Die Geisterstadt Christchurch

Christchurch wurde in den letzten Jahren gleich von zwei starken Erdbeben heimgesucht. Am 4. September 2010 gab es ein Erdbeben der Stärke 7.1 auf der Richterskala, welches jedoch lediglich Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursachte. Kurz darauf am 11. Februar 2011 erschütterte die Stadt erneut. Das Erdbeben der Stärke 6.3 hat deutlich mehr Schaden angerichtet, da das Epizentrum nur 10 Kilometer südwestlich der Stadt und in einer Tiefe von 5 Kilometern lag. Das Stadtzentrum wurde so gut wie komplett zerstört. 185 Menschen starben.

Bereits bei meiner Ankunft habe ich die Ausmasse der Zerstörung und die Bemühungen des Wiederaufbaus erkennen können. Ich musste mit meinem Rucksack eine knappe halbe Stunde eine Strasse entlang von Ruinen und Sperrzonen laufen. Teilweise wurde der Verkehr umgeleitet, die Gebäude an der Strecke waren grösstenteils nicht bewohnt. Überall lag Bauschutt. Und dementsprechend sah das Gebiet total ausgestorben aus abgesehen von den arbeitenden Bauunternehmen. So hat Christchurch für mich gleich den Status einer Geisterstadt erlangt. Richtig gruselig.

Am nächsten Tag laufe ich los Richtung Stadtzentrum. Viele Strassen sind gesperrt und nicht passierbar. Ein Gebiet von schätzungsweise einem Kilometer auf 500 Meter kann nicht betreten werden. Ich muss einen ziemlichen Umweg in Kauf nehmen. Dann stehe ich vor dem Restart. Mittels Containern wurde ein provisorisches Stadtzentrum aufgebaut, das Shops und Cafés beherbergt, damit die Menschen einigermassen zur Normalität zurückkehren können. Es wird noch länger dauern das Zentrum wieder aufzubauen. Die historische Kirche ist einsturzgefärdet und schwer beschädigt. Die Ausmasse der Beschädigung wurden mittels einem ferngesteuerten Flugobjekt von Spezialisten untersucht, da die Ruine nicht betreten werden kann.

Beim Restart gibt es auch ein Museum zum Erdbeben. Sehr interessant, all diese Geschichten von betroffenen Menschen, den Rettungs- und Wiederaufbaumassnahmen zu erfahren. Container bilden nicht nur ein provisorisches Stadtzentrum, sondern wurden auch als Sofortmassnahme in anderen Bereichen eingesetzt. So wurden beispielsweise Containerwände aufgestellt, um Mauerwerke vor dem Einsturz oder Hänge entlang von Strassen vor dem Abrutsch zu schützen und Material aufzufangen. Die Kiwis scheinen sehr gut im Improvisieren zu sein.

Auch als Gedenken für die 185 Opfer wurde eine originelle Idee umgesetzt. Gegenüber dem ehemaligen Fernsehgebäude, wo ein Grossteil der Opfer umgekommen sind, wurden 185 weisse Stühle von einem Künstler auf eine Rasenfläche gestellt. 185 verschiedene Stühle – vom Barhocker, verschiedensten Sesseln, über die Schaukel bis zum Babybuggy sind diverse Sitzgelegenheiten zu erkennen, die auch zum Benutzen da sind.

Daneben wird eine Kirche, die total zerstört wurde, aus Karton wieder aufgebaut. Christchurch kehrt zur Normalität zurück auch wenn es noch lange dauern wird, bis die Stadt wieder ein richtiges belebtes Zentrum hat.

Für Männer aus der Baubranche: In Christchurch soll es sehr viele Jobs geben!

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Eine Antwort to “Die Geisterstadt Christchurch”

  1. pia hess sagt:

    Ja das kann man Geisterstadt nennen.

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