Myanmar (Burma) – eine komplett andere Welt

Lächelnde Gesichter, Menschen mit Ausstrahlung, überall Mönche in safranroten Gewändern, alte Gebäude, Pagoden ohne Ende, Stehklos und mangelnde hygienische Bedingungen, neue Essenserfahrungen und viele anderweitige Überraschungen – Willkommen in Myanmar (Burma)!

Ausländer können grundsätzlich nur per Flugzeug ins Land einreisen und müssen vorab ein Visum besorgen. Das Visum habe ich für einen kleinen Aufpreis von einem Reisebüro in Bangkok beantragen lassen. Weil ich keinesfalls mit dem Gesetz in Konflikt kommen wollte, habe ich mich nach der Buchung meines Fluges noch über die Zollbestimmungen informiert. Auf der Homepage des Zolls stand, dass Spielkarten nicht eingeführt werden dürfen. So habe ich diese dann weggeworfen, nur um mittlerweile festzustellen, dass diese Regelung veraltet zu sein scheint, da ich in Burma nun bereits mehrmals schon Spielkarten gesehen habe.

Bei meiner Ankunft in Yangon (Rangoon) war ich schon einmal überrascht wie modern der Flughafen aussah und wie freundlich die Angestellten von der Migration und dem Zoll mich begrüsst haben. Innert weniger Minuten war ich bereits draussen am Geldwechselschalter. Da es in Burma erst seit Dezember 2012 Bankomaten gibt, die auch mit ausländischen Karten funktionieren und eher dünn gesäht sind, habe ich mich nicht darauf verlassen und sämtliches Geld bar in US-Dollars mitgeführt. Eigentlich ist die ganze Sache recht kompliziert. Ich musste in Thailand in mehreren Transaktionen Geld vom Automaten abheben. Die Thai-Baht, die mir umgerechnet in Schweizer Franken belastet werden, habe ich dann in neue und reine US-Dollar-Banknoten der Serien nicht älter als 2006 umgetauscht um diese in Myanmar in Kyat tauschen zu können.

In Myanmar selber bezahlt man die Unterkünfte und Eintritte jeweils in US-Dollars. Andere Ausgaben wie Essen und Getränke oder die Miete eines Fahrrades werden in Kyat bezahlt. So führe ich nun immer zwei Währungen mit mir.

Am Geldwechselschalter am Flughafen habe ich dann auch gleich zwei Touristen kennen gelernt. Wir haben uns gemeinsam ein Taxi – ein offizielles Schild gab es nicht – genommen um in die Innenstadt zu fahren. Kaum im Fahrzeug fiel uns auf, dass sich bei den meisten Fahrzeugen die Steuerräder auf der rechten Seite befinden, aber gleichzeitig auch auf der rechten Strassenseite gefahren wird. In Indien beispielsweise herrscht auch Linksverkehr, ein Überbleibsel von den Briten aus der Kolonialzeit. Auch Burma war eine britische Kolonie, ist aber vor einigen Jahrzehnten auf Rechtsverkehr umgestiegen. Da die meisten Fahrzeuge entweder sehr alt sind oder logischerweise wohl meist aus Indien oder dem ebenfalls mit Linksverkehr betrauten Thailand kommen dürften, befinden sich halt die Steuerräder auch rechts. Linksabbiegen kann also hier ein kleines Abenteuer werden…

Dann sehe ich denn ersten alten, klapprigen und überfüllten Bus und ich denke „Yes, ich bin angekommen! So macht Reisen Spass!“ Solche Dinge haben mir in letzter Zeit gefehlt seit ich nach Argentinien gereist bin und dann in eher entwickelten Ländern unterwegs war. Dinge, die anders laufen als in der westlichen oder westlich geprägten Welt machen für mich die Faszination des Reisens aus.

Die Restaurants, die in Yangons Strassen vorzufinden sind, würden von den meisten Westlern nicht als Restaurants bezeichnet werden. Auf Englisch übersetzte Speisekarten sind in vielen Fällen Mangelware. Vielmehr lässt man sich von einem Angestellten, der etwas Englisch spricht beraten und bestellt dann einfach etwas. Das Rauchverbot wurde in Burma auch noch nicht eingeführt, so dass in Restaurants munter weitergeraucht wird. Die Toiletten in solchen Orten sind falls überhaupt vorhanden lediglich Stehklos, in dreckigen, feuchten Räumen. Gespült wird von Hand. Klopapier? Sowieso Fehlanzeige! Aber der vorbereitete Tourist führt stehts eine Rolle mit. Händewaschen? Wenn man Glück hat, hat man Zugang zu einem Wasserhahn 20 cm über dem Boden, wo man sich die Hände waschen kann. Ansonsten wird auch dafür das Wasser, welches zum Spülen bereitgestellt wurde benutzt.

