Battambang

Eine Fahrt mit dem Bambuszug, Kinder, die exzellentes Englisch sprechen, Khmer Rouge Genozid-Höhlen, tausende Fledermäuse, eine Krokodilfarm und Killing Fields – Battambang, die zweitgrösste Stadt des Landes soll das echte Kambodscha sein.

Der Motorradfahrer, der mich heute für 14 Dollar in der Gegend herum fährt, bringt mich erst zum Bambuszug. Dort finde ich einen Touristenpolizist vor, der gleich den Fahrpreis einkassiert und sich dann freut, etwas Englisch üben zu können bis weitere Touristen ankommen.

Wir setzen uns auf das Bambusgerüst, das auf Rollmaterial gelegt wird, welches wie Gewichtshebestangen aussieht. Mit einem kleinen Motor angetrieben flitzen wir dann über die Schienen, die nicht gerade den Eindruck machen besonders gerade zu sein. Es ruckelt in alle Richtungen, der Lärm ist ohrenbetäubend. Mit ungefähr 20 km/h bewegen wir uns vorwärts bis wir irgendwann in der Ferne Gegenverkehr auf uns zukommen sehen – die Schienen sind nur einspurig und werden in beiden Richtungen befahren. Der leichtere Zug wird einfach kurz von den Schienen entfernt, so dass der Gegenverkehr passieren kann und dann gehts wieder weiter.

Im Dorf empfangen uns Kinder, die akzentfrei und perfekt Englisch sprechen. Wie ist das denn möglich? Diese Kinder gehen nicht mehr zur Schule, weil sie besseres Geld verdienen als Touristenführer zu arbeiten. Hier ein Dollar, da ein Dollar – die Kinder machen vermutlich mehr Geld als der normale Kambodschaner, der auf einer Farm oder in einem Restaurant arbeitet. Von mir haben sie kein Geld gekriegt, weil ich prinzipiell niemals einem Kind Geld gebe, denn das hält die Kinder nur davon ab weiterhin in die Schule zu gehen. Perfektes Englisch hin oder her – Bildung besteht schliesslich nicht nur aus Fremdsprachenkenntnissen…

Danach gehts zu zwei Tempeln. Beim zweiten Tempel befinden sich Höhlen, die zu Khmer Rouge-Zeiten als Hinrichtungslager benutzt wurden. In Käfigen befinden sich Skelettreste und Kleiderfetzen, die als Denkmal und Beweis für die Grausamkeit der Khmer Rouge dienen sollen. Mehr zu Kambodschas Schreckensherrschaft während den 70iger-Jahren in einem späteren Artikel…

Um 17.30 Uhr kurz vor Sonnenuntergang ist dann auf dem Rückweg vom Hügel ein besonderes Spektakel dieser Gegend zu sehen. Tausende von Fledermäusen fliegen in einem Zug während mindestens einer halben Stunde aus einer Höhle. Der Zug ist eindeutig auszumachen und bricht nicht ab. Die Fledermäuse verlassen jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang die Höhle um sich nachts in den umliegenden Feldern von Insekten zu ernähren und im Morgengrauen dann wieder in die Höhle zurückzukehren.

Beim Abendessen lerne ich einen Engländer kennen, der bereits seit einigen Jahren an der Universität in Battambang unterrichtet. Zufällig hat er Morgen frei und erklärt sich bereit sich mit seinem Motocross-Motorrad in der Gegend herumzufahren.

Wir besichtigen eine Krokodilfarm mit rund 600 Krokodilen, die für deren Fleisch oder Haut gezüchtet werden. Ich kann sogar ein junges Krokodil in den Händen halten – ein kleiner Adrenalinkick, weil selbst die jungen Tiere schon beissen können. Aber mit dem richtigen Griff kann das junge Tier nichts anrichten.

Dann gehts weiter zur Fischpastenproduktion. Ich bin überrascht, sehr hygienisch sieht es hier erwartungsgemäss nicht aus, aber ich habe mit deutlich mehr Fischgestank gerechnet. Die Fischpaste wird auch als Kambodschanischer Käse bezeichnet und ist aufgrund des hohen Proteingehaltes eine beliebte Zutat in kambodschanischen Gerichten.

Zum Abschluss sehe ich noch die ersten Killing Fields, Denkmäler mit den Überresten von Skeletten der Khmer Rouge Opfer, von denen es übers Land verteilt mehrere gibt. Die berühmtesten und meist besuchten Killing Fields liegen in Phnom Penh, wovon ich später berichte werde.

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