein probieren und nicht billigen Fusel.

Wir fahren also ausserhalb Mendozas zum ersten Weinproduzenten. Ein Vorzeigehaus. Alles topmodern, relativ gross und trotzdem noch so klein, dass die Weine nur in ausgewählten Restaurants und Gourmetsläden anzutreffen sind. Zuerst lernen wir etwas über die Herstellung des Weines, sehen die grossen Fermentierungstanks und den Weinkeller und dann gehts selbstverständlich zur obligatorischen Degustation. Bei fast 40 Grad im Schatten wird mir nach etwas Torrontés – einem argentinischen Weisswein -, Carmènere – der eher in Chile anzutreffen ist – und einem exzelltenten Malbec Gran Reserva schon etwas schwindlig. Aber Aufgeben ist nicht!

Der zweite Weinkeller ist ein Familienbetrieb mit biologischer Herstellung. Die junge Dame, die uns durch den Besitz ihrer Familie führt, ist ausgebildete Vineologin und mit Herzblut bei der Sache! Herrlich! Der Weinkeller verfügt über rote Wände mit Weinkristallen. Hier wurde früher fermentiert und da das Gebäude nun unter Heimatschutz steht, wird der Keller als Weinkeller benutzt. Ein schöner Anblick. Die Dame erklärt uns auch gleich einige wichtige Fakten und gibt einen interessanten Tipp mit.

Ein Reserva befindet sich also mindestens ein Jahr im Eichenfass, damit er diesen Namen tragen kann. Roble hingegen ist eine nicht geschützte Bezeichnung. Somit kann der Wein einfach mit Eichensplittern versehen worden sein. Die Eichenfässer werden bis zu 4 Jahre verwendet, wobei natürlich der Gran Reserva, der älteste Wein Vorrang hat und die Fässer nachher für den Reserva oder den jüngern Crianza verwendet werden. Und was sagt nun der Jahrgang auf der Flasche aus? Der auf der Etikette angegebene Jahrgang bedeutet nichts Anderes als das Jahr der Weinlese, wo der Prozess der Herstellung beginnt. Somit wird klar, dass ein Reserva höchstens vom Vorjahr erhältlich ist.

Hast du schon einmal einen Spitzenwein nicht ausgetrunken und ihn dann die Spüle runter gekippt? Verschwendung! Selbst eine seit drei Monaten offene Flasche kann immer noch verwendet werden. Der Trick: Mit Honig oder Zucker einkochen und zu einem guten Stück Fleisch als Sauce oder Garnitur für den Tellerrand verwenden. Vermutlich lassen sich damit auch z.B. heisse oder eingekochte Früchte verfeinern. Vorschlag: mit Vanilleglace servieren…

 

Nach der zweiten Degustation, war es Zeit für ein paar Häppchen. Wir haben zuerst die Olivenölfabrik besucht. Die Fabrik stellt nur Extra Virgine her, d.h. kaltgepresst aus erster Pressung mit einem tiefen Säuregehält, dem besten Geschmack des Olivenöls und den gesündesten Eigenschaften. Wusstest du, dass grüne, violette und scharze Oliven vom gleichen Olivenbaum stammen? Die Grünen sind die Jüngsten, deshalb auch so knackig. Lässt man die Früchte etwas länger reifen, werden sie violett und schliesslich schwarz. Und für die Olivenölproduktion wird eine Mischung aus vorangehenden kleinen Früchten verwendet.

Die Häppchen bestanden dann aus dem klassischen Olivenöl sowie angereichert mit Knoblauch oder Oregano, Brot mit Olivenpaste, Brot mit in Olivenöl eingelegten getrockneten Tomaten… Und das war noch nicht das Ende der Tour…

Die nächste Destination war ein Familienbetrieb, der in der Küche herstellt. Diverse Oliven- und Gemüsepasten, über Konfitüren zu Likören wie Irish Cream, Absinth, Rosenlikör, Pfefferlikör usw. Selbstverständlich mit erneuter Degustation… Danach benötigte ich unbedingt ein richtiges Nachtessen nach all dem Alkohol…

 

 

Die Weintour der Individualtouristen

Die Tour beginnt ebenfalls mit einem Minibus raus aus der Stadt nach Maipu. Dort kriegen wir einen Plan mit den Weinkellereien und ein Velo. Wiederum 40 Grad im Schatten und ein Velo ohne Gangschaltung. Diesmal geht es nur geradeaus, 24 km hin und zurück.

