Über die Polynesier und den Besuch im Lagoonarium auf Moorea

Moorea ist die letzte Insel auf Französisch Polynesien, die ich besuchen werde. Da die Insel nur wenige Kilometer von Tahiti entfernt liegt, gibt es mehrmals täglich Boote für die Überfahrt. Und Moorea ist so anders, so viel schöner als Tahiti. Die Berge auf der Insel gehören für mich definitiv zu den spektakulärsten der Windinseln.

Die Überfahrt ist mit einer halben Stunde überraschend kurzweilig. Es ist Samstag Vormittag und viele Jugendliche sind auf dem Boot um das Wochenende an Mooreas Stränden zu verbringen. Da stehen also die möchtegern-coolen Jungs mit dem Ghettoblaster auf dem Sonnendeck. Und endlich höre ich wiedermal so richtig Musik. Wie mir das hier gefehlt hat in Französisch Polynesien… Ich vermisse Lateinamerika schon ziemlich…

Als ich auf Moorea ankomme, muss ich erst auf die Gepäckausgabe warten. Als mein Rucksack dann endlich ankommt, sind die Busse auch schon weg. Echt doof! Hätte ich das gewusst, hätte ich den Rucksack gar nicht eingecheckt… Nun bleibt mir aber nichts Anderes als Autostopp übrig – etwas, was ich alleine eigentlich nicht tun will. Und ich habe schon gehört, dass man auf Moorea selten mitgenommen wird…

Schon nach Kurzem nehmen mich zwei Mädels in meinem Alter mit. Die fahren aber nur zum nächsten Supermarkt, meinen aber, dass dort meine Chancen mitgenommen zu werden grösser sind. Ich muss um die halbe Insel rum. Das sind so um die 30 Kilometer. Ich stehe also gleich nach der Ausfahrt des Supermarktes. Zum Glück gibt es etwas Schatten. Denn ich warte bestimmt eine halbe Stunde, es fahren gefühlte 100 Autos an mir vorbei und keiner hält. Dann endlich! Eine Französin, die seit 5 Jahren in Französisch Polynesien lebt und einen Snack 100 Meter von meinem Ziel entfernt hat, nimmt mich mit. Und es hat sich echt gelohnt, weil mir die Dame gleich alles Wichtige von und über Moorea erzählt hat. Mit Tipps bepackt wurde ich gleich direkt beim Camping abgeliefert. Das war definitiv besser als der Bus!

Nachdem ich nun in Französisch Polynesien doch einige Male Autostopp machen musste und meistens von Frauen mitgenommen wurde, habe ich mir vorgenommen in der Schweiz auch mal etwas Ausschau zu halten und künftig vielleicht auch mal eine Frau mitzunehmen, die mit dem ausgestreckten Daumen am Strassenrand steht. Denn eigentlich macht man meistens echt tolle Bekanntschaften damit…

Um etwas von der Insel zu sehen, miete ich mir einen Roller. Als ich beim Vermietungsstand ankomme, hat dieser doch schon geschlossen. Es ist 11.15 Uhr. Klar, es ist Sonntag. Ich habe aber gehört, dass die Vermietung bis um 13.00 Uhr offen ist und ich will den Roller vor dem Mittag für 24 Stunden mieten, so dass das Fahrzeug mir auch am darauf folgenden Morgen noch zur Verfügung steht. Hilflos frage ich die anwesenden Polynesier. Irgendwann zückt eine Frau dann ihr Vini, wie die Mobiltelefone hier genannt werden, und ruft die Vermietung an. Wenige Minuten später kommt dann auch ein Kleinbus mit einem Roller angefahren. Es klappt also doch noch.

Aber ehrlich! Sonntag hin oder her. In ganz Zentral- oder Südamerika oder in Südostasien, egal wo ich bisher war, ist sowas nie passiert. Die Latinos oder die Asiaten essen in ihren Geschäften, machen da ein Nickerchen, übernachten fast da. Vielleicht sind sie nicht immer die Schnellsten, aber ihre Servicebereitschaft ist hoch. Sie sind immer da, Wochentag hin oder her! Denn ihnen könnte ein Geschäft entgehen. Und wenn sie dann mal früher schliessen, bringen sie wenigstens ein Schild an. Die Polynesier interessiert das nicht.

