Schlaue Kommunisten und schwimmende Märkte

Als ich nach Ho Chi Minh Stadt (Saigon) kam, fiel mir sofort der hohe Entwicklungsgrad Vietnams gegenüber anderen südostasiatischen Ländern – insbesondere natürlich gegenüber dem gerade bereisten Kambodscha – auf. Die Vietnamesen sind ein geschäftiges Volk – und schlau, was mir schlagartig klar wurde als ich die Tunnels von Cu Chi sah.

Um die Bedeutung der Cu Chi Tunnel einreihen zu können, ist es von Vorteil, wenn man die Grundzüge des Vietnamkrieges kennt. Die Franzosen haben ganz Indochina (Vietnam, Kambodscha und Laos) kolonialisiert. Dagegen haben sich die kommunistischen Vietnamesen ab 1945 aufgelehnt. Um die politischen Spannungen zu reduzieren, wurde 1954 an der Genfer Konferenz eine vorübergehende Trennung von Nord- und Südvietnam beschlossen. Das Abkommen sah auch freie Wahlen vor. Der kommunistische Norden wurde von China oder der Sowjetunion unterstützt, während der Süden militärische Unterstützung von den USA erhielt. 1956 sollten Neuwahlen stattfinden. Allerdings befürchtete der Präsident der südvietnamesischen Republik (sowie die USA), dass die Nordvietnamesen die Wahlen gewinnen würden und sagte die Wahlen ab. Es entstand ein Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südvietnam, wobei Südvietnam militärische Unterstützung der USA erhielt. Die Situation geriet total ausser Kontrolle als die USA herausfanden, dass Nordvietnam Truppen im Süden stationiert hatten und die Versorung derer über den Ho Chi Minh-Pfad erfolgt. Wie allgemein bekannt ist, wurden von den militärisch überlegenen USA Unmengen von Bomben abgeworfen, Artillerie abgefeuert, Schlachten geführt und im Westen eher weniger bekannt – ganze Gebiete mit Chemikalien vergiftet. 1973 zogen sich die Amerikaner zurück und 1975 eroberten die Nordvietnamesen Ho Chi Minh, was zur Beendigung des Krieges und der Wiedervereinigung des Landes führte.

Die Cu Chi Tunnels liegen 70 km nordwestlich von Ho Chi Minh – im südlichen Teil Vietnams und wurden von den nordvietnamesischen Vietcong-Soldaten für ihre Guerillakämpfe benutzt. Das Tunnelsystem ist um die 200 km lang und äusserst ausgeklügelt. Das Tunnelsystem verfügt über 3 Etagen, die sich auf ungefähr 3, 6 und 12 Metern befinden. Die Gänge von 80 cm Höhe und 60 cm Breite verbinden leicht grössere Räume, die das Leben unter der Erdoberfläche ermöglichten. Die Tunnel waren für Nicht-Vietnamesen selbstverständlich viel zu eng. Der Zugang erfolgte mittels kleiner Klappen, die bestens getarnt waren. In der Umgebung der Zu- und Ausgänge gab es unterschiedliche tödliche Fallen. Die Tunnels waren so ausgeklügelt ausgehoben worden, dass sogar die amerikanischen B 52-Bomben mit einer Reichweite von 10 Metern Tiefe das System nicht zum Einstürzen bringen konnten.

Aber nicht nur das. Für den Rauchabzug der unterirdischen Küchen gab es Abzugskammern, die auf der Erdoberfläche ebenfalls äusserst gut getarnt waren und nur von wenigen Metern Entfernung verdächtigen Rauch aufwiesen. Die Tunnel boten sogar gegen Gasanschläge Schutz.

Ein kurzer Teil der ehemaligen Tunnel wurde für den Tourismus auf 1.20 Höhe und 80 cm Breite ausgebaut. Man muss sich doch sehr bücken um die wenigen Meter unter der Erde gehen zu können. Für grössere Touristen kommt gar nur Kriechen auf den Knien in Frage. Die 40 Meter unter der Erde, die ich hinterlegt habe, fühlten sich wie ein Dampfbad an und wieder draussen, war ich froh, wieder aufrecht stehen zu können.

Gegen Bares – ungefähr 1.50 Franken pro Schuss – kann man M16, AK47 oder andere Maschinengewehre abfeuern. Es war also wieder einmal an der Zeit an einem “touristischen Blödsinn” teilzunehmen. Interessante Erfahrung, aber zwecks mangelhafter Sicherheit für mich eine einmalige…

Das Mekong-Delta lockte mich mit einem echten schwimmenden Markt. Die meisten schwimmenden Märkte werden wegen dem Tourismus aufrechterhalten. Der Mekong fliesst vom Tibet durch China und Laos entlang der laotischen und thailändischen Grenze durch Kambodscha und schliesslich in den Süden Vietnams – das Mekong-Delta -, wo er sich in verschiedene Arme verzettelt und schliesslich ins Meer fliesst.

Die Bootstour durch die kleinen Nebenflüsse ist sehr touristisch. Auf dem kleinen Kanal rudern Vietnamesen in klassischen konischen Hüten Touristen auf Flussinseln. Die Umgebung ist grün und sehr fruchtbar. Zum Mittagessen gabs einen Elefantenohrfisch, der vom Kellner zerpflückt und mit frischen Kräutern und Gemüse in Reispapier eingewickelt wurde.

Auf dem schwimmenden Markt werden Waren aller Arten, jedoch vorwiegend frische Nahrungsmittel angeboten. Die Szenerie lockt mit schönen Fotosujets. Interessant waren auch die Besichtigung der Reispapierherstellung sowie der Reisverarbeitung in der näheren Umgebung des Marktes.

Für die Herstellung von Reispapier wird Reismehl mit Wasser vermischt und wie ein Pancake auf einer heissen Platte kurz gebacken und dann zum Trocknen auf Bambusgerüsten ausgelegt. Die grossen Reispapiere werden anschliessend zu Reisnudeln zerschnitten, während die kleineren Reispapiere zum Einpacken von Nahrungsmitteln verwendet werden (Frühlingsrollen).

Vietnamesische Bauern im Mekong-Delta bringen ihren Reis zur Verarbeitung in die Fabrik. Dort wird zuerst der Spelzen – also die Schale abgetrennt. Der Vollkornreis wird dann abgeschliffen, woraus der weisse Reis resultiert. Sämtliche Zwischenprodukte können weiterverwendet werden. Der Bauer muss für die Verarbeitung seines Reises nichts bezahlen, wenn er den Spelzen und das entstehende “Reismehl” in der Fabrik hinterlässt. Der Spelzen wird teilweise als natürlicher Dünger oder häufig als Brennstoff weiter verwendet. Der gebrochene Reis kann beispielsweise als Suppeneinlage verwendet werden (Reisporridge) usw.

Die Rückreise nach Ho Chi Minh gestaltete sich typisch vietnamesisch. Zigmale wurden die Touristengruppen wieder frisch zusammengewürfelt und auf andere Busse verteilt. Ein Grund mehr mit einem Easy Rider auf Tour zu gehen…

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