Ich folge den Empfehlungen und lege die 12 km gleich in einem Stück zurück. Als Erstes besuche ich eine Olivenölfabrik – nach dem sehr spärlichen Frühstück kann etwas Olivenöl auf Brot nicht schaden… Mich erwartet wiederum eine Fabrik, die zur Zeit nicht aktiv ist, da die Ernte erst in ein paar Monaten stattfindet. Bei der sportlichen Tour der Individualtouristen bezahlt man für die Degustation. Dafür kriege ich aber auch eine ordentliche Portion, etwas Boden für die bevorstehende Weindegustation…

Einige Kilometer auf dem Rückweg entscheide ich mich für eine Weinkellerei, deren Gebäude einen traditionellen Touch aufweist. Wiederum ein Familienbetrieb, italienische Einwanderer und die älteste Weinkellerei Mendozas. Die alten Fermentationstanks aus natürlichen Materialien – heutzutage wird in Metalltanks fermentiert – stehen auch hier unter Heimatschutz und werden ebenfalls zur Lagerung der Weine verwendet.

Und endlich lerne ich den Unterschied zwischen dem Malbec und dem Cabernet Sauvignon. Die Blätter der Traube des Malbecs haben drei Blätter, während der Cabernet Sauvignon fünf Blätter hat. Der wesentliche Unterschied ist jedoch die Traube selbst. Die Traube des Cabernt Sauvignon hat eine dickere Haut, die dem Cabernet Sauvignon durch den Fermentierungsprozesses ein stärkeres Aroma verleiht.

Die Degustation ist ausgezeichnet und wird mit einem der besten Dessertweine, die ich jemals probiert habe, abgerundet. Der Wein schmeckt nach Honig und hat ein absolut ausgeklungenes Aroma.

Meine letzte Destination ist ein moderner Weinkeller mit Spitzenweinen und einem Restaurant. Ich lerne ein kanadisches Päärchen kennen und geniesse eine ausgezeichnete Destination. Für einmal finde ich sogar den Rosé ausgezeichnet und erst der Reserva! Bei dieser erstklassigen Degustation und interessanten Gesprächen, beginne ich schliesslich zu träumen… Was wäre wenn… Das kanadische Päärchen betreibt nämlich eine Obstplantage – Kirschen, Pfirsiche, Pflaumen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen usw. – mit der Familie und ist während dem kanadischen Winter ganze vier Monate “arbeitslos”. In Kanada scheint man mit Obstplantagen ziemlich gutes Geld zu machen. Dies bedeutet, wenn das Jahr nicht gerade schlechte läuft: vier Monate reisen!

 

Die korrekte Weindegustation

Ich habe bereits einige Male zuvor Wein degustiert und mir wurde auch schon von Fachleuten erklärt wie man dies korrekt tut. Aber die argentinische Lebensfreude, die Ferienstimmung und die hohen Temperaturen lassen Einen die Degustation geradezu celebrieren.

Man schwenke also das Glas nach vorne um zuerst die Farbe des Weins eingehend zu betrachten. Man versucht sich zu erinnern, woher die Farbe stammen könnte. Blut, Brombeeren, Himbeeren usw. beim Rotwein Honig, Zitrone etc. beim Weisswein. Dann schwenkt man das Glas richtig und betrachtet es, ob der Wein fällt oder “kleben” bleibt. Klebt er, so ist ein Teil des Weines überwiegend – kein gutes Zeichen.

Schliesslich riecht man den Wein und versucht den Duft einzuordnen. Süsslich, fruchtig, blumig, Tabak, Holz, herb usw.? Und dann ist es soweit! Man nimmt einen Schluck! Nicht runterschlucken! Zuerst lässt man den Wein im Mund hin- und hergehen. Das ist meistens eine ziemliche Überraschung. Der Wein schmeckt im Gaumen immer anders als in der Nase. Blumig, Zitronesnote oder was auch immer – im Gaumen kann er langweilig wirken oder umgekehrt.

Dann erst wird geschluckt… Und wie wars? Was ist dein Fazit?

 

Mein Fazit

Ich bin überrascht über die Topqualität der Weine Argentiniens. Mit etwas gesundem Menschenverstand und der Selektion von kleineren, familiären Betrieben hat mich auch die Backpackertour nicht enttäuscht. Ich habe Spitzenweine probieren können und einmal mehr erkannt, dass ein guter Wein, nicht der günstigste ist und mir bei den Rotweinen, die älteren, also die Reservas, besser schmecken.

Wenn ich die örtlichen Preise von 6.5 bis zu 30 Franken oder mehr im Weinkeller betrachte (guter Wein im Supermarkt unter 4 Franken), komme ich zur Erkenntnis, dass die günstigen Angebote von argentinischem Wein in europäischen Supermärkten weitgehendest Kopfwehpotential haben.

Wie sieht deine Erfahrung mit argentinischen Weinen aus?

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Eine Antwort to “Auf Weintour in Mendoza”

  1. pia hess sagt:

    Hallo Jolanda
    mmmmmhhhh, ich beneide dich. Ja die guten Weine bleiben doch eher in Argentinien. Schön dass du dich für diese Tour ent-
    schieden hast. Bist ja wieder eine grosse Erfahrung reicher geworden!
    Weiterhin viel Glück und herzliche Grüsse
    Mom

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