Kriegsschauplätze in der demilitarisierten Zone, eine Horrorbusfahrt und unsympathische Nordvietnamesen

Die demilitarisierte Zone wurde gemäss der Genfer Konferenz 1954 errichtet um den Süden und den Norden Vietnams zu trennen. Allerdings zeigt die Geschichte dieser Gegend wenig Demilitarisierung auf. Hier ging es blutig zu und her – besonders nördlich der Grenze.

Das Vinh Moc-Tunnelsystem ist unsere erste Station. Hier versteckten sich vietnamesische Zivilisten vor den blutigen Kämpfen und lebten teilweise monatelang in den feuchtheissen Tunneln bis zu 27 Meter unter der Erde. Die Tunnels sind jedoch viel komfortabler als jene von Cu Chi, die zum Kämpfen ausgelegt und viel enger waren. Aber auch hier herrschen Saunaverhältnisse beim Begehen.

Das Gebiet ist übersäht mit Bombenkratern und die Landschaft ist an vielen Orten mit mehr Eukalyptusbäumen, ein australisches Wiederaufforstungsprojekt, als echtem vietnamesischem Dschungel übersäht. Agent Orange, das Dioxin enthaltende hoch giftige Entlaubungsmittel, wurde hier zusammen mit den Bomben fast flächenddeckend eingesetzt, da hier das kritische Nadelöhr des Ho Chi Minh-Pfades war. Eigentlich hätte die demilitarisierte Zone ja eine Trennung des Norden und Südens bewirken sollen. Aber da die Nordvietnamesen ihre Vietcong-Soldaten auch im Süden stationiert hatten um den Feind zu bekämpfen, wurde der Ho Chi Minh-Pfad unterhalten, um die eigenen Reihen im Süden zu versorgen. Es ist somit logisch, dass die USA in diesem Bereich besonders aktiv waren, wo der Pfad in den Süden des Landes verläuft…

Besondere Berühmtheit erlangte der Hügel Rock Pire – ein Berg, der den US-Amerikanern als Überwachungsposten diente. Rock Pire steht inmitten einer Ebene, die nach der Zerstörung der Vegetation durch Agent Orange den Blick auf jegliche Bewegungen des Feindes freigab.

Schliesslich besuchen wir noch eine ehemalige US-Militärbasis – eine Ebene mitten in den Hügeln. Hier gab es eine grosse Landepiste, die sich heute teilweise noch erahnen lässt. Auf dem Gelände wurde ein Museum erstellt und es stehen ein Militärflugzeug, einige Panzer und Bombengehäuse herum. Auch ein Gefechtsgraben wurde nachgebaut, der von Touristen begangen werden kann.

Mich erstaunt wie professionell unser Tourguide, eine Vietnamesin mittleren Alters, über die Vorgänge aus der Zeit des Krieges informiert. Natürlich kann von Neutralität keine Rede sein, auch wenn es so herüber kommt. Denn es ist allen Touristen klar, dass hier die vietnamesische Sicht erzählt wird. Aber in diesem Fall brauche ich die westliche Sicht gar nicht zu hören. Wie soll das Eingreifen der USA in einen Krieg aus purem Egoismus, weil der Kommunismus als Feind betrachtet wurde und all die Zerstörung rechtfertigt werden? Die abgeworfenen Bomben über Vietnam, Laos und Kambodscha sind heute noch eine Bedrohung für die Bevölkerung, der durch Agent Orange oder anderer Chemikalien vergiftete Lebensraum ist heute noch ein Risiko und Vietnam ist heute noch kommunistisch… Und gleichzeitig ist Vietnam eines der Länder, die in den letzten Jahren eine überraschende Entwicklung durchgemacht haben – trotz Kommunismus. Fazit: Leben und leben lassen. …und was wir im Westen als schlecht und ungeeignet betrachten, muss anderswo gar nicht so schlecht und ungeeignet sein…

Obwohl ich das Konzept der nordvietnamesischen Freundlichkeit nicht so recht verstehe… Es ist allseits bekannt, das Vietnamesen, insbesondere die nördlicheren Genossen, oft unfreundlich sind. Ich habe es überall gehört, wollte es selber aber nicht glauben, bis ich’s selber erlebt habe…

Vorab gesagt: Nordvietnamesen sind aus meiner Sicht nicht unbedingt unfreundlich. Vielmehr würde ich sie mit ignorant, eigenwillig und sehr profitorientiert beschreiben.

