Auf Easy Rider-Tour durch Vietnams Zentralhochland

Dalat ist eine auf 1’500 Metern gelegene gut entwickelte Stadt – ein Ferienort für viele Vietnamesen. Dalat ist vollbepackt mit Easy Ridern, Kriegsveteranen, die Touren mit richtigen Motorrädern anbieten. Mir wurde eine solche Tour empfohlen. Mehrtägige Touren gehen ganz schön ins Geld, aber es handelt sich ja auch um ein einmaliges Erlebnis! Es hat mich etwas Zeit gekostet, die richtigen Easy Rider ausfindig zu machen, da es ganz viele Nachahmer gibt, die zwar etwas günstiger sind, aber auch dafür bekannt sind, ihren Job nicht so ganz ernst zu nehmen, zu schnell zu fahren und bei Zwischenfällen unbesonnen zu reagieren…

Als ich dann vor dem x-ten Anbieter stand, wusste ich plötzlich, dass ich die richtigen Easy Riders gefunden habe. Es sassen nämlich alles alte Männer vor dem kleinen Büro. Kriegsveteranen sind logischerweise etwas älter als 40… Ich habe mich dann für eine 2-Tagestour nach Nha Trang mit dem Guide Stephane entschieden.

Mein Rucksack wurde in einen grossen Plastik eingewickelt und hinten auf das Motorrad gebunden. Und schon ging’s los. Die Fahrt führte durch arme Dörfer vorbei an Reis- und teilweise Maisfeldern. Stephane fuhr nie schneller als 60 kmh und war stets auf meine Sicherheit bedacht.

Schon nach kurzer Zeit kamen wir an einem Reisfeld dabei, wo eine Bäuerin und ein Bauer gerade dabei waren den Reis zu ernten. In den meisten Gegenden Südostasiens hat der Reiszyklus im Mai begonnen, so dass hauptsächlich hellgrün leuchtende Felder zu sehen sind, die aber noch keine Frucht tragen. So habe ich mich besonders gefreut, erntereifen Reis zu entdecken. Dieser ist nämlich wie auch andere Getreidesorten gelb und trägt die Reisfrucht an der oberen Spitze der Pflanze.

Unterwegs stoppten wir auf einem Markt, wo direkt am Strassenrand Fleisch “mit Bakterien” verkauft wurde. In vielen Gegenden dieser Erde wird Fleisch von Fliegen umzingelt und ungekühlt verkauft. Die Frauen mit den typisch vietnamesischen konischen Hüten lächelten teilweise unbekümmert in meine Kamera…

In der Seidenfabrik war der ganze Zyklus von der Seidenraupe, übers Ablösen der Seide in kochendem Wasser, die Herstellung des Seidenfadens, des Färbens bis zur Weberei von fertigen Stoffen zu sehen. Abgesehen von den lebendigen Raupen, die in kochendem Wasser getötet werden um die Seide abzulösen, gleicht die Herstellung von Seidenstoffen der Herstellung Textilien anderer Materialien.

Die Landschaft bei der Fahrt durch die Berge war teilweise atemberaubend schön. Doch immer wieder deutete Stephane auf Hügel, die kahl oder mit Eukalyptusbäumen bewachsen waren – die Zerstörung der Natur durch menschliche Hand als Kriegshandlung! Als die USA herausfanden, dass die nordvietnamesischen Vietcong einen Pfad hatten (Ho Chi Minh-Pfad) um ihre Truppen im Süden zu versorgen, fällten sie eine grausame Entscheidung. Der dicht bewachsene Dschungel, der den geschickten Vietnamesen ein Versteck und Schutz für die Beförderung von Kriegsmaterialien bot, musste weg. So begannen die USA mit Flugzeugen Dschungel und Felder mit dem Entlaubungsmittel “Agent Orange” und anderen Chemikalien grossflächig zu besprayen.