Ich habe viele solcher Erlebnisse gehabt in den letzten drei Wochen und die meisten Touristen, die ich angetroffen habe, teilen meine Meinung auch. Der Service und das Preis-/Leistungsverhältnis war bei von Franzosen geführten Pensionen – Maupiti Village selbstverständlich ausgenommen – definitiv besser als bei Pensionen, die von Polynesiern geführt werden. Für mich ist schon fragwürdig, wie Französisch Polynesien ohne das Geld der Franzosen auskommen könnte. Sollte dies jemals der Fall werden, dann müsste sich deutlich was ändern, sonst wird das Land einen gewaltigen Rückschritt machen. Industrie gibt es hier nämlich nicht. Milch wird aus Neuseeland, Käse und viele andere Produkte werden aus Frankreich importiert. Französisch Polynesien exportiert vielleicht schwarze Perlen, lebt aber ansonsten hauptsächlich vom Tourismus.

Aber nun habe ich einen Roller. Als Erstes flitze ich zum Intercontinental Hotel. Schon wieder? Ja, denn im Intercontinental auf Moorea gibt es Delfine und Schildkröten zu sehen. Die Animation und das Schwimmen mit Delfinen finden zur Zeit zwar gerade nicht statt. Aber die Tiere beobachten kann man ja trotzdem. Einerseits finde ich es faszinierend, den Delfinen bei ihren Runden zu zusehen, andererseits tun mir die Tiere fast ein bisschen leid. Das Becken ist nicht gerade gross und auch nicht so tief.

Meine Hauptdestination des heutigen Tages ist aber das Lagoonarium, das sich auf einem Motu befindet. Ein Polynesier betreibt das Lagoonarium bereits seit 17 Jahren und scheint damit einen riesen Erfolg zu haben. Schnell wird auch klar, dass die Idee einfach genial ist.

Ich bezahle meinen Eintritt und werde auch schon gleich mit dem Boot abgeholt. Das Lagoonarium befindet sich nämlich auf einem Motu. Das Motu selber ist mit hübschen kleinen Bungalows ausgestattet und überall hängen Muscheln, die im Wind klimpern. Ich ziehe mich schnell um und dann gehts schon los zur Fischfütterung, die mehrmals täglich stattfindet.

Der Betreiber füttert erst die gezähmten Stachelrochen, die sich richtig an ihn schmiegen. Dann fordert er die Touristen auf ihm ins tiefere Gewässer zu folgen. Das Futter befindet sich in einem Kessel in einem Kinderschwimmring. Er nimmt etwas Brot und Fisch heraus und taucht ab. Er hält sich an den Stachelrochen fest und lässt sich durchs Wasser ziehen. Wenige Sekunden später sind die Korallen oder das Wasser kaum noch zu sehen. Hunderte, wenn nicht Tausende von verschiedenen Fischen aller Art kommen in Schwärmen daher. Mitten drin gibt es ungefähr acht Haie. Und dann schwimmt doch tatsächlich einer wenige Zentimeter unter mir durch. Wow! Das ist definitiv ein weiteres Highlight. Ich bin echt faszniert!

Nach der Fütterung schwimme ich den Korallenparcours ab, der wunderschön und erstaunlich gut erhalten ist, wenn man bedenkt wie viele Touristen tagtäglich dort schwimmen. Ich bin stundenlang im Wasser und überglücklich. An bestimmten Stellen tümmeln sich die Haie. Ich versuche ihnen näher zu kommen. Mittlerweile hat sich meine Angst resp. mein grosser Respekt in ihnen in Bewunderung und Faszination gewandelt. Aber ich habe keine Chance. Es ist also definitiv war, dass die Tiere mehr Angst vor uns haben als wir vor ihnen…

Wie sind deine Erfahrungen mit Haien?

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