Auf Entdeckungsreise über und unter Wasser in Raiatea

Ehrlich gesagt habe ich in Raiatea ein fischreiches Paradies erwartet. Aber ich muss mir wohl den Namen des Orts dieser Dokumentation, die ich einmal gesehen habe falsch notiert haben. Auf Raiatea gibt es keinen Massentourismus und alles geht sehr ruhig zu und her. Und so ging ich auf Entdeckungsreise…

In Französisch Polynesien soll man nicht um Preise handeln, habe ich zumindest gelesen. Ich kam am Flughafen an und habe noch nirgends reserviert. So stand auch niemand da um mich abzuholen. Und Air Tahiti wollte nicht in der Pension meiner Wahl anrufen, damit diese mich abholen können. Wie komme ich also dahin? Autostopp? Nein. Der Taxifahrer ist schnell vom offiziellen Preis von 20 Franken auf 10 Franken runter gegangen. Er hat sich wohl gedacht, besser 10 Franken als gar kein Geld… Und so kam ich doch noch in der Pension an.

Und dort fand ich definitiv das schmalste Bett für 31 Schweizer Franken, ohne Frühstück, vor in einem riesigen Schlafsaal. Aber es war nun mal das Günstigste auf dieser Insel… Kein Restaurants, kein Laden da und es sind drei Kilometer ins Dorf. Es ist extrem heiss. Aber ich darf gratis eine dieser rostigen Stahlesel benutzen. Und wieder einmal eine Première auf meiner Reise. Velofahren mit einem Velo ohne Gangschaltung und Rücktrittsbremsen. Das letzte Mal als ich ein solches Velo gefahren bin, war ich etwa im Kindergarten.

Auf dem Velo sitzend musste ich lachen. Es fühlte sich gut an! Ich habe also gleich eine kleine Tour gemacht und junge Leute beim Auslegerkanu-Training beobachtet. Das Fahren von Auslegerkanus ist Nationalsport in Französisch Polynesien. Da wird geschrien und angefeuert. Und die Sportler werden regelmässig ausgewechselt bis die Mannschaftszusammensetzung am besten funktioniert.

Zurück in der Pension habe ich die Kanadierin Nadia kennen gelernt. Mit ihr zusammen bin ich am nächsten Tag per Autostopp zum Marae Taputapuatea gefahren. Autostopp ist in Französisch Polynesien aufgrund von fehlenden öffentlichen Verkehrsmitteln, zu langen Distanzen für die Fortbewegung per Fahrrad und horrenden Mietpreisen für Autos eine von Touristen häufig gewählte Transportmöglichkeit und ungefährlich – schliesslich kennt man sich auf den kleinen kaum bevölkerten Inseln. Interessant ist, dass man als Frau meistens von Frauen mitgenommen wird und nicht selten Interessantes über die Einheimischen erfährt.

Ein Marae ist ein zeremonielles Areal. Maraes sind in Französisch Polynesien, auf der Osterinsel, auf Hawai und in Neuseeland vorzufinden. Interessant ist, dass die Maraes die Elemente der Dreifaltigkeit aufweisen. Aber bekanntlich haben ja alle Religionen den selben Ursprung. So verwundert es doch nicht, dass unsere Ureinwohner schon auf die selben Elemente zurückgriffen. Irgendwie habe ich mich aber an diesem Ort gar nicht wohl gefühlt. Ob es nur an der Hitze lag? Ich habe dann von einem Guide zufällig gehört, dass auf diesem Marae auch Menschenopfer erbracht wurden. Ob schlechte Energie der Grund für mein Unwohlsein war?

Am frühen Nachmittag haben wir bemerkt, dass immer weniger Autos auf der Strasse verkehren. Die Polynesier sind Frühaufsteher. Sonnenaufgang ist irgendwann um 05.30 Uhr und Sonnenuntergang um 18.30 Uhr. Anfangs Nachmittag ist also meistens schon gar nichts mehr los auf den Strassen, die Supermärkte sind schon fast leer geräumt. Zeit den Rückweg anzutreten bei einem Fahrzeug alle zehn Minuten. Aber wir wurden immer wieder einen Abschnitt mitgenommen. Die letzte Lady holte ihren Sohn in der Schule ab und fuhr uns sogar ins, holte uns vor dem Supermarkt eine halbe Stunde später wieder ab und fuhr uns in die Pension zurück. Sie hat zwar kein bisschen einen Umweg machen müssen, trotzdem haben wir das überaus nette Angebot sehr geschätzt.

Am Tag darauf bin ich endlich wieder einmal Tauchen gegangen. Ich war etwas aufgeregt. Die Aufregung hat sich aber schnell gelegt, da ich mit dem Tauchguide, einer Französin, die seit 20 Jahren auf Raiatea lebt alleine getaucht bin und sie sich so voll auf mich konzentrieren konnte. Ich habe zahlreiche Fische in allen Farben gesehen, war aber trotzdem etwas enttäuscht, weil ich für diese Destination doch etwas mehr erwartet hätte.

Nachmittags bin ich mit einem jungen Franzosen auf den Hügel im Dorf gelaufen. Es hat zwar immer leicht geregnet und die Aussicht war deswegen weniger spektakulär als üblich. Trotzdem hat es sich gelohnt. Ich konnte die unterschiedlichen Farben der Lagune um Raiatea und der Nachbarinsel Tahaa erkennen.

Der zweite Tauchgang war dann schon etwas spektakulärer. Wir fuhren weit raus von der Insel weg und hinter das Riff aufs offene Meer hinaus. Es gab unglaubliche Wellen, so dass ich sogar schon über Wasser mit dem Regulator geatmet habe, damit ich kein Wasser schluckte. Die ersten Meter zum Abtauchen waren ziemlich beängstigend, da ich richtig durchgeschüttelt wurde. Der Tauchguide hat mich jedoch an der Hand genommen und einige Meter unter Wasser war es bereits etwas ruhiger. Und endlich sah ich sie – die Haie! Ich sah schon mehrmals Haie beim Schnorcheln und wollte unbedingt mal Haie beim Tauchen sehen.

Besonders witzig war die Szene eines kleinen gelben Pilotfisches, etwa die Grösse eines Goldfisches, der sich permanent vor dem Hai durchs Wasser bewegt hat. Der Pilotfisch war nur wenige Zentimeter vor der Schnauze des Hais entfernt und schlängelte sich richtig gehend durchs Wasser. Ich musste so sehr lachen, dass mir fast der Regulator aus dem Mund viel…

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