Beeindruckende Landschaft in der Halong Bay und in Sapa

Bevor ich die Vietnamesen leben lasse, liegen noch zwei Klassiker unter den Sehenswürdigkeiten in Vietnam vor mir – die berühmte Halong Bay, Karststeinfelsen im Meer, und in Sapa, die Reisterassen und die freundlichen Minderheitenvölker.

Die Tour zur Halong Bay für 3 Tage und 2 Nächte war bei 49 US-Dollars inklusive Übernachtungen, Busfahrt zum Hafen, Bootsfahrt, sämtlicher Ausflüge und Essen ein echtes Schnäppchen. Nach einigen schlechten Erfahrungen mit Versprechen der Nordvietnamesen haben wir uns die Leistungen schliesslich noch schriftlich bestätigen lassen. Und fairerweise darf ich sagen, dass diesmal die Verprechen gehalten wurden. Allerdings waren meine Erwartungen infolge des tiefen Preises auch nicht gerade hoch…

Die Halong Bay ist ein Naturspektakel für sich. Und die Bootsfahrt zum Beobachten der Karststeinfelsen ist das Herzstück, so dass mir die Auswahl der Fotos wieder mal schwer fällt…

Die Höhle, die wir am ersten Tag besuchen ist sehr touristisch. Ströme von Touristen wandern über die modern angelegten Treppen und komfortablen Weg. Die Stalaktiten und Stalagmiten werden von Neonlichtern in den verschiedensten Farben beleuchtet. Das Schauspiel ist trotzdem oder gerade wegen der Lichter beeindruckend.

Die erste Nacht verbringen wir auf dem Boot mitten im Meer. Das Zimmer ist zwar etwas schimmlig und stickig heiss, aber bei Holz umgeben von Wasser ist dies nichts Anderes als natürlich und normal. Dafür können wir mit offenem Fenster und offener Türe schlafen und die Brise vom Meer geniessen – hier wird uns wohl niemand im Schlaf beklauen oder belästigen wollen… Aber bevor ans Schlafen zu denken ist, wollen wir uns erstmal abkühlen. Wir springen ins Meer – vom oberen Deck des Bootes. Es sind mindestens 6 Meter. Ich tauche nicht so gerade wie geplant ein und mein Gesäss scheint danach etwas gerötet zu sein… Ich lasse mich also besser in der Strömung treiben um wieder dagegen anzuschwimmen und wiederhole die kleine Mutprobe besser nicht… Die Abkühlung ist herrlich. Leider dürfen wir aus Sicherheitsgründen nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr Schwimmen. Zu gerne würden wir sehen wollen, ob es tatsächlich schimmerndes Plankton gibt… So spielen wir nach dem Nachtessen eine andere Form von Scrabble auf dem Deck und geniessen die Stille um uns herum mit einem Bierchen in der Hand.

Am nächsten Tag gehen wir an Land. Wir gehen Trekken. Eine Vietnamesin in Gummischlupffinken führt unsere Gruppe an. Der Weg geht steil nach oben, zuerst über Treppen. Aber schon bald kraxeln wir über rutschige Felsen und müssen uns mit den Händen behelfen um hochzukommen. Dafür ist die Aussicht vom Gipfel atemberaubend trotz hoher Luftfeuchtigkeit gepart mit Anstrengung. Wieder einmal sage ich mir, dass man hoffentlich auf dem Foto nicht erkennt wie viel ich schwitze…

Bevor es wieder heruntergeht – mir graut der Abstieg über die rutschigen Felsen, der nicht wirklich als Weg bezeichnet werden kann bereits -, bemerke ich, dass meine Sandalen, die mich nun bereits meine ganze Reise begleitet haben, demnächst am Ende ihres Lebenszykluses ankommen. Aber sie halten noch bis ich wieder sicher unten angelangt bin. Nachmittags haben wir zur freien Verfügung und spazieren zum nächsten Strand. Die Vietnamesen vor Ort meinen, dass die starke Strömung nicht für Frauen wie uns geeignet wäre. Ich belehre sie eines Besseren. Wäre doch gelacht, wenn ich mich von einigen Wellen verrückt machen lassen würde. Der Strand liegt in einer Bucht und es sieht nicht nach Strömungen aus, die einen heraus ins offene Meer ziehen. Klar, die Wellen sind stark und man riskiert unfreiwillig abzutauchen oder dass das Bikini verrutscht – Nichts, was ich nicht schon anderswo erfahren habe…

