Pyin Oo Lwin und Hsipaw – Schönheit und traurige Tatsachen

Normale Temperaturen und ein Besuch im Garten von Pyin Oo Lwin, eine abenteuerliche Zugfahrt nach Hsipaw über Myanmars höchste Eisenbahnbrücke, ein Besuch im Shanpalast und einen Einblick in die traurige Geschichte des Landes.

Auf der Fahrt im Pick up nach Pyin Oo Lwin war ich der einzige Tourist im Fahrzeug. Der Pick up war nicht sehr bequem. Auf dem Boden waren Reissäcke, so dass ich meine Beine nicht austrecken konnte und wenn ich aufrecht sass, habe ich mit dem Kopf die Decke berührt. Aber die Menschen waren sehr freundlich und haben mir Bonbons und Erfrischungstüchlein angeboten. In Pyin Oo Lwin haben mir zwei Frauen dann auch gesagt, wo ich aussteigen muss und dass ich nicht mehr als 500 Kyat fürs Motorradtaxi in den Ort bezahlen soll.

Pyin Oo Lwin ist eine etwas höher gelegene Kleinstadt mit vielen Kolonialgebäuden aus der Zeit der britischen Herrschaft. Neben der Big Ben-ähnlichen Turmuhr gehören spezielle alte Pferdekutschen, frische Erdbeersäfte und der Kandawgyi Garten zum Stadtbild.

Der Garten war schliesslich auch der Ort, wo es mich hinzog. Ich habe mir ein Fahrrad gemietet und bin zum Eingang gefahren. Der Kandawgyi Garten ist ein botanischer Garten mit wunderschön bepflanzten Blumenbeeten. Aufgrund der burmesischen Ferienzeit waren unglaublich viele Burmesen im Park anzutreffen. Ich würde überall fotografiert und von kleinen Kindern mit “Hello” angesprochen.

Die frische Luft und die grünen Farben nach den Städten Sydney, Bangkok, Yangon und Mandalay war einfach herrlich. Mein Spaziergang führte mich von den Blumenbeeten, in den Dschungel, den Bambuswald, zu den Vogelkäfigen und der grössten Schmetterlingssammlung, die ich je gesehen habe. Und schliesslich habe ich sogar wilde Affen in den Bäumen herumturnen sehen.

Die Zugfahrt nach Hsipaw am nächsten Tag war unendlich lang, selbstverständlich mit einer ordentlichen Verspätung, jedoch sehr schön. Ich habe mich wie in einer anderen Welt gefühlt. Vorab sei gesagt, dass die thailändischen Züge Spitzenklasse sind, während sich die indischen Züge ebenfalls noch in der Topklasse befinden. Myanmars Zug auf der Strecke Mandalay – Lashio ist alt, klapprig und ein regelrechtes Abenteuer besonders über die grösste Eisenbahnbrücke Burmas (bis zur Fertigstellung 1901 sogar die längste weltweit), das Gokteik-Viadukt.

Der Zug ruckelte in alle Richtungen – horizontal und vertikal! Es ging langsam voran. Die Burmesen boten mir Essen und Getränke an. In allen Abteilen wurde munter geraucht. Nichtraucherabteile gibt es nicht. Die Leute schlafen, reden, essen, rauchen oder wickeln Kinder. Wir zogen vorbei an armen Bauerndörfen und überall winkenden Menschen. Die Fenster im Zug waren einfach offen. Es war sehr heiss und die kleinen Ventilatoren haben wenig gebracht. Ebenso der Fahrtwind, weil wir ja ziemlich langsam vorankamen. Den Kopf aus dem Fenster zu strecken oder gar nahe am Fenster zu haben, kann ganz schön gefährlich sein. Die Äste an den Büschen entlang der Schienen werden nämlich nicht zurückgeschnitten, sondern einfach vom fahrenden Zug gekürzt.

Der Gedanke in diesem Zug über ein 100 Meter hohes Viadukt zu fahren war anfänglich sehr aufregend. Ehrlich gesagt hatte ich schon etwas Bammel davor. Aber dann stoppte der Zug kurz vor der Brücke an einem Bahnhof und ist dann etwas schneller als im Schritttempo auf die Brücke zugefahren. Die Passagiere haben ihre Köpfe aus den Fenstern gestreckt und mit ihren Mobiltelefonen Fotos gemacht. Die Brücke war schliesslich der einzige Streckenabschnitt, wo der Zug ruhig über die Schienen geglitten ist.

In Hsipaw kam ich nicht mal aus dem Zug raus, schon standen Taxifahrer da, die mir einen gratis Transport zum Guesthouse meiner Wahl angeboten haben. Die Begrüssung im Guesthouse war sehr zuvorkommend und freundlich. Ich habe mir ein Zimmer angeschaut und es roch nach frisch gewaschener Bettwäsche – herrlich! Sowas habe ich in Myanmar noch nicht erlebt, nicht, dass die Bettwäsche nicht gewaschen gewesen wäre… Sehr sauber, neue Gemeinschaftsbäder und eine ziemlich schnelle Wifi-Verbindung. Vom Guesthouse aus konnte man auch sehr preiswerte Touren buchen.