Ich habe ein Ticket für den Nachtbus nach Hanoi gekauft. Auf Anraten der Rezeptionistin in meinem Hotel habe ich das teurste Ticket gekauft für die lange Fahrt – ein schwerwiegender Fehler wie sich herausstellt… Ich warte also nördlich von Hue in einem kleinen Busbüro auf den Bus. Es giesst wie aus Kübeln. Die wenigen Meter zum Bus lege ich rennend zurück. Der Bus ist bereits überfüllt, der versprochene Sitzplatz besetzt. Ein verärgerter Mitarbeiter weist mir schliesslich einen Platz zu, er hat vermutlich einen Vietnamesen von seinem Platz vertrieben, damit die Touristen, die viel mehr fürs Ticket bezahlt hat, einen Sitzplatz hat… Ziemlich schnell stellt sich heraus, dass es der schlechteste Sitzplatz des ganzen Busses ist. Der Vietnamese hat sich wohl gern nach einem anderen Platz umgesehen. Es regnet nämlich hinein. Die Abdeckung der Klimaanlage über mir wurde geöffnet und eine Plastiktüte wurde hineingestopft, die jedoch den Rinnsal nicht abhält, der nun auf mich herunterprasselt. Schwarze Brühe… zuerst schmunzle ich noch und denke mir, na ja, Gott sei Dank, ist die Brühe nicht rot, ist ja beruhigend… Aber es hört nicht auf. Die Wolldecke, die ich schützend über mich gelegt habe, ist bereits durchnässt. Und der Vietnamese neben mir bietet mir mitleidsvoll eine Plastiktüte an. Der Boden dieser ist innert wenigen Minuten bereits mit 2 cm Wasser gefüllt… Die Belüftung der Klimaanlage ist nicht einstellbar, weil die Abedeckung herausgerissen wurde. Kalte Luft bläst mich an… Langsam beginne ich mich zu ärgern, aber so richtig. An Schlaf ist nicht zu denken. Ich friere und ich bin bereits krank. Eine trockene Decke ist nicht verfügbar resp. meint der Mitarbeiter meine Decke wäre noch nicht so nass… Ich lege mich schliesslich auf den Boden zu den Vietnamesen, die keinen Sitzplatz ergattert haben. Die Vietnamesen rundherum beginnen zu lachen, eine Ausländerin, die auf dem Boden schlafen will? Jedes Mal wenn ich kurz vor dem Einschlafen bin, weckt mich der Mitarbeiter auf und schickt mich auf meinen Sitzplatz zurück. Vermutlich interessiert es ihn gerade so viel die Sicherheitsvorschriften zu beachten, dass keine Ausländerin auf dem Boden schläft… Irgendwann stoppt der Regen dann und ich kehre definitiv zu meinem Platz zurück. Ich kriege vielleicht gerade so noch zwei Stunden Schlaf bis wir in Hanoi ankommen.