Nun wieder zu etwas appetitlicheren Fakten. Burmesisches Essen ist stark von der indischen und der chinesischen Küche geprägt. Reis und Nudeln, die in den meisten Fällen auch aus Reis hergestellt wurden (sogenannte Reisnudeln) bilden die Grundlage. Mohinga, eine Nudelsuppe in einer starken Fischbrühe mit frischen Kräutern und einem zerbröselten Maisgebäck gilt inoffiziell als Nationalgericht Burmas und ist an sämtlichen Strassenecken für umgerechnet gerade mal 30 Rappen zu haben. Strassenstände mit Essen sind weit verbreitet. Gespeist wird auf Kinderplastikstühlen an Kindertischchen – anders kann man es fast nicht beschreiben.

Neben Nudelsuppen gibt es auch leckere Nudelsalate, mit viel Öl gekochtes Fleisch oder Gemüse, ein Gebäck mit Wachtelspiegeleiern, indische Samosas und andere indisch angehauchte und mit einfachsten Mitteln frittierte Snacks. Die ganz hart gesottenen essen die überall angebotenen Innereien, die zerschnitten und auf Spiesschen gesteckt in einer Brühe gekocht werden. Igitt… ein solcher Anblick ist der Hauptgrund, dass ich Vegetarier bin. Und meistens geht zum Anblick noch ein beissend säuerlicher Geruch einher… Ne, danke, da hört meine Experimentierfreudigkeit auf. Trotzdem habe ich mich oft an einer Strassenecke hingesetzt und auf ein Essen gezeigt, dass ich gerne möchte und mich einfach mal überraschen lassen wie das schmeckt. Die Zubereitung wie beispielsweise das Mischen eines Nudelsalates erfolgt übrigens in der Regel fast immer mit den blossen Händen. So viel zu den hygienischen Bedingungen. Fliessendes Wasser ist auf der Strasse selbst verständlich nicht vorzufinden.

Auch der überall vorzufindende Zuckerrohrsaft wird frisch auf der Strasse ausgepresst und natürlich mit Eis versetzt, das teilweise in Blöcken auf Schubkarren angekarrt wird und auf einer Gummimatte mit einem hammerähnlichen Gegenstand zerkleinert wird. Ganz ehrlich: Burma ist kein Land für Individualtouristen, die mit solchen Dingen nicht umgehen können. Und wer meint, in Restaurants besser aufgehoben zu sein, der soll lieber im Luxushotel speisen, wo die Küchen vermutlich auch nicht immer besser aussehen. Mein Magen hat bisher ganz gut mitgemacht – ist also alles halb so schlimm und nicht so unhygienisch wie es manchmal aussieht.

In Yangon, der grössten Stadt des Landes mit rund fünf Millionen Einwohnern, ist die Bevölkerung stark geschmischt. Es gibt viele Inder und Chinesen, Buddhisten, Hinduisten und Muslime. Die Gebäude erinnern mich an Kuba. Alt, zerfallen und überall bröckelt die Farbe ab. Die Stromkabel hängen abenteuerlich herunter. In einigen Hostels wurden die Steckdosen sogar entfernt oder mit Isolierband aus Angst vor Bränden abgeklebt. Den Akku der Kamera oder das Handy kann aber gerne an der Rezeption aufgeladen werden.

Auf den Strassen werden alte Sachen wie Telefone, Metallwaren usw. verkauft. Man findet hingegen aber auch Shops mit Smartphones. Überall sind westliche Songs zu hören, die in burmesisch gecovert wurden. Und die Teenager haben alle die modernsten Frisuren, gefärbte Haare und tragen westliche modische Kleidung. Die scheinen richtig Gas zu geben und quasi eine neu entdeckte Freiheit zu geniessen nach jahrzehntelanger schwieriger politischer Lage des Landes. Die Erwachsenen hingegen sind häufig immer noch sehr traditionell gekleidet. Frauen tragen Sarongs und Männer Lungis – beide sehen wie lange Röcke aus, zu denen ein T-Shirt, eine Bluse oder ein Hemd kombiniert wird. Die Frauen schmieren sich meistens gelben Schlamm aufs Gesicht – kein religiöser Hintergrund, jedoch einfach burmesisches Make-up und zudem ein natürlicher Sonnenschutz.

