Abseits von den Touristenpfaden über die Grenze nach Kambodscha

Die organisierten Backpackerbusse sind nicht immer so bequem und einfach wie sie erscheinen. Lange Wartezeiten unterwegs, alte und unbequeme Busse und teilweise auch Diebstähle oder Abzockereien an der Grenze – Vieles habe ich schon selbst miterlebt. Deswegen habe ich mich entschieden auf eigene Faust von Ko Chang in Thailand nach Kambodscha zu reisen und dabei die direktere Route über einen kleinen Grenzübergang zu nehmen.

Kurz nach 08.00 Uhr warte ich am Lonely Beach in Ko Chang, Thailand, auf das Pick up Taxi, das mich zur Fähre bringen soll. Das Taxi fährt aber erst um 09.00 Uhr… Am Pier angekommen sehe ich die Fähre gerade losfahren. Die nächste Fährt in einer Stunde um 10.30 Uhr. Scheint heute nicht wie geplant zu klappen.

Auf dem Festland steige ich ins nächste Pick up Taxi. Nun bin ich die einzige Touristin und Englisch wird kaum mehr als ein paar Worte gesprochen. Das kann ja spannend werden… Nach ungefähr 40 Minuten Fahrt komme ich an einem Busbahnhof an. Eigentlich sollte ich an einer Strassenecke in Chanthaburi stehen und dort auf einen Minibus warten, der mich zur Grenze fährt. Aber ich bin am Busbahnhof in Laem Ngop! Die Minibusse zur Grenze fahren aber wiederum zu den zwei anderen Grenzen, so dass ich einen Umweg nach Battambang in Kauf nehmen müsste.

Irgendwann taucht ein Mann auf, der etwas Englisch spricht und mir erklärt, dass ich einen Minibus nach Chanthaburi nehmen müsse und dort umsteigen könne. Er erklärt dem Ticketverkäufer und dem Busfahrer, wohin ich will. Ich warte eine halbe Stunde auf die Abfahrt des Minibusses.
Irgendwann sind wir in Chanthaburi und der Fahrer fragt mich etwas in Thai. Natürlich verstehe ich kein Wort. Er sagt irgendetwas zu den anderen Passagieren – alle lachen. Dann nimmt er sein Mobiltelefon in die Hand und ruft jemanden an. Ich höre etwas von „Farang“, was so viel wie Ausländer heisst. Vermutlich hat er einfach vergessen, wo er mich denn rauslassen soll. Und wir sind schon an der Stelle vorbeigefahren wie ich dann später realisiere. So langsam werde ich etwas nervös. Die Grenze soll um 17.00 Uhr schliessen und ich wollte eigentlich vor Einbruch der Dunkelheit in Battambang ankommen. Und ich habe keine Ahnung wie lange die Fahrt nach der Grenze nach Battambang dauert, wie oft ich umsteigen muss etc. Es ist bereits 14.15 Uhr. Sollte ich lieber in Chanthaburi übernachten und Morgen weiter fahren?

An einer Strassenecke steht nun ein Pick up – selbstverständlich nur in Thai beschriftet. Ich frage die wartenden Passagiere, ob der Bus nach Ban Pakard, den Ort an der Grenze zu Kambodscha, fährt. „Aha, Pakard…“ höre ich. Ich steige auf und werde mit einem Lächeln begrüsst. Hier ist man noch freundlich zu den Touristen, diese Thais sind noch nicht überstimuliert vom Tourismus. Aber wann fährt denn das „Songthaw“? Nach etwas Gestikulieren und zeigen auf das Zifferblatt der Uhr meiner Sitznachbarin erklärt man mir, dass der Pick up in 10 Minuten losfährt. Die kürzeste Wartezeit des heutigen Tages!

Und tatsächlich, das Gefährt setzt sich in Bewegung. Wir fahren etwa 1.5 Stunden durch eine wunderschön grüne Landschaft. Teilweise sehe ich Ferienanlagen mit englischen Namensschildern. Diese wirken unheimlich beruhigend auf mich. Wenn alle Stricke reissen, finde ich sicher irgendwo ein Bett für die Nacht – auch wenn es dann deutlich über meinem Budget ist… Wir passieren diverse Militärcheckpoints, da sich in dieser Gegend auch diverse Trainingsanlagen vom Militär befinden (oder Überbleibsel der Grenzverteidigung Thailands aus früheren Kriegen in Südostasien?). So langsam muss ich über mein heutiges Abenteuer schmunzeln und beginne die Landschaft zu geniessen. Der Pick up lehrt sich, die Passagiere stiegen unterwegs aus. Dann sind nur noch ein Kambodschaner in meinem Alter und ich übrig. Er spricht kein Wort Englisch, aber irgendwie finden wir raus, dass wir beide nach Battambang wollen. Zum Glück trägt er ein T-Shirt in einem knalligen Pink. Ich kann mich also einfach an seine Fersen heften, sollte niemand Englisch sprechen…

Die Fahrerin vom Pick up steigt aus und fragt, wo wir hin wollen. Auch sie spricht kein Englisch. Da dies aber ein übliches Vorgehen ist, weiss ich, dass ich auf ihre unverständliche Frage einfach mit „Ban Pakard… Cambodia“ antworten muss. Sie kassiert die Fahrt ein und weiter geht’s.