Den Abend verbringen wir in einer Bar, wo wir die Musik via Youtube-Player selber anwählen können. Warum gibts sowas bei uns im Westen nicht? Ach ja, wir kennen ja Copyright-Gesetze… Am letzten Morgen unserer Tour müssen einige Mädels unserer Gruppe dann nochmals mit den berühmten weniger sympathischen Genossen des Landes kämpfen. Das Hotelmanagement will Geld für einen mit einem Kaffeefleck verschmutzten Bettbezug. Grund: der Kaffeefleck lässt sich nicht reinigen. Gefordert: voller Preis für den Ersatz des Bettbezuges. Unser Tourguide steht zwischen den Fronten. Trotz seines Verständnisses für die Touristen, müssen die Mädels schliesslich bezahlen – zumindest weniger als ursprünglich gefordert.

Auf dem Rückweg nach Hanoi reissen dann auch noch meine Flip Flops. Ich brauche dringend neue Schuhe, denn meine Ledersandalen, die einzig verbleibenden Schuhe in meinem Besitz, sind im Regen oder zum Duschen nicht geeignet. Zu gut, dass wir auf dem Rückweg in Hanoi direkt an der “Schuhstrasse” vorbeifahren. Ich will neue Flip Flops kaufen. In Thailand kostet eine erstklassige Hawaianakopie 2-3 Dollars. Die Preise in Vietnam sind horrend – mehr als 12 Franken für “no name” Flip Flops, hergestellt im Land der Schuhproduzenten… Ich versuche den Preis herunterzuhandeln. Selbst Weglaufen bringt hier nichts. Die Verkäufer schauen mich verachtend an, wenn ich ihnen einen viel tieferen Preis nenne oder schreien sogar, ob ich denn verrückt sei. Touristenabzocke pur… aber ich brauche nun mal ein paar Flip Flops, nichts zu machen… schliesslich komme ich mit 8 Franken weg. Die Vietnamesin, der ich die Story am nächsten Tag erzähle, lacht mich aus. Sie meint, sie würde zwischen 65 Rappen und 1.30 Franken bezahlen…

In Sapa will ich mir Trekkingschuhe kaufen. North Face produziert in Vietnam. Aber natürlich handelt es sich alles um Kopien oder warum würde bei einer Jacke mit Goretex-Stickerei neben dem Goretex-Zettel noch ein Zettel mit 100 % Nylon stehen? Auch hier ist die Reaktionsweise der Händler die Gleiche, wenn ich um den Preis handeln will – Verachtung und Schreie begleitend von Kommentaren, dass ich total durchgeknallt sei… Ich finde schliesslich einen Shop, wo ich anständig behandelt werde, den Preis leicht herunterhandeln kann und kriege meine North Face-Trekkingschuhe für umgerechnet 20 Franken. Natürlich war das immer noch ein Touristenpreis, aber die Schuhe sehen gut verarbeitet aus. In der Schweiz oder sonstwo in Europa würde ich für ein paar schlechtere no name-Turnschuhe bereits mindestens 50 Franken hinblättern. Ich bin zwar in Vietnam, aber was solls? In Flip Flops wandern zu gehen und damit auf die Nase zu fallen lohnt sich nicht, nur um meinen Stolz aufrechtzuerhalten…

Schliesslich miete ich mir einen Motorradroller um das Gebiet rund um Sapa herum zu erkunden. Ich fahre in ein Tal hinunter. Die Strecke ist abenteuerlich und ich bin dankbar, dass meine neuen Schuhe etwas Stand bieten den Roller zu halten, wenn ich anhalten muss. Die Strasse ist selbstverständlich in einem miserablen Zustand – Schlaglöcher, Steine in allen Formen und Grössen, Matsch von vorangehenden Erdrutschen und Bäche, die es zu überqueren gilt. Der Ausblick lohnt sich definitiv. Ich wollte schon immer Reisterassen sehen und endlich habe ich sie vor mir. In allen Grössen und Ausprägungen. Sattes Grün, von der Sonne oder den Wolken in den unterschiedlichsten Winkeln und Schattierungen ausgleuchtet. Ich freue mich auf das Trekking am nächsten Tag.