Mit einer anderen Touristin will ich mir ein Taxi zum Hostel teilen. Wir steigen ein und bitten darum, dass der Fahrer den Taximeter einschaltet. Dieser ist von unseren Rucksäcken auf dem Vordersitz bedeckt. Der Fahrer macht einige komische Manöver wie Herunterbremsen auf einer freien Strasse und so langsam beschleicht mich das Gefühl, dass er wohl auch etwas grosszügig ist mit der Wahl der Strecke… Nach ungefähr 10 Fahrminuten kommen wir bei unserem Hostel an. 450’000 Dong!!!! Sind 20 Franken. Uns ist sofort klar, dass wir in einem Taxi mit manipuliertem Meter gelandet sind. Taxi fahren kostet in Vietnam nämlich nichts – ich habe bisher für ähnliche Strecken etwa einen Zehntel des hier geforderten Preises bezahlt. Wir sagen dem Fahrer, dass wir niemals diesen Preis bezahlen werden, dass wir sehr wohl wissen, dass sein Meter manipuliert sei. Wir offerieren ihm einen Zehntel. Er wird frech, beginnt uns anzuschreien. Wir drohen mit der Polizei. Er meint, wir sollen nur die Polizei anrufen. Der Mut verlässt mich. Die Polizei ist korrupt, ich will keine Umstände und keinen Ärger. Was ist, wenn ein Kollege von ihm kommt? Im Nachhinein weiss ich, ich hätte einfach mein Handy zücken sollen und so tun als ob ich die Polizei anrufen würde und er hätte eingelenkt. Schliesslich haben wir uns im Hostel informiert wie viel die Fahrt ungefähr kosten dürfte und geben ihm schliesslich 100’000 Dong – immer noch viel zu viel, aber was solls?

Ich bin einfach viel zu müde, will eine Dusche und noch einige Stunden Schlaf nachholen. Aber wir können erst nach 12.00 Uhr einchecken. Handtücher müssen gemietet werden und ähm ja, leider sind sie aber gerade in der Wäsche und erst Abends verfügbar… Nachmittags um 14.00 Uhr gehen wir schliesslich ins Zimmer. Es wird gerade geputzt und die Bettwäsche gewechselt. Als das Putzpersonal das Zimmer verlässt, starrt uns ein Fleck mit einer ausgeschütteten Flüssigkeit und zahlreichen Ameisen darüber an…

Wir gehen zum Markt. Ich will endlich getrockneten Tintenfisch probieren, der hier überall angeboten wird. Ich zeige auf den Tintenfisch und frage die Verkäuferin in langsamen Englisch, wieviel denn ein Tintenfisch kostet. Meine Zeichensprache ist international und hat bisher nie versagt. Was passiert? Sie dreht sich um und ignoriert mich einfach… Das ist es also mit der besagten Unfreundlichkeit der Vietnamesen! Aber ich will nicht gleich urteilen. Vielleicht bedeutet es für einen Vietnamesen einen Gesichtsverlust, wenn er sich nicht verständigen kann. Trotzdem verstehe ich es nicht bzw. kann damit nicht umgehen. In Thailand oder in Kambodscha würde die Verkäufern einen Taschenrechner zur Hand nehmen oder mir Geldscheine zeigen und das Geschäft ist gemacht…

Solche Dinge sollen mir in den nächsten Tagen noch öfters passieren und immer wieder werden Dinge versprochen, die so nicht gehalten werden. Schlechter Service… Nachfragen stösst auf Unverständnis etc. Selbst die Inhaberin eines Cafés erzählt uns, dass sie eigentlich lieber im Süden leben würde, wenn ihre Familie nicht in Hanoi wäre…

Aber glücklicherweise gibt es auch Ausnahmen. Hungrig machen wir Abends ein lokales Restaurant ausfindig. Es sind nicht viele Gäste da, aber es ist auch schon spät. Wir spähen auf den Tisch der Männer nebenan, der mit diversen Speisen bedeckt ist und werden gleich eingeladen uns dazu zu setzen. Es folgen die üblichen neugierigen Fragen und wir kriegen ein Bier vor unsere Nase gesetzt. Als wir schliesslich aufbrechen wollen, wollen die Herren unbedingt unsere Rechnung übernehmen… Schliesslich lenken wir ein und sehen es quasi als Kompensation für den Ärger, den wir mit ihren Landsgenossen bereits hatten…

Trotzdem – ich werde mich wohl künftig eher aufs Leben lassen aus der Distanz konzentrieren, was Vietnam betrifft…

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