“Agent Orange” war der gefährlichste Stoff, der dabei eingesetzt wurde und wütet heute noch in Vietnam. Agent Orange enthält die als hochgiftig bekannte Chemikalie Dioxin. Das Gift hat aber nicht nur den Dschungel und Felder zerstört. Es ist in die Nahrungsmittelkette gelangt. Viele Vietnamesen – wie auch US-Soldaten – erkrankten an Krebs und anderen Krankheiten. Besonders schlimm ist jedoch, dass sich das Gift in den Genen festsetzt und über mehrere Generationen weitergegeben wird, so dass in Vietnam heute noch viele Kinder mit Missbildungen oder Immunschwächen auf die Welt kommen oder später in ihrem Leben an Krebs erkranken. Die USA hat zwar ihre Kriegsveteranen entschädigt, an Vietnamesen wurden jedoch bis heute keine Reparationszahlungen geleistet. Ich habe mehrmals Vietnamesen darauf angesprochen, ob es Studien gibt, die belegen wie viel von dem Gift heute noch im Boden vorzufinden ist. Ich habe nie eine Antwort darauf erhalten… Lediglich, dass die Regierung teilweise Bauern dazu auffordert umzusiedeln. Um das Landschaftsbild zu verschönern wurden Eukalyptusbäume gepflanzt.

Den ganzen Tag über hat es immer wieder geregnet. Zum Glück hat Stephane vorgesorgt und Regenkleidung mitgebracht. Und dann hatten wir plötzlich einen Platten in strömendem Regen. Im nächsten Dorf gabs dann also einen Zwangsstopp. Während Stephane einen Mechaniker aufsuchte, der im helfen konnte, den Pneu zu flicken, wartete ich von Kindern umzingelt in einem kleinen Shop an der Strasse. Es schien mir als hätten diese Kinder noch nie eine Digitalkamera gesehen – ein Ding, das doch mittlerweile viele Asiaten besitzen. Ich habe ohne Ende Fotos geknippst, während die Kinder gelacht haben und mit Erstaunen die Resultate auf dem Display betrachteten.

Schliesslich übernachteten wir in einem Homestay, das kein eigentliches Homestay, sondern mehr eine komfortable Herberge mit einem schmucken Schlafsaal war. Wir waren die einzigen Gäste und genossen ein vorzügliches Abendessen.

Nach dem Frühstück sahen wir uns in einem Minderheitendorf in der Nähe der Herberge um. Einfache Hütten und herzlich lächelnde Menschen. Die Kinder kamen auf uns zugerannt als Stephane die Bonbons zum Verteilen auspackte. Schliesslich ging’s dann weiter. Es stang eine lange Fahrt nach Nha Trang bevor auf der wir mehrmals anhalten mussten, damit ich mir die Füsse vertreten konnte, weil ich einfach nicht mehr sitzen konnte.

Vor Nha Trang kamen wir an einem grossen malerischen Fischerhafen vorbei. Dann brachte mich Stephane in Nha Trang zu einem Guesthouse, wo wir uns nach einem Abschiedsfoto verabschiedeten.

Nha Trang ist sehr touristisch und mit neureichen Russen überlaufen. Dafür war es wieder einmal Zeit für einen Tauchgang – ein gelungenes Ergebnis bevor es dann in die Schneiderstadt Hoi An weiterging…

Ähnliche Artikel:

Eine Antwort to “Auf Easy Rider-Tour durch Vietnams Zentralhochland”

  1. Hedy Grüter sagt:

    Liebe Jolanda
    Heute bin ich wieder mal auf Facebook, hier bin ich eher selten. Ich wollte nach deinen Berichten suchen, bis ich nach langem durchstöbern die website fand. Ich finde das ganz toll wie du das machst. Ist sicher auch der bessere Ort als auf Facebook. Ich freue mich für dich, dass es dir so gut geht und du eine tolle Reise geniessen kannst. Du schreibst wunderbare Berichte, machst tolle Fotos. Einfach wunderbar. Du erlebst und machst Dinge, die dich ein ganzes Leben begleiten werden, es ist herrlich. Erfahrungen, Bilder, Erlebnisse, Eindrücke, Momente, die dir niemand nehmen kann. Du machst das so gut. Ich bin stolz auf dich.
    Hier zu Hause ist alles bestens. Wir schmollen bei Temperaturen über 30 Grad, einfach zu heiss… Wir warten auf Abkühlung…
    Geniesse deine Reise, weiterhin alles Liebe und Gute. Und vielen Dank für deine tollen Berichte.

    Wunderbare Grüsse aus der Heimat,
    Hedy

Antwort eingeben

< script type = "text/javascript" > //