Wir marschieren los, zuerst über die unbefestigte Strasse, aber schon bald den Hang hinunter. Es ist rutschig, matschig und ich bin bereits froh über meine neuen Trekkingschuhe auch wenn diese bereits richtig dreckig werden. Die Gegend um Sapa wird von Minderheitenvölkern bewohnt, die usprünglich aus Südchina kommen. Die Hmong-Minderheit ist die Bedeutendste. Aber Eines haben alle Minderheiten gemeinsam. Sie sind äusserst freundlich, neugierig, hilfsbereit und sehr, sehr gastfreundlich. Die Frauen in ihren traditionellen mit Indigo gefärbten Hanfkleidern sind überall im Dorf anzutreffen, wo sie in überraschend gutem Englisch mit Touristen Konversation suchen und ihre Handarbeiten anbieten. Und sie begleiten Touristen auf der Wanderung zu ihren Dörfern. Schwangere Frauen, Frauen mit Kleinkindern auf dem Rücken oder alte Ladies – selbst sie laufen sicher in ihren einfachen Gummifinken den Weg hinunter und halten die Touristen am Arm fest, damit diese nicht auf dem matschigen Weg ausrutschen. Dabei fragen sie auch noch neugierig, woher man kommt, wie lange man schon in Sapa sei usw. Wenn sie sich verabschieden, versuchen sie die ein oder andere Handarbeit zu verkaufen. Selbst wenn man nichts kauft oder nur ein Armbändchen, die Enttäuschung ist zwar spürbar, aber niemals artet sie in Beschimpfungen aus wie ich sie aus Hanoi kenne.

Hier fühle ich mich wohl. Die Frauen sind so herzlich, dass ich Sapa mit einem Armbändeli-behängten Arm verlassen werde…

Unterwegs sehen wir ab und zu Hanfpflanzen. Die traditionellen Gewänder werden nämlich aus Hanf – bekanntlich eine der robustesten Fasern überhaupt – hergestellt. Und gefärbt werden die Stoffe mit Indigo. In einem Dorf können wir den Herstellungsprozess der Gewänder beobachten. Vom Fass mit der Indigofarbe nehmen wir jedoch besser Abstand. Die Farbe bleibt mindestens eine Woche an den Händen, bevor sie langsam wieder verblasst…

Auf dem Rückweg warten wir ausserhalb eines Hauses, wo mitten am Tag Vietnamesen Karaoke singen – ein lustiges Schauspiel.

Zum Abschluss meines Aufenthaltes in Vietnam erwartet mich wieder einmal eine Busreise… 10 Stunden soll die Fahrt über Nacht bis nach Dien Bien Phu, einer Kleinstadt an der Grenze zu Laos dauern. Es werden 17 Stunden. Aber der Bus ist angenehm. Die Decken sind kuschelig und warm, es regnet nicht hinein. Als wir morgens im Nirgendwo stehen, weil ein Lastwagen die matschige Strasse, die wohl vor einigen Tagen einen Erdrutsch überstanden hat, blockiert, drehe ich mich um und schlafe weiter. 3 Stunden später wache ich auf und sehe die selbe Umgebung um mich herum… Es wird wohl nichts mit der Weiterreise nach Laos. Mittags stranden wir also in Dien Bien Phu. Ich habe mich entschieden, einen einwöchigen Intensiv-Yogakurs in Thailand an der Grenze zu Laos zu machen und muss in zwei Tagen da sein… Das könnte eng und anstrengend werden… Aber Laos stimmt mich gelassen….

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