Wasserfestival (buddhistisches Neujahr) in Yangon

Bereits die Vorbereitungen sahen vielversprechend aus. Und alle haben nur noch von einem gesprochen, von Thingyan, dem Wasserfestival, welches dem buddhistischen Neujahr vorangeht. Überall in der Stadt wurden Bühnen und Wasserstationen mit Garten- oder gar Feuerwehrschläuchen installiert.

Und dann ging es schon langsam los. Unterwegs standen schon die ersten Kinder mit Wasser gefüllten Behältern bereit um die Touristen nass zu spritzen. In weiser Voraussicht habe ich die Kamera im Guesthouse gelassen und mein Geld in eine wasserfeste Tüte gesteckt. Ich bin eine Wasserpistole kaufen gegangen. Auf dem Rückweg kam ich an einigen jungen Burmesen vorbei, die mich kurz festgehalten haben. Ein Kübel Wasser wurde über mich gekippt und mindestens zwei Wasserschläuche haben mir eine Dusche verpasst. Ich war also bereits zum ersten Mal tropfnass.

Am 13. April um 15.00 Uhr war dann der offizielle Start. Vor dem Regierungsgebäude der Stadt haben lokale Künstler lokale und Coversongs zum Besten gegeben. Die ersten mit Menschen beladenen Pick ups fuhren vor der Bühne an den Wasserstationen vorbei. Tanzend standen die Menschen auf den Fahrzeugen, die teilweise mit Wasserbehältern ausgerüstet waren. Die Teenager total herausgeputzt mit gefärbten Haaren, trendigen Frisuren und modischer Kleidung. Hinter den Wasserschläuchen standen wiederum Menschen, die die vorbei fahrenden Pick ups munter bewässert haben. Vor der Bühne wurden Wasserwerfer aufgestellt, die das Publikum berieselt haben. Die Menschen tanzten tropfnass. Wow, ich war total überwältigt von diesem Anblick.

Man würde sich denken, dass man nicht viel anzieht und in der Badehose oder im Bikinioberteil loszieht, wenn man doch sowieso den ganzen Tag nass durch die Strassen zieht. So zumindest würde es in Europa aussehen. In Burma ist dies ein absolutes No-Go. Dass Tempel und religiöse Einrichtungen nicht mit ärmellosen T-Shirts oder unbedeckten Knies betreten werden dürfen, scheint einleuchtend zu sein. Aber auch die Menschen auf der Strasse zeigen kaum Haut. Frauen mit ärmellosen T-Shirts sind eine Seltenheit und fallen auf. Die Röcke gehen meistens bis über den Knöchel. So tanzen die jungen Burmesen mit tropfnassen Jeans durch die Gegend.

Während des Wasserfestivals waren sämtliche Restaurants und Geschäfte geschlossen. Den Touristen blieb also in vielen Fällen nichts Anderes übrig als sich an Strassenstränden zu verpflegen. Hat man sich dort hingesetzt, wurde man von den Betreibern meistens mit einem Becher Eiswasser, aus den Behältern, wo die Getränke gekühlt wurden, und einem „Happy New Year“ begrüsst oder verabschiedet. Ganz schön kalt…

Selbst die Polizei ist teilweise nass geworden. Mit einem freundlichen „Minga-la-ba“, was so viel wie „Guten Tag“ heisst, haben besonders Mutige auch mal einen kleinen Wasserstrahl auf die überall präsente Polizei gerichtet. Diese hat mitgespielt. In Gruppen standen die Polizisten jeweils an der Strassenecken bewaffnet mit einem alten ehrfürchtig aussehenden Gewehr. Mit dem Verlauf des Wasserfestivals wurde denen das Warten an den Strassenecken dann aber doch etwas zu anstrengend. Es ging alles absolut friedlich zu und her. Schlägereien gab es nicht, obwohl die Burmesen teilweise doch auch ziemlich alkoholisiert waren. So haben sich die Polizisten dann meistens in Grüppchen in die Strassenbuden gesetzt, getrunken, gegessen und gelacht. Übrigens habe ich festgestellt, dass Burmesen auf Alkohol nicht aggressiv reagieren, sondern sentimental werden. Ich habe mehrere Menschen weinen sehen, wenn sie aus irgend einem Grund wütend oder enttäuscht waren. Aber sie gingen nie mit Fäusten aufeinander los.

Der nächste Tag wurde noch nasser. Wir haben einen Bus bestiegen und sind zum Inya-See gefahren, wo ein regelrechtes Festivalgelände auf der Strasse aufgestellt wurde. Über mehr als einen Kilometer wurden mehrere Bühnen mit Wasserschläuchen ausgerüstet aufgestellt. Die Plakate, die ausgeflipten Menschen und besonders die elektronische Musik haben mich an die Streetparade erinnert. Hier ging es richtig ab. Die Strasse wurde voll ausgenutzt. Auch hier waren viele Pick ups mit Menschen überladen unterwegs. Die Strasse wurde in drei Spuren pro Richtung befahren. Alle wollten durch die Wasserstationen fahren – einige vielleicht auch nur um das Auto zu waschen ;-) Zwischen den Autos haben sich Menschen und fliegende Händler bewegt.

Sobald man sich als Tourist vor eine Wasserstation bewegt hat, wurden sämtliche Wasserschläuche auf einen gerichtet. Teilweise waren auch Feuerwehrschläuche darunter. Wir haben uns den ganzen Tag durch die Menschen von Wasserstation zu Wasserstation getanzt. Zwischendurch gabs mal ein Bier oder einen kleinen Snack. Teilweise standen wir knöcheltief im Wasser. Die Woks, die die indischen Händler benutzen um Samosas und andere köstliche Snacks zu frittieren stehen auf einem einfachen Metallgestell in Kniehöhe. Wir sahen viele solcher Gestelle im Wasser stehen. Übrigens war es ein unausgesprochenes Gesetz, so dass Wasser in der Nähe von Essen, das sich mitten im Geschehen befand, höchstens gezielt verspritzt wird. In den meisten Fällen konnte man ums Essen herum sich jedoch mal eine Pause vom Nass gönnen. Allerdings bestand die Gefahr da, dass man von den Händlern mit Eiswasser bespritzt wurde… Dieser Tag war nichts Anderes als endlos zu duschen, nur dass das Seewasser ziemlich unangenehm gerochen hat – was solls? Es hat sehr viel Spass gemacht und es war ein besonderes Erlebnis ein solches Wasserfestival einmal live mitzuerleben.

Langsam wurden die Menschen müde und auch ich hatte genug ständig nass zu sein. Es war also an der Zeit einen Bus zu finden. Dies war aber nicht gerade ein einfaches Unterfangen, da ja alles still stand wegen dem Wasserfestival. Schliesslich habe ich dann aber einen Nachtbus gefunden, der nach Mandalay fährt. Bis demnächst von dort!

 

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