Motorradtour auf dem Bolaven Plateau

Das Bolaven-Plateau ist bekannt für Weltklassekaffee und eine schöne Landschaft. Hierhin sollte meine Motorradtour führen. Vom Kaffee habe ich nicht so viel wie erwartet mitbekommen, dafür aber einige andere interessante Eindrücke. Und das Freiheitsgefühl, wenn man auf zwei Rädern unterwegs ist und stoppen kann, wo man möchte, war einfach unbeschreiblich.

Normalerweise mache ich keine längeren Motorradtouren alleine – man weiss schliesslich nie… Aber ich wollte unbedingt los und als ich dann beim Motorradvermieter an der Theke stand, traf ich das deutsche Päärchen von der Kong Lo Höhle wieder, die den gleichen Plan hatten. Die beiden wollten aber erst noch zum Khmer-Tempel in Champasak. Da wollte ich auch noch hin – perfekt.

Diesmal hatte ich ein Motorrad mit Halbautomatikschaltung. Die beiden haben mir erklärt wie die Schaltung funktioniert und nach einer kurzen Probefahrt ging’s los nach Champasak. Die Strassen in Südlaos sind unglaublich gut. Man kann streckenweise 100 km/h fahren, da es keine Schlaglöcher gibt und der Belag neu ist. Ein herrliches Gefühl!

Am nächsten Tag fuhren wir dann nach dem Frühstück los aufs Bolaven-Plateau. Unterwegs stoppten wir bei Wasserfällen und in Dörfern um Fotos zu machen. In einem Dorf sahen wir wie Erdnüsse zum Trocknen ausgelegt wurden. Interessant war insbesondere die Sträucher zu sehen an denen die Erdnüsse wachsen. Hast du dich schon mal gefragt, woher die Erdnüsse kommen und woran sie wachsen? Genau das mag ich am Reisen! Ich lerne immer wieder etwas dazu.

Das Etappenziel Tad Lo erreichten wir in relativ kurzer Zeit, so dass nach dem Einchecken in einem wunderschönen Bungalow noch genügend Zeit blieb die umliegenden Wasserfälle und die Elefanten auszukundschaften.

Tad Lo ist ein hübsches kleines Dorf, das zahlreiche Reisende anzieht. Überall gibt es Kaffee vom Bolaven-Plateau, frische Fruchtsäfe und leckeres Essen. Und der Besitzer des Guesthouses, wo wir übernachtet haben, hat ein interessantes Konzept: Gemeinsam Kochen. Man bezahlt einen Pauschalbetrag für das Abendessen und wer Lust hat, darf sich am Kochen beteiligen. So standen sämtliche Gäste abends gemeinsam in der kleinen einfachen Küche. Einer zerhackte Hühnchen auf einem Brett auf dem Boden und bereitete dieses anschliessend über dem Feuer in einer Pfanne unter Anleitung des Gastgebers zu. Andere bereiteten Tomatensauce oder Salate zu. Ich habe mir eine natürliche Mückenabwehr zugelegt, da ich dafür zuständig war Knoblauchbrötchen zu machen. Es dauert eine ganz schöne Weile bis man 15-20 Knoblauchzehen (asiatischer Knoblauch ist milder) zerhackt hat. Schliesslich bin ich dann noch mit dem Mixer auf Kriegsfuss gegangen, der nicht so ganz nach westlichen Standards funktioniert hat und die Kürbissuppe in der Küche zerspritzt hat, wenn er nicht gerade komische Funken gesprüht hat… Die Tochter des Gastgebers hat mir dann geholfen das Dessert zuzubereiten. Zum Wohle aller war ich froh, dass sie den Eiertest übernommen hat. Sie hat nämlich an sämtlichen Eiern, die sie aufgeschlagen hat, kurz gerochen und tatsächlich; eines roch nicht mehr so frisch und wurde weggeschmiessen bevor es im Topf landete…

Fazit: Kochen mit den einfachsten Mitteln ist gar nicht so einfach und dauert eine ganz schöne Weile. Wir waren alle ganz schön hungrig, als wir uns endlich an den Tisch setzen konnten und die Salate, die Pasta, das Hühnchen, das Knoblauchbrot, die Kürbissuppe und das Gemüse kosten konnten. Ein toller Abend!

Morgens ging es wieder mal früh aus den Federn! Wir wollten sehen wie die Elefanten im Fluss baden gehen. Ein relativ kurzes Spektakel, aber trotzdem ein lohnenswerter Anblick.

Auf der nächsten Etappe hielten wir in einem Dorf, wo Minderheiten leben und das ganz interessant zu sehen sein soll. Nach einigen Minuten zögerlichem Umhergehen wollten wir eigentlich schon wieder unsere Motorräder besteigen und weiterfahren. Dann sahen wir eine Gruppe von Touristen mit einem Guide. Der Guide wohnt in diesem Dorf und bietet gegen ein kleines Entgelt eine kurze Führung durchs Dorf an.

Während wir den Pfad hinuntermarschierten erklärte uns der Guide die Gepflogenheiten des Dorfes. Er zeigte auf ein ungefähr 5jähriges Mädchen und erklärte uns, dass sie bereits verheiratet sei! Wir starrten uns geschockt an. Er erklärte uns, dass es in diesem Dorf üblich sei, dass Mädchen im Alter von 5 Jahren von ihren Eltern mit gleichaltrigen Jungen verheiratet werden und nach der Heirat bei der Familie des “Ehemannes” leben. Diesem steht es dann frei später weitere Frauen zu heiraten und Kinder zu haben – so lange er dafür finanziell aufkommen kann. So gibt es Häuser, die zusammengebaut wurden und in denen ein Mann mit 5 Ehefrauen und 20 oder mehr Kindern leben.

Auch so einige andere Traditionen haben uns Westler ziemlich überrascht. So beginnen Kinder, insbesondere Mädchen bereits in jungen Jahren Tabak aus einer Wasserpfeife zu rauchen. Zu besonderen Anlässen werden Hunde von der Dorfgemeinschaft zu Tode geprügelt… Wir waren sprachlos. Andere Kulturen, andere Gepflogenheiten…

Die Tour führte weiter nach Paksong – einem hässlichen langezogenen Dorf – wieder zurück nach Pakse. Fazit: Guter Kaffee, leckeres Essen, viele Kaffeesträucher und Wasserfälle bestaunt, interessante Begegnungen und ein tolles Freiheitsgefühl auf dem Motorrad!

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