Wir werden an der Grenze abgesetzt. Hier ist aber gar nichts los! Die Schalter scheinen auf den ersten Blick geschlossen zu sein. Der Ausreiseschalter der Thais ist unbesetzt. Der Kambodschaner wird vom einzigen Schalter – dem Einreiseschalter – weggeschickt. Aber ich habe anscheinend hier den Farang-Bonus und kriege den Stempel. Der Kambodschaner schliesslich dann auch. Und schon steht ein Taxivermittler neben mir, der ziemlich gut Englisch spricht. Er will einen horrenden Preis, weil nicht mehr Leute da sind. Aber mit etwas Verhandeln kriege ich den Preis runter – immer noch teuer, aber was soll’s? Ich will jetzt einfach so schnell wie möglich nach Battambang.

Der Taxifahrer erklärt mir schliesslich auch, dass ich mein Visum für Kambodscha bei der Immigration nach der Brücke erhalte. So laufe ich lächelnd am Abzockerschalter vorbei. Die Dame will mir natürlich erklären, dass ich das Visum bei ihr beantragen muss. Ich deute über die Brücke und laufe los. Und tatsächlich, da ist der Schalter. Der Beamte will dann zwar 25 Dollar, aber ich drücke ihm einfach einen 20iger in die Hand. Er fragt noch, wo den mein Freund sei (Grenzbeamten klopfen nicht nur in Lateinamerika gerne Sprüche) und dann gehe ich zum nächsten Schalter, wo ich meinen Stempel kriege. So einfach war das. Und das erste Mal überhaupt, dass ich an einer Grenze nicht anstehen musste.

Nun sitze ich also im Taxi und schaue mir die kambodschanische Landschaft an. Kambodscha ist flach, lediglich ein paar kleine bewaldete Hügel prägen das Bild. Ich sehe grüne Felder in den unterschiedlichsten Grüntönen soweit das Auge reicht. Ich kann Mais, vermutlich Taro (eine Kartoffel ähnliches Gewächs) erkennen. Die Landwirtschaft hier macht einen überraschend professionellen Eindruck auf mich. Die Felder sind nicht winzig wie in Myanmar beispielsweise, was mich auf die Bewirtschaftung mittels Maschinen schliessen lässt. Gleichzeitig sind die Felder aber nicht so gross, dass die Bäume zwischen den Feldern einfach abgeholzt wurden. Wir sind in der Gegend von Pailin. Und plötzlich macht es „Klick“ in meinem Kopf. Ich weiss nun, dass ich schon Bilder von dieser Gegend gesehen habe. Angelina Jolie soll hier vor einigen Jahren ein Haus gekauft haben und ich habe einen Artikel über Pailin gelesen, das zu Zeiten der Khmer Rouge deren Hochburg gewesen sein soll.

In einem der Dörfer unterwegs verlassen wir die Hauptstrasse und fahren vorbei an einfachen Hütten. Dann steigen zwei Frauen mit zwei kleinen Kindern ins Taxi zu mir auf die Rückbank. Da die Kambodschaner wie die meisten Asiaten sehr klein und schmal sind, wird es auch nicht unkomfortabel auf der Rückbank zu fünft! Kurze Zeit später steigt dann noch ein junger Mann ein für den Teil einer Strecke. Die zwei Männer sitzen nun also zu zweit auf dem Beifahrersitz. Wir sind also zu acht im Taxi, den Fahrer mitgerechnet. Aber ich sitze weiterhin komfortabel mit genügend Platz – schliesslich bezahle ich auch viel zu viel. Übrigens hat das Auto selbstverständlich kein Taxi-Schild.

Kurz vor Sonnenuntergang treffen wir in Battambang ein und ich werde direkt zum Hotel gefahren, wo ich für ein Zimmer mit Bad lediglich 3 US-Dollar die Nacht bezahle. Perfekt! Ein toller Tag geht zu Ende und nun bin ich gespannt was mich in Kambodscha erwartet. Die Tour für Morgen ist jedenfalls schon gebucht… Ein Englisch sprechender Kambodschaner wird mich mit dem Motorrad durch die Gegend fahren.

Ähnliche Artikel:

Eine Antwort to “Abseits von den Touristenpfaden über die Grenze nach Kambodscha”

  1. Pia Hess sagt:

    Hallo Jolanda. Glück gehabt, das hast du ja wieder gut gemacht. Ich hoffe, du kannst Kambodscha geniessen. Es muss sehr fruchtbar sein mit viel Landwirtschaft. Bühlmann Alice und Alois waren 3 Wochen im Januar dort. Sie haben jedenfalls geschwärmt davon. Machs gut und liebe Grüsse Mami & Fam.

Antwort eingeben

< script type = "text/javascript" > //