Weindegustation und Traditionen an/auf dem Inlesee

Wein degustieren im vermutlich besten Weinkeller Asiens, eine Bootsfahrt auf dem Inle-See und dabei die Fischer mit ihrer speziellen Rudertechnik und traditionelles Handwerk beobachten. Der Inle-See ist nicht grundlos einer der bestbesuchten touristischen Gegenden Myanmars.

Die Fahrt im Nachtbus von Hsipaw über Pyin Oo Lwin und Mandalay nach Shwenyuang hat mich wieder mal zum Schmunzeln gebracht. Die meisten Touristen haben sich gewundert, warum der Bus denn nicht schon den längst fälligen Toilettenstopp macht. Dieser war erst kurz vor Mandalay, sobald wir die Abfahrten hinter uns hatten. Denn die Bremsen des Busses mussten mit Wasser gekühlt werden. Und dazu war eine Pause von einer halben Stunde notwendig.

Den nächsten Toilettenstopp mussten wir schliesslich erfragen. Der Bus hielt einfach unterwegs im Nirgendwo. Für die burmesischen Frauen kein Problem, die tragen ja alle einen Sarong, der im Prinzip ein Schlauch aus Stoff ist. Der Sarong wird einfach aufgemacht, weit gehalten und dann wird mitten auf der Strasse gepinkelt. Für die Touristinnen mit Hosen war diese Art von Toilettenstopp eher ungünstig. Sich nachts in absoluter Dunkelheit ins nächste Gebüsch zu verziehen, ist nicht unbedingt eine gute Idee. In Myanmar gibt es eine hohe Anzahl von giftigen Schlangen…

Der Schlaf war wieder einmal unruhig, so dass ich mich erstmal ein paar Stunden hingelegt habe. Dann habe ich mit anderen Reisenden zusammen ein Fahrrad gemietet. Damit sind wir zum nahegelegenen Weinkeller gefahren. Der Weinkeller wird von einem Franzosen betrieben und der Chardonnay hat eine internationale Auszeichnung erhalten. Es gibt in Myanmar gerade zwei Weingute – beide liegen am Inlesee.

Die Fermentierungstanks und die Abfüllanlage sind topmodern, man könnte irgendwo in Argentinien oder in Italien sein… Für 2.50 Franken kann man vier verschiedene Weine degustieren. Einen Sauvignon Blanc, einen Rosé, einen Tempranillo-Shiraz und einen Dessertwein (Late Harvest). Der Tempranillo-Shiraz war gar nicht unser Fall, da waren wir uns alle einig. Der Körper war nicht ausgewogen, der Wein klebte wie dickes Öl am Glas und der Abgang war sehr schwer und bitter. Aber die anderen Degustationsproben waren doch überraschend für ein asiatisches Weingut. Mich hat jedoch keiner der Weine 100-prozentig überzeugt. So haben wir dann noch gläserweise Bestellungen aufgegeben um das Sortiment durchzuprobieren. Der Chardonnay mit 6.50 Franken pro Glas, definitiv die teuerste Wahl, war sehr gut. Die anderen Weine für rund 3 Franken das Glas waren ebenfalls sehr gut – besonders der reine Shiraz. Es hat sich definitiv gelohnt, dass wir uns durch die weniger überzeugende Auswahl der Degustation nicht abschrecken lassen haben. Guter Wein hat halt seinen Preis und für 2.50 Franken für 4 Degustationen kann nicht viel erwartet werden.

Das Weingut liegt auf einem Hügel mit Aussicht auf eine Ebene und den See. Wie überall in Myanmar wird gegen Abend jeweils Abfall verbrannt – teilweise auch spezielle Äste, die Mücken abschrecken sollen. Die Rauch hat sich mit dem Dunst vermischt und uns den Anblick eines mystischen Sonnenuntergang beschert. Da an diesem Tag Vollmond war, war jedoch noch ein anderes Phenomen zu beobachten. Bei Vollmond geht nämlich der Mond zum gleichen Zeitpunkt auf, wenn die Sonne untergeht.

Glücklich und leicht angeheitert haben wir die Rückfahrt im Dunkeln angetreten und im Dorf ein leckeres burmesisches Fischcurry mit frischem Fisch vom See gegessen.

Den nächsten Tag haben wir auf dem Inlesee verbracht. Wir haben unser Boot im Hafen umgeben von braunem Wasser bestiegen und sind den Kanal entlang zum See gefahren. Langsam hat sich die Farbe des Wassers verändert. Und da stand auch schon ein Fischer auf seinem Boot, der gleich für uns mit dem Korbnetz posiert hat.

Die Fischer auf dem Inlesee haben eine weltweit einzigartige Rudertechnik. Sie rudern nämlich mit einem Bein im Stehen – das Bein um das Ruder geschlungen, damit die Hände frei zum Arbeiten sind. Wir haben viele Fischer in Action beobachten können.

Schliesslich sind wir auch bei den schwimmenden Gärten vorbeigefahren, wo vor allem Tomaten, aber auch anderes Gemüse angepflanzt wird. Als Dünger wird das Seegras verwendet – organischer geht es wohl kaum.

Wir haben den ganzen See überquert und sind an den südlich liegenden Dörfern vorbeigefahren. Die Häuser sind deutlich grösser als anderswo in Myanmar, weil sie im Wasser stehen und es von daher keinen Umschwung gibt und sich alles im Haus auf den Stelzen abspielt. Die Stromversorgung ist abenteuerlich. Holzmasten, die teilweise fast umkippen, stehen mitten im Wasser und müssen mit den Booten umfahren werden.

Unterwegs gibt es überall tradtionelles Handwerk zu sehen, selbstverständlich mit Shop dazu, wo die Touristen zu überteuerten Preisen direkt ab Fabrik einkaufen können. Es gibt eine Weberei, die teilweise auch Lotusseide – sehr teuer – herstellt und verarbeitet, einen Messerschmied, einen Silberschmied und eine Cigarillodreherei. Auch wenn es interessant war mal zu sehen wie Silber geschmiedet und verarbeitet wird, werden mir die Fischer in Erinnerung bleiben…

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