Die Menschen sind wahnsinnig freundlich, lächeln und sind sehr hilfsbereit. Persönlich finde ich, dass die Burmesen schöner sind als die Thais beispielsweise und durch eine besondere Ausstrahlung auffallen. Die Kinder probieren fast unisono gerne ihre Englischkenntnisse aus. „Hello“ und „Bye Bye“ gehören zum Standardrepertoire eines burmesischen Kindes.

Auffallend ist auch die Anzahl der Angestellten. Überall wo man hinkommt stehen zig Angestellte herum. Die Löhne in diesem Land sind so tief, dass die Arbeit stark geteilt wird.

Zu den Highlights meiner ersten Tage in Myanmar gehörte dann auch der Besuch der legendären Shwedagon Paya, deren goldene Pagode in vielen Teilen der Stadt zu sehen ist. Wie in allen buddhistischen Tempeln müssen die Schuhe beim Eingang ausgezogen werden und man muss barfuss laufen. Schon nach wenigen Schritten sind meine Füsse schwarz vor Dreck…

Beim Eingang werde ich von einem Guide freundlich begrüsst, der mir auch gleich gratis ein paar Informationen abgibt. So sollen gleich die Familien die jungen Novizenmönche hochtragen. In Burma gehen die Männer zweimal im Leben für jeweils ungefähr eine Woche ins Kloster. Das erste Mal bevor sie 19 Jahre alt sind und das zweite Mal danach nochmal. Die meisten Novizen sind zwischen 5 und 12 Jahren wenn sie von ihrer Familie mittels einer Zeremonie ins Kloster begleitet werden. Danach werden die Haare abrasiert und safranrote Mönchsgewänder angezogen und dann wird eine Woche lang im Kloster gelernt.

Diese Tradition, dass sämtliche Männer des Landes ins Kloster gehen habe ich als sehr schön empfunden. In Thailand sind die Mönche nämlich immer abgeschottet und leben als Randgruppe. Als Frau darf man nie einen Mönch berühren – nicht immer ganz einfach in überfüllten Bussen -, weil dieser dann mehrstündiges Reinigungsritual auf sich nehmen muss. In Burma hingegen gehen die Mönche oft mit ihren Familien in die Tempel. Die Mönche besitzen Handys oder Kameras und lassen sich mit einer Pagode im Hintergrund fotografieren. Sie rauchen oder fahren Roller. Und es kommt sogar vor, dass man als Ausländer – selbst als Frau – von Mönchen angesprochen wird. In den Tempeln werden auch regelrechte Picknicks veranstaltet. Dies alles hat mich doch sehr überrascht, weil ich dies überhaupt nicht erwartet hätte, zumal ich gehört habe, dass Myanmar ein streng buddhistisches Land sein soll. Denn ich habe streng gläubig mit strengen Regeln assoziiert.

Hinzu kommt noch, dass es auch Nonnen gibt, die in rosaroten Gewändern gekleidet sind und sich ebenfalls die Haare abrasiert haben. In Thailand gibt es keine Nonnen, den Frauen ist es untersagt ein Klosterleben zu führen.

Die Stimmung bei der Shedagon Paya ist einmalig. In der Mitte steht die grosse goldene Pagode, rundherum gibt es kleine Tempel mit Buddhafiguren. Es sind Hunderte von Menschen da. Es wird gebetet, gelacht, gegessen, fotografiert und gesprochen. Dann geht die Sonne unter und die Pagode taucht in ein Licht, so dass die Szene spätestens jetzt mit der Kamera festgehalten werden muss…

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Eine Antwort to “Myanmar (Burma) – eine komplett andere Welt”

  1. Pia Hess sagt:

    Hallo Jolanda, du hast viel interessantes berichtet. Sehr gut.
    Wünsche dir weiterhin alles Gute, viel Glück, deine Mom.

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