Das Angebot war recht umfassend. Aber die Trekkingtouren haben mich nicht angemacht, weil es einfach viel zu heiss zum Wandern war. So habe ich eine Bootstour auf dem Dokhtawady-Fluss mit einer kleinen Wanderung gebucht. Wir sind nördlich den Fluss hochgefahren. Als wir das Boot verliessen, sahen wir eine einfache Hütte alleine in der Gegend stehen. Vor der Hütte war eine alte Frau, die gleich auf uns zugerannt kam und uns alle mit einer Umarmung begrüsst hat. Unser Führer meinte, dass die Frau Touristen sehr möge und alle so begrüsse. Leider sprach er aber kein Shan, so dass wir nicht verstehen konnten was die Frau gesagt hat. Sie war aber so herzlich, dass ich sie immer vor Augen haben werde, wenn ich an Myanmar denke. Und auch wenn wir sie nicht verstehen konnten, mussten wir doch ziemlich lachen, als sie sich an die Oberweite griff, die so gut wie nicht vorhanden war und dann zu der Frau mit der grössten Oberweite unserer Gruppe ging und lachend Ballone geformt hat. Sie wollte wohl irgendetwas in der Art: “Wow, hast du grosse Brüste!” sagen.

Wir sind dann den Hügel hoch gewandert vorbei an Ananasplantagen zu einem Kloster. Im Kloster bekamen wir Tee, Ananas und Wassermelone angeboten. Dafür haben wir eine kleine Spende hinterlassen. Die meisten Klöster in Südostasien heissen Besucher gerne willkommen und eine Spendenbox steht immer bereit. Stolz hat man uns die Glocke gezeigt, die für die Essensankündigungen benutzt wird. Die Glocke ist ein Teil einer detonierten Bombe aus dem zweiten Weltkrieg…

Die nächsten Tage habe ich die Annehmlichkeiten des Guesthouses genossen, mit dem Fahrrad die Gegend erkundet und lecker gegessen. Der Besuch des Shanpalastes wird mir dabei in besonderer Erinnerung bleiben. Die Shan sind die grösste Minderheit in Myanmar und hatten bis 1962 noch royale Herrscher. Der Shanpalast ist ein Überbleibsel aus dieser Zeit. Ich wurde von Fern begrüsst, die eigentlich auch eine Prinzessin ist und mir die Familiengeschichte – besonders zum letzten Prinz – erklärt hat.

Sao Kya Seng wollte Bergbauingenieur werden und ist nach Colorado, USA zum Studieren gegangen. Dort hat er die Östereicherin Inge Sargent kennengelernt. Die beiden haben geheiratet und sind nach dem Studium nach Burma zurückgkehrt. Inge hatte keine Ahnung, dass sie einen Prinzen geheiratet hat. Anscheinend hat er dies vor ihr verheimlicht, weil er Angst hatte, dass sie sie entweder abgeschreckt oder vom königlichen Status beeinflusst würde. In Burma hat Inge Shan und Burmesisch gelernt und zwei Kinder auf die Welt gebracht. Sie war hoch angesehen im Volk, weil sie beide Sprachen – auch schriftlich – beherrschte und den Menschen mit ihrem grossen Herzen half. 1962 verschwand ihr Mann – danach gab es keinen Shanherrscher mehr. Jahre später hat sie herausgefunden, dass er wohl kurz nach seinem Verschwinden umgebracht wurde. Bestätigt wurde dies bis heute nie. Inge hat ihre Kinder aus dem Land herausgeschmuggelt und ist erst nach Österreich und dann in die USA zurückgegangen. Inge Sargent hat ein Buch über ihr Leben als Shanprinzessin geschrieben, welches nun auf meiner Leseliste steht. Der Titel lautet “Twilight over Burma” oder auf Deutsch “Dämmerung über Burma”.

Sie hat den Neffen von ihrem Ehemann, Donald, beauftragt, den Palast weiterhin zu bewohnen. Heute wohnt Donald mit seiner Ehefrau Fern, die mir die Geschichte erklärt hat im Palast. Aber auch die beiden mussten Einiges mitmachen. Donald war der Militärregierung Myanmars ein Dorn im Auge. Lange hat das Militär nach einem Grund für seine Festnahme gesucht. Schliesslich wurde er für 13 Jahre ins Gefängnis gesteckt, weil er Touristen im Palast empfangen hat. Er wurde dann aber nach einigen Jahren wieder freigelassen. In den letzten 2-3 Jahren hat sich viel geändert in Myanmar. Es darf endlich wieder offen über Politik gesprochen werden, so dass man als Tourist beispielsweise den Shanpalace besuchen oder sich mit Menschen in der Öffentlichkeit über Politik unterhalten kann, ohne diese zu gefährden.

Inge ist heute 81. Es besteht kein Kontakt zwischen Donald und Fern und ihr. Über all die Jahre bis zum Ende der Militärdiktatur war es zu gefährlich Kontakt aufrechtzuerhalten. Das Ehepaar, das heute im Palast lebt, war wie viele andere Burmesen von der Aussenwelt abgeschottet. Tageszeitungen beispielsweise gibt es nach 60 Jahren erst seit April 2013 wieder, weil die Zensur aufhoben wurde, die die Herausgabe von Tageszeitungen schlicht verunmöglicht hat. Eine Menschenrechtsaktivistin, die ich getroffen habe, hat mir gesagt, dass es weiterhin rund 200 politische Gefangene (früher über 2’000) gibt und die Zwangsarbeit und militärische Kontrolle von bestimmten Gebieten weiterhin besteht…

Die Burmesen sagen, dass sich die Regierung nur umgezogen hat – von der Militäruniform zur Zivilkleidung. Es sind immer noch die selben Köpfe an der Macht. Aber kann man nach 60 Jahren Schreckensherrschaft und der Gefährdung des eigenen Lebens bei politischer Aktivität erwarten, dass gebildete Parlamentarier und andere Politiker bereit stehen?

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