Tongariro Alpine Crossing – eine sportliche Herausforderung

18 Kilometer und den gleichen Weg zurück laufen oder 24 Kilometer und dafür eine richtige „Alpenüberquerung“ machen? Okay, 24 Kilometer werden wir schon schaffen. Wir werden morgens um 05.30 Uhr vor dem Hostel abgeholt. Gestern hat’s ja leider nicht geklappt, die haben uns doch glatt vergessen. Dafür können wir nun gratis zum Start fahren und werden auch gratis wieder vom Endpunkt der Wanderung abgeholt. Recht so, sonst müssten sie noch mit einer schlechten Bewertung von mir auf Tripadvisor rechnen…

Auf der zweienhalbstündigen Busfahrt heisst es nun also die vorbereiteten Sandwichs futtern, damit wir Energie haben um den ganzen Tag zu marschieren. Und nochmal ein bisschen schlafen. Dann kommen wir beim Ausgangspunkt der Wanderung an. Und dann geht’s los. Wir laufen zuerst ungefähr eine Stunde in relativ flachem Gelände, die Sonne geht auf. Es ist sehr kalt und sehr windig, wir tragen alle unsere Klamotten. Dann kommt die erste Steigung – noch nicht so schlimm. Aber bald geht es über Treppenstiege richtig den Berg hoch. Auf dem ersten Plateau haben wir schon eine tolle Aussicht. Aber keine Zeit wirklich länger als für ein paar Fotos zu stoppen. Es geht weiter den Berg hoch bis wir nach ungefähr knapp drei Stunden neben dem Vulkan stehen, den man besteigen könnte. Der Aufstieg erscheint selbstmörderisch. Der Vulkan ist sehr steil und eine einzige Geröllhalde. Aber wir haben so oder so keine Zeit für den Vulkan, wir müssen weiter. Nach einem weiteren kurzen Anstieg über lockeres und sandiges Gestein kommen wir an den höchsten Punkt unser Wanderung. Nun sehen wir die Emerald Lakes. Wunderschön glitzern die Seen in verschiedenen Blautönen vor unseren Augen.

Der Abstieg zu den Seen, die wir passieren müssen, ist alles andere als einfach, aber sehr lustig. Wir sinken knöcheltief in Kies und Sand ein. Ich stelle mir vor, dass ich Ski fahre und hüpfe so quasi den Berg runter. Wenn ich falle, wird es wohl nicht so hart sein – aber ich komme heil runter. Die Seen glitzern in der Sonne, um uns herum gibt es rötliches Vulkangeröll. Der Ausblick ist herrlich! Wir passieren die Sperrzone und haben einen weiteren Abstieg vor uns, der diesmal rutschiger ist, weil der Untergrund relativ fest ist und eine Kiesschicht darauf liegt. Der Abstieg schient endlos und wir müssen echt Acht geben nicht auszurutschen. Zum ersten Mal setzen wir uns hin um etwas zu Essen. Aber nach 15 Minuten geht es auch schon wieder weiter. Denn je länger die Pause, desto schwerer ist es wieder weiter zu laufen. Wir sind nun schon ungefähr viereinhalb Stunden unterwegs. Nach einer Weile in flachem Gelände erreichen wir die erste Hütte. Und merken, dass wir mit der Zeitangabe gemäss unserem Plan den Bus nicht mehr schaffen.

Wir legen einen Zahn zu. Aber langsam wird es hart. Wir sind müde. Es geht den Berg runter, den Berg hoch und wieder runter und wieder hoch. Dann in den Wald hinein, zuerst runter und dann wieder hoch. Nun wird der restliche Weg zum Kampf. Ich laufe voraus, weil ich weiss, dass wir Gas geben müssen um es noch auf den Bus zu schaffen. Wenn wir’s nicht schaffen, dann müssen wir die Busgesellschaft anrufen, damit sie nicht einen Suchtrupp los senden. Schliesslich schaffen wir es bis zur nächsten Hütte in zwei an Stelle von drei Stunden.

Die letzten einenhalb Stunden scheinen endlos zu sein. Wir marschieren einfach weiter. Meine Beine tun mir zwar nicht weh und ich habe drei Liter Wasser und ein Gatorade mitgenommen. Aber plötzlich bemerken wir, dass unsere Finger richtig dick angeschwollen sind, so dass wir sie kaum noch ohne Schmerzen biegen können. Das Klima erinnert mich an Wüste. Sehr trocken und die Sonne brennt auf uns herunter. Aber so warm ist es gar nicht. Erst diesen letzten Abschnitt laufe ich nur im T-Shirt. Und auch die Füsse beginnen zu brennen. Aber das Wissen, dass anzuhalten alles nur noch schlimmer macht, lässt uns weiter laufen. Wir marschieren und marschieren und wollen nur noch ans Ende der Wanderung gelangen, wo der Bus uns abholt.

Endlich! Nach achteinhalb Stunden kommen wir bei der Desert Road (dt. Wüstenstrasse) an. Ich kann nicht mehr stehen oder laufen, meine Füsse brennen so sehr. Aber wir haben es doch noch geschafft, obwohl es unterwegs mal nicht so gut aussah mit dem empfohlenen Zeitplan. Wir haben neben ein paar Foto- und Trinkpausen von ein bis zwei Minuten lediglich 15 Minuten Pause gemacht.

Der Bus fährt uns zurück nach Taupo. Neben einer Dusche gehe ich nochmal in den Supermarkt und nach dem Abendessen falle ich müde ins Bett.

Fazit: Es war ein sehr anstrengender Tag, aber auch eine interessante Herausforderung und ein tolles Erlebnis. Die Landschaft unterwegs war unbeschreiblich und es hat sich definitiv gelohnt die 24 Kilometer-Variante zu wählen, auch wenn der Schluss